Roger Cicero ist tot Mitte April war Konzert in Stuttgart geplant

Von red/dpa 

Roger Cicero ist tot. Der 45-jährige Jazzsänger ist bereits am vergangenen Donnerstag an einem Hirnschlag gestorben. Das teilte sein Management am Dienstag mit.

Hamburg - Die Scheinwerfer sollten gerade wieder angehen für den Mann, der sich mit Swing, Charme und Hut in die Herzen seiner Fans gesungen hat - jetzt ist Roger Cicero tot. Mit gerade mal 45 Jahren gestorben nach einem Hirninfarkt. Familie, Fans und Kollegen stehen unter Schock. Auch wenn schwere Wochen hinter Cicero lagen, er wegen eines akuten Erschöpfungssyndroms mit Verdacht auf Herzmuskelentzündung für eine lange Zeit alle Termine abgesagt hatte: Die große Bühne wartete wieder auf „Mr. Swing“. Am 18. April war ein Konzert in der Stuttgarter Liederhalle geplant.

Gleich zwei seiner Projekte wurden für einen Echo nominiert, im April wollte er wieder Konzerte geben. „Er hatte sich unglaublich auf seine ausverkaufte Tournee gefreut“, berichtete das Management, das am Dienstag mitteilte, dass der Sänger am Donnerstag vor Ostern gestorben ist.

Mischung aus Pop, Jazz und Swing

Cicero hatte den deutschsprachigen Swing salonfähig gemacht. Seit rund zehn Jahren gehörte er zu den Stars der hiesigen Musikszene. Mit seiner Mischung aus Pop, Jazz und Swing, gewürzt mit frechen und amüsanten Texten, traf er den Nerv der Deutschen. Sein Album „Männersachen“ (2006) eroberte die Charts, er gewann den Musikpreis Echo als bester Rock/Pop-Sänger (2007).

Kurz danach ruhten alle deutschen Hoffnungen beim Eurovision Song Contest (ESC) auf ihm und seinem Lied „Frauen regier’n die Welt“. Im Finale im Mai 2007 in Helsinki landete er zwar nur auf Platz 19. Doch jemand wie er konnte dem auch Positives abgewinnen: „Die Empörung über den 19. Platz war so groß, dass ich in aller Munde war“, sagte er später mal. „Das hat mir sehr geholfen.“

Erster Bühnenauftritt mit Zwölf

Denn Cicero kannte auch andere Zeiten. Bis zu seinen „Männersachen“ war der Sohn des Jazz-Pianisten Eugen Cicero außerhalb der Jazz-Szene kaum bekannt. Dabei hatte er schon mit zwölf Jahren seinen ersten Bühnen-Auftritt, später studierte er Musik in den Niederlanden und finanzierte mit Clubauftritten sein Leben.

Die Begegnung mit Texter Frank Ramond und Komponist Matthias Hass - beide schon mit Annett Louisan erfolgreich - verhalf ihm zum Durchbruch. Mit Swing und Wortspielereien entdeckte er eine Nische, der Song „Zieh die Schuh aus“ katapultierte ihn in die Hitparade. „Dass das so einschlägt, hat uns selbst überrascht. Nicht mal die Strategen in der Plattenfirma wussten, welche Zielgruppe wir erreichen können“, sagte er mal.

„Mr. Swing“ überraschte nicht nur mit ungewohnten Klängen und Texten, auch optisch machten seine Auftritte etwas her. Elegant mit Hut und Lackschuhen kam er mit seinen Big-Band-Musikern ganz im Stil der großen Swing-Künstler auf die Bühne. Als er zuletzt mit seinem Programm „Cicero Sings Sinatra“ auftrat, lieferte nicht nur eine beleuchtete Showtreppe Las-Vegas-Flair. Die in Hamburg - langjährige Wahl-Heimat des gebürtigen Berliners - aufgezeichnete Show wurde für den Echo nominiert, der am 7. April vergeben wird. Mit seinem Album „The Roger Cicero Experience“ schaffte er eine Nominierung für den Jazz-Echo am 26. Mai in Hamburg.

Krawattenmann und Hutträger des Jahres

Alle seine Alben landeten seit „Männersachen“ weit vorn in den Charts. Mit „Artgerecht“ (2009), auf dessen Cover Cicero im knallroten Anzug und mit einem Hahn unterm Arm posierte, lieferte er einen ganz persönlichen Gruß an die feministische Zeitschrift „Emma“, die ihn zum „Pascha des Monats“ gekürt hatte. „Enttäuscht“ war er davon - nicht wegen der Wahl an sich, sondern wegen der Begründung. „Ich selbst fand das lustig und habe den Humor bei der Redaktion vermisst“, sagte er. „Mir tatsächlich frauenfeindliche Tendenzen zu unterstellen, ist absurd.“ Cicero fand es „herrlich, mit Klischees zu spielen“.

Einen Song auf „Artgerecht“, „Für ‚nen Kerl“, hatte der Musiker, der auch als Schauspieler („Hilde“) vor der Kamera stand und mal zum „Krawattenmann des Jahres“ und zum „Hutträger des Jahres“ gekürt wurde, seinem 2008 geborenen Sohn Louis gewidmet. Von dessen Mutter trennte sich der Musiker 2013. Diese Trennung wurde zum Leitmotiv des Albums „Was immer auch kommt“ (2014), auf dem er Themen von Selbstfindung bis zu eigener Sterblichkeit aufgriff. Er habe nie einen Plan B gehabt, auch in schweren Zeiten habe es immer nur die Alternative „Weitermachen!“ gegeben, erzählte er. Von Durchhalteparolen geprägt war das Album. „Hab die Kontrolle verlor’n, bin gekentert im Sturm und zum ersten Mal schau ich nur nach vorn“, sang er darauf im Lied „Wenn es morgen schon zu Ende wär’“.

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