Rommel-Biografie „Oft locker, manchmal ein harter Hund“

Klaus Eichmüller, 23.11.2012 18:00 Uhr

Stuttgart - Am Ende verklärt sich das Bild. Ganz besonders, wenn dabei der Name Rommel im Spiel ist. Der Vater, Erwin Rommel, Generalfeldmarschall und Hitlers Lieblingsoffizier, musste am Ende auf Befehl des Diktators Gift nehmen und wechselte damit im kollektiven Gedächtnis von der Täter- auf die Opferseite, wurde vom Bewunderer Hitlers zu dessen Gegner.

Dem Sohn, Manfred Rommel, der an Heiligabend 84 Jahre alt wird, klebt in der öffentlichen Wahrnehmung längst das Marken- und Ehrenzeichen des liberale und weltoffenen Politikers an. Die jetzt vorgelegte erste Biografie des Alt-Oberbürgermeisters von Stuttgart kann und will dieses Bild nicht grundsätzlich zurechtrücken. Gleichwohl lenkt sie gelegentlich den Lichtstrahl auf die andere Seite von Manfred Rommel.

Im Rahmen der Stuttgarter Buchwochen hat Josef Schunder, der Autor der Rommel-Biografie, im Haus der Wirtschaft aus seinem Werk gelesen und sich bei dieser Gelegenheit an seine erste persönliche Begegnung mit Rommel erinnert. Es war vor 30 Jahren in der Provinz bei einem Vortrag über Atomkraft. „Ich war damals ziemlich entsetzt, dass sich ein Liberaler wie Rommel so vehement für Atomkraft einsetzte.“

Rommel überließ nichts dem Zufall

Auch Christoph E. Palmer, der frühere Staatsminister, der als Überraschungsgast und Zeitzeuge bei der Lesung zu Wort kam, erlebte Rommel als Jungstadtrat eher machtbewusst als liberal. „Er war ein Herr im Rathaus.“ Das ging soweit, dass Rommel immer dann, wenn es knapp wurde, den Vorsitz in den Ausschüssen selbst übernahm, um mit seiner Stimme seine Mehrheit zu sichern. Wurde er deshalb kritisiert, lenkte Rommel die Ärger meist mit einem für ihn typischen Spruch ab: „So hat das der Hegelsche Weltgeist geregelt.“

Diese Widersprüche zwischen öffentlicher Wahrnehmung und Realität sind auch Josef Schunder, der Rommels OB-Zeit lange als kommunalpolitischer Redakteur der Stuttgarter Nachrichten beobachtete, immer wieder aufgefallen: „Hinter Rommels Lockerheit verbarg sich oft genug ein harter Hund .“ Er war „kein Stegreifkünstler“, er „überließ nichts dem Zufall.“ Das ging soweit, dass Rommel auf der Rathausbank auf einem Stuhl mit längerer Lehne bestand.

Umgekehrt habe sich Rommel nie als allwissender Politiker und Macher aufgespielt. Nach Lobpreisungen seiner Arbeit holte er die Bewunderer mit knappen Worten zurück auf den Boden. „Man soll es nicht übertreiben. Immerhin wurde ich dafür bezahlt.“

Der erzwungene Selbstmord des Vaters hat Rommels Leben nachhaltig verändert

Palmer zieht vor Rommels „authentischem Mutterwitz“ in Verbindung mit seiner „absoluten Selbstironie“ den Hut. „Das waren unschlagbare Waffen.“ In der Politik konnte er damit Freunde und Feinde überzeugen, draußen gewann er die Herzen.

Ein dafür typische Beispiel zitierte Tom Hörner, Redakteur der Stuttgarter Nachrichten, der die Veranstaltung locker und unterhaltsam moderierte. Rommel, der seit Jahren schwer an Parkinson leidet, habe auf die Frage, ob den Alzheimer oder Parkinson besser sei, eine klare Antwort gegeben: „Natürlich Alzheimer, da vergisst man nur, sein Viertele zu bezahlen. Bei Parkinson aber verschüttet man die Hälfte.“

Ernster wurde die Lesung, als sich der Autor Schunder mit der Frage nach dem Verhältnis von Vater und Sohn Rommel beschäftigte. „Der 14. Oktober 1944 war für Manfred Rommel ein Schlüsselerlebnis.“ Der erzwungene Selbstmord des Vater und das von den Nazis erzwungene Schweigen über diese Tat habe sein Leben nachhaltig verändert. „Er musste sich von der Nazi-Ideologie lösen, um als Demokrat und Zivilist seine Berufung zu finden“, sagt Schunder. Wirklich aus dem Schatten seines Vaters sei Manfred Rommel erst später durch einen Satz getreten, die ihm auch viel Ärger eingebracht habe: „Die Mehrheit der Deutschen weiß inzwischen, dass es besser war, den Krieg zu verlieren, als ihn mit Hitler zu gewinnen.“

 

Josef Schunder: Manfred Rommel. Die Biografie. Theiss-Verlag, Stuttgart. 307 Seiten. 24,95 Euro

 
 
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Kommentare (3)
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SEP
28
Kritiker Morriz Marienplatz, 13:38 Uhr

Herr Schunder...

..., dass diese Furcht zu irren schon der Irrtum selbst ist.

SEP
28
Schairer-Fan, 11:10 Uhr

Demenz, Tantiemen und Gewissen

Warum hält sich Herr Schunder nicht an das Hegel Wort? Wer etwas verspricht, verpfändet seine Ehre dafür, dass es geschieht ! 'Kontext' und ' Einund20' warten ! Nicht der Weltgeist , aber doch ein Hauch von Demokratie

SEP
28
Wahrheits - Realist, 10:55 Uhr

Kein Weltgeist, sonern

ein Kuttereimer-Briefkasten-Verwechsler - Geist !

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