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Nürburg - Viel geschlafen hat Marek Lieberberg nicht seit Donnerstag. "Dafür gibt es andere Situationen", sagt er. "Hier muss man hellwach sein." Es ist Rock-am-Ring-Zeit. Das ist etwas Besonderes für Lieberberg - genauso wie für die vielen Fans, die alljährlich an den Nürburgring pilgern. "Es ist einer der Höhepunkte im Jahr", sagt Lieberberg. "Rock am Ring hat einen so hohen Stellenwert, weil wir es erfunden haben und hier gestalterisch tätig sind."
Zum 25-Jahr-Jubiläum am Wochenende wurde die Riesenparty um einen Tag verlängert. Von Donnerstag bis Sonntag spielten 90 Bands am Nürburgring auf. Die Stimmung zwischen Dixi-Klos, Dosenravioli und Tetrapak-Getränken ist ausgelassen. Die Sonne scheint. Ungewöhnlich für das Festival, das immer am ersten Wochenende im Juni stattfindet. Das typische Ring-Wetter sieht anders aus, die Wolken hängen tief, Schlammschlachten stehen auf dem Programm. Und die Fans hatten auch schon mit Blitz, Donner und Katastrophenalarm zu kämpfen. Aber diesmal ist der Himmel strahlend blau. Lieberberg strahlt auch: "25 Jahre hat es gedauert, bis wir am Ring wieder die Sonne gesehen haben."
Mehr geht nicht. 85.000 Besuchern sind dieses Jahr gekommen. Ausverkauft - und das bereits seit fünf Monaten. Ein Erfolg der Marek-Lieberberg-Konzertagentur - kurz MLK -, die das Festival 1985 auf den Weg gebracht hat. Seit 1997 findet zudem zeitgleich Rock im Park in Nürnberg statt. Diesmal kamen 65.000 Besucher aufs Zeppelinfeld. Bei den Zwillingsfestivals treten dieselben Bands auf, was sich für Künstler und Veranstalter gleichermaßen lohnt. Lieberberg wollte mit Rock am Ring das Lebensgefühl von Woodstock mit einer mehrtägigen Musikveranstaltung nach Deutschland bringen. Er war selbst Sänger in zwei Bands und lebte den "Enthusiasmus der Beatgeneration", wie er sagt, spielte in Turnhallen und im Starclub in Hamburg.
Manche Stars sind inzwischen Freunde
Angefangen hat er 1970 mit The Who, die er vor einem Club in London abgepasst haben soll und nach Deutschland einlud. Der Plan ging auf. Es war der Beginn einer Karriere und des Familienunternehmens MLK. Erste Schritte als Konzertveranstalter wurden beim British Rock Meeting in Speyer mit Black Sabbath, Fleetwood Mac und Rod Stewart gemacht. Später kamen 100 000 Fans nach Germersheim zu Pink Floyd und den Doors. Heute ist die Konzertagenturweltweit unter den Top 5 der wichtigsten Veranstalter. Das Portfolio liest sich wie das Who's who des Musikgeschäfts: Depeche Mode, Bob Dylan, Madonna, Metallica, R.E.M. Queen. Lieberberg hat sie alle schon auf die Bühne gebracht. In Frankfurt ist die Zentrale, von dort aus organisiert er die Tourneen der Stars. Manche sind inzwischen zu Freunden geworden.
Zurück zum Ring. Hinter der Boxengasse stehen sie. Die unfassbar vielen Menschen. Die Imbiss-Stände, wo es Fischbrötchen oder Asianudeln gibt. Und natürlich die Bühnen, auf denen die Musik spielt. Rock am Ring ist Spiegel der zeitgenössischen Pop- und Rockmusik. Bei der Premiere 1985 traten Marius Müller-Westernhagen und U2 auf. Gianna Nannini zeigte ihre Brüste. Ein Skandal. Zehn Jahre später waren Van Halen, Bon Jovi, Megadeth und Otto Waalkes dabei. Und 2010 rockten Motörhead, Alice in Chains, Them Crooked Vultures und die Sportfreunde Stiller die Eifel.
Lieberbergs Firma bleibt in der Familie. "Meine Söhne haben das Festival von den 90ern in die neue Dekade übergeführt." Daniel, der älteste, arbeitet inzwischen bei der Plattenfirma Universal, André, der jüngere, ist für die Auswahl der Künstler zuständig. Seit 2002 ist er dafür verantwortlich. Was André aussucht, gefällt dem Vater nicht immer. Streitpunkt in diesem Jahr war der US-Rapstar Jay-Z. "Wir haben uns gestritten, aber er hat ihn dann doch auftreten lassen", sagt Marek Lieberberg. "André ist ein starker Charakter, der sich nicht reinreden lassen will."
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