Es ist kein einladender Freibad-Tag. Der Himmel ist bedeckt, immer wieder regnet es auch. Aber die 20 Schüler des Staufergymnasiums sind auch nicht zum Sonnenbaden und Plantschen hergekommen. Unter der ebenso straffen, wie freundlich-wohlwollenden Regie der Olympionikin Ricarda Lisk sind sie im Waiblinger Bad zum Triathlon angetreten. Zwei Bahnen sind für die Zwölftklässler reserviert, zwei Räder sind aufgebockt, eine Rennstrecke abgesteckt. Am Ende der Triathlonstaffel steht nicht nur die Siegermannschaft fest, auch die beste Sportlerin und der bester Sportler werden ermittelt. Das spornt an.
Ricarda Lisk war selbst Schülerin am Staufergymnasium. Das Waiblinger Freibad kennt sie seit Kindertagen und dem VfL hat die Spitzensportlerin bis heute die Treue gehalten. Es lag nicht fern, ihr die Patenschaft für das Projekt "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" anzutragen. Die 29-Jährige hat auch gleich zugesagt. Am 27. Juli, bei der festlichen Verleihung der Plakette, die die Zugehörigkeit der Schule zum Projekt signalisiert, wird Lisk aber nicht dabei sein. Da trainiert sie in Spanien für die Olympischen Spiele in London 2012. Allerdings wird beim Festakt der Film gezeigt, den drei Studentinnen der Hochschule der Medien während des Unterrichts mit Ricarda Lisk drehen.
Die Schüler sind sehr angetan von der jungen, zierlichen Frau, die sportlich so viel erreicht hat. Am Morgen in der Schule hat sie einen kleinen Vortrag gehalten und etwas über ihren Arbeitsalltag als Spitzensportlerin erzählt: Fünf Stunden Training am Tag, elf Monate arbeiten, einen Monat frei. "Ihr Leben besteht eigentlich bloß aus Training, Essen und Schlafen. Schon hart", findet Steffi Török. Dass die Triathletin die Wintermonate wahlweise im sonnigen Australien oder irgendwo in Afrika verbringt, sei da bloß ein schwacher Trost. "Ist schon ein anstrengendes Leben", resümiert auch Steffis Schulkamerad Philip Fritz. Aber Ricarda Lisk scheine damit glücklich zu sein. "Sie wirkt so lebenslustig. Sie zieht zwar ihr Ding durch, hat aber sichtbar Spaß dabei", meint Philip und Steffi sagt begeistert: "Sie versprüht so eine Freude beim Training!"
Ricarda Lisk ist konzentriert, ganz bei der Sache. Es ist nur ein Vormittagsunterricht mit Oberstuflern, es geht um keine Medaille. Trotzdem. Sie achtet drauf, dass die Staffelübergabe reibungslos klappt, dass die Schüler Laufschuhe und T-Shirts parat gelegt haben, die Schnürsenkel binden, bevor sie davonrennen. Die Schüler merken, dass das, was sie hier machen sehr ernst genommen wird. Sie legen sich ins Zeug, nehmen den Schwung auf, den Lisk in ihre Gruppe hineingetragen hat.
Wenn Lisk in der Heimat ist, daheim in Korb, trainiert sie im Wunnebad. "Einfach, weil es für mich näher ist als das Waiblinger Freibad", fügt sie beinahe entschuldigend hinzu. Dass sie aus Schwaben stammt, hört man nicht heraus "Wir haben zuhause immer Hochdeutsch gesprochen. Meine Mutter hat großen Wert darauf gelegt. " Lisk rollt ein bisschen das "R" und ist hocherfreut, wenn man das feststellt. "Ich dachte schon, ich kann das gar nicht." Sie sagt, dass müsse der spanische Einfluss sein - ihr Trainer ist Spanier und ihr Freund auch. Das rollende "R" ist für sie Anzeichen dafür, dass ihr Spanisch offenbar immer besser wird.
Lisk vermittelt nicht den Eindruck, als sei ihr Leben hart und entbehrungsreich. "Ich mache das, weil ich an meine Grenzen gehen will. Es macht mir riesigen Spaß, immer an der frischen Luft zu sein und mit meinen Freunden auf einen Wettkampf zu trainieren", sagt sie lachend. Dann wandert ihr prüfender Blick auf den nächsten Staffelkandidaten, der gerade aus dem Wasser krabbelt. Liegt für ihn ein T-Shirt parat?