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Rockband Risk 30 Jahre und kein bisschen leise

Bernd Zeyer, 21.01.2013 15:00 Uhr

Zuffenhausen - Am 24. Juni 1966 nahm das Leben von Frieder Ege eine entscheidende Wende: Der damals 15-Jährige schwänzte die Schule und bestieg lieber einen Sonderzug, den eine Jugendzeitschrift organisiert hatte und der ihn nach München brachte. Im Circus Krone traten an diesem Tag die Beatles auf. „Das war ein einschneidendes Erlebnis“, erinnert sich Ege heute. Spätestens da sei ihm klar geworden, dass er Musik machen wolle. Nachdem er in verschiedenen Bands gespielt hatte, gründete er 1983 mit sechs Mitstreiterin die Gruppe Risk. Die weit über den Stuttgarter Norden hinaus bekannte Formation feiert mit einem Doppelkonzert in der Pauluskirche am 7. und 8. Februar ihr 30-jähriges Bestehen.

Bei den Jubiläumskonzerten gibt es Überraschungen

Wie das Repertoire der Geburtstagskonzerte aussehen wird, und welche Gaststars und Überraschungen aufs Publikum warten, möchte Ege noch nicht verraten. Altgediente Risk-Fans wissen aber zumindest eines: Das letzte Lied des Abends wird auch in diesem Jahr wieder „Oh Happy Day“ sein. Der allseits bekannte Gospelsong darf in einem Kirchenkonzert einfach nicht fehlen. Auf den Auftritt im Gotteshaus freuen sich die Musiker immer ganz besonders. „Akustik und Atmosphäre sind einmalig“, beschreibt Ege seine Eindrücke. Dass Risk seit nunmehr fast zwei Jahrzehnten einmal im Jahr in der Pauluskirche gastieren, war beim ersten Auftritt 1994 keineswegs absehbar – ganz im Gegenteil: „Als ich mich umzog, kamen Bandkollegen zu mir und sagten, es wären nur lauter alte Leute da“, erinnert sich der Gitarrist. Man einigte sich darauf, die Lautstärke herunterzufahren. „Das Publikum war begeistert und forderte Zugaben“, beschreibt der Zuffenhäuser die Reaktionen des Publikums.

Dass Risk überhaupt Gelegenheit bekamen, im Gotteshaus an der Unterländer Straße zu spielen, lag am sanierungsbedürftigen Kirchturm. Um Geld für eine Reparatur zu sammeln, waren die Kirchenverantwortlichen auf die Idee gekommen, Benefizkonzerte mit bekannten Zuffenhäuser Künstlern zu veranstalten. Der Turm ist mittlerweile längst saniert, die Konzerte gibt es immer noch. Das Geld bekommt seit einiger Zeit das evangelische Jugendwerk.

Vier Gründungsmitglieder sind noch dabei

Von den Gründungsmitgliedern sind neben Ege noch Dietmar Klein, Michael Ott und Thomas Hunke mit dabei. Ebenso zur aktuellen Formation gehören Didi Knoblauch, Gerri Neuhäuser und Christophe Schwarz. Ihr Repertoire umfasst Songs von Toto, Manfred Mann, Genesis, Simply Red und anderen bekannten Rockbands. Im Gegensatz zu den Anfangstagen, als der Großteil der Lieder noch Eigenkompositionen waren, werden heute fast nur noch Coversongs gespielt. „Die Leute wollen einfach Lieder hören, die sie kennen und bei denen sie mitsingen können“, erläutert Ege.

Angefangen hatte alles mit einer einspaltigen Zeitungsanzeige. Im März 1983 veranstaltete ein kleines Plattenlabel einen Talentwettbewerb, aus mehr als 360 Teilnehmern gingen Risk als Sieger hervor. Schon ein Jahr später holte Ernst Lipps die Gruppe in die Schleyerhalle, wo sie beim ersten Stuttgarter Sechstagerennen auftrat. „Wir standen sechs Abende hintereinander von 22 Uhr bis vier oder fünf Uhr am Morgen auf der Bühne“, erinnert sich Ege. Schon ein paar Stunden später musste jeder der Musiker wieder zur Arbeit oder in die Schule. Ein ganz besonderer Karriere-Höhepunkt folgte 1987. Bei der Endausscheidung des Landesrockpreises Baden-Württemberg kamen Risk unter rund 400 Teilnehmern auf Rang eins und vertraten das Schwabenland beim Bundesrockpreis in Hamburg, wo man immerhin Dritter wurde. „Danach bekamen wir deutlich mehr Angebote“, erzählt Ege. 12 bis 16 Gigs spielten Risk damals pro Jahr. 1988 wurde die Band von einem Musiker-Fachblatt zur „Gruppe des Monats“ gewählt. In jenen Tagen überlegten sich die Bandmitglieder, ob sie ins Profi-Lager wechseln sollen. Dann hätten sie aber nach Hamburg oder Köln ziehen müssen, wo damals die Zentren der bundesdeutschen Musikindustrie lagen. Letztendlich blieb man Stuttgart treu. Dort, und zwar im LKA, spielten Risk 1992 als Vorgruppe der international bekannten Little River Band. Das Publikum war dermaßen begeistert, dass immer weitere Zugaben gefordert wurden – bis es der eigentlichen Hauptgruppe zu viel wurde und Risk von der Bühne mussten.

„Entweder man kriegt was auf die Mütze, oder es läuft“

Ihre bislang weiteste Reise hat die Gruppe nach Wales geführt. 1994 und 1995 traten sie in Stuttgarts Partnerstadt Cardiff auf. „Wir wussten, dass man auf der Insel ziemlich hohe Maßstäbe anlegt. Entweder man kriegt was auf die Mütze, oder es läuft“, berichtet Ege. Zum Glück war Letzteres der Fall.

Sex and Drugs and Rock’n’Roll – dieses Klischee, das betont Ege mit großem Nachdruck, habe für Risk nie gegolten. Ein Bier oder ein Glas Wein trinke er schon, mehr aber nicht. Mit 62 Jahren ist er der älteste in der Band. „Ich fühle mich noch fit“, sagt er. Durch die Musik habe er viel Kontakt zu jungen Leuten, und Live-Auftritte würden ihm nach wie vor viel Spaß machen.

Für Amateurbands hat sich laut Ege in den vergangenen Jahrzehnten vieles geändert. Sei man früher mit selbst gebauten Boxen aufgetreten, so habe es bei der Technik einen echten Quantensprung gegeben. Auch die Fähigkeiten der Musiker müssten heute viel höher sein: „Die Konzertbesucher erwarten eine gewisse Perfektion.“

Dass eine Band im schnelllebigen Musikgeschäft 30 Jahre ohne Unterbrechung zusammenbleibt, ist eher die Ausnahme. „Wir machen länger Musik, als die meisten Leute verheiratet sind“, sagt Ege. Das trifft auch auf ihn selbst zu – seine Ehe dauert nämlich „erst“ 25 Jahre.

 
 
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