Rettungshunde Auch der Ernstfall ist für den Hund ein Spiel

Von Jens Noll 

Gefunden! Rettungshund Leo hat beim Training eine Person aufgespürt. Foto: Jens Noll
Gefunden! Rettungshund Leo hat beim Training eine Person aufgespürt.Foto: Jens Noll

Der Verein Rettungs- und Therapiehunde Fildern und Umgebung bildet Mensch und Tier für die Personensuche aus. Nicht jeder Vierbeiner ist für die Aufgabe geeignet.

Filder - Leo ist eine echte Spürnase. Anja Schmauder zieht ihren Hund nah an sich heran und gibt ihm ein Kommando. Dann rennt Leo los und verschwindet im Wald. Nur noch das Glöckchen, das an seinem Halsband hängt, ist leise zu hören. Leo soll in einem 25 000 Quadratmeter großen Gebiet ein oder mehrere Personen finden. Es ist eine Trainingsaufgabe nach Prüfungskriterien des Bundesverbands Rettungshunde (BRH). Um als Rettungsteam eingesetzt zu werden, müssen Vier- und Zweibeiner jedes Jahr eine Prüfung absolvieren. Das Prüfungsgebiet darf keine Freifläche sein. Ideal sind Wälder mit dichtem Gestrüpp.

Nach wenigen Minuten rennt Schmauder los. Ihr Hund bellt – ein Zeichen dafür, dass er jemand gefunden hat. Die Frau sitzt ein paar hundert Meter vom Ausgangspunkt entfernt hinter einem Baum. Dank ihres guten Geruchssinns können Hunde bei der Flächensuche Menschen in kürzester Zeit aufspüren. „Der Wind trägt die Information“, sagt Markus Rieg, Vorstandsmitglied und Ausbilder des Vereins BRH Rettungs- und Therapiehunde Fildern und Umgebung.

Bei der Suche muss es schnell gehen

Der Verein mit Sitz in Bonlanden ist in den Alarmplänen für Stuttgart und den Kreis Esslingen als Rettungshundestaffel hinterlegt. Im Ernstfall werden Hundeführerteams des Vereins gerufen, um vermisste Personen zu finden. Laut Rieg wollen viele Halter die Rettungshundearbeit unterstützen, erfüllen die Anforderungen jedoch nicht. „Es dauert eineinhalb bis zwei Jahre, bis die Hunde einsatzbereit sind“, berichtet Rieg. „Man verlässt sich auf die Tiere.“ Sie sollten 30 bis 45 Minuten konzentriert suchen können.

Leo kann das. Inzwischen hat er einen zweiten „Vermissten“ im Wald entdeckt. In nur 21 Minuten hat er das gesamte Gelände abgesucht, 25 Minuten hätte er Zeit gehabt. „Der zeitliche Faktor ist wichtig“, sagt Rieg. Schließlich bestehe bei niedrigen Temperaturen im Freien die Gefahr, dass die Vermissten erfrieren.

Die Suche strengt die Hunde an. Dennoch sagt Yvonne Winkler, ein weiteres Vereinsmitglied: „Für sie ist es ein Spiel, egal, wie ernst der Einsatz ist.“ War die Suche erfolgreich, erhält der Hund eine Belohnung. Winklers Hund Krümel ist für die Flächensuche ungeeignet. Er wird deshalb für das sogenannte Mantrailing eingesetzt. Dabei wird dem Vierbeiner ein Kleidungsstück des Vermissten zum Schnüffeln vorgelegt. Das Tier folgt dann der individuellen Geruchsspur dieser Person.

Es fehlen neue Trainingsgebiete

Krümel ist für den Umgang mit pflegebedürftigen oder behinderten Menschen geeignet und deshalb auch Besuchshund. Diese werden im Verein ebenfalls geschult. Denn es ist nicht damit getan, den treuen Begleiter nur zum Streicheln bereitzustellen. „Wir haben das Problem, dass wir nicht genügend Teams finden“, sagt Markus Rieg. Der Verein kann Anfragen vieler sozialen Einrichtungen nicht nachkommen.

Bei der Rettungshundearbeit schreckt der zeitliche Aufwand für das Training und die Einsätze viele Interessenten ab. Neben Nachwuchsteams könnte der Verein auch neue Trainingsgebiete brauchen. „Es ist nicht einfach, Gebiete zu finden, obwohl wir eigentlich niemanden stören“, sagt Rieg. Regelmäßig trainieren die Vereinsmitglieder samstags am Uhlberg in Plattenhardt und in einem Waldstück bei Neuhausen. Weil die Hunde diese Gebiete schon fast auswendig kennen, fahren die Hundeführer zudem auf die Schwäbische Alb.

Am Rande des Mittelgebirges haben Anja Schmauder und Hund Leo Anfang April zuletzt den Ernstfall erlebt. Sie und weitere Vereinsmitglieder wurden zu einer Suchaktion der Polizei gerufen. Den vermissten Wanderer konnten die Hunde allerdings nicht finden. Wie sich später herausstellte, war der Mann nicht im Freien unterwegs gewesen, sondern wohlbehalten zu Hause.

Weitere Informationen

Ehrenamtliche Dienste:
Circa 60 Mitglieder hat der im Jahr 2004 gegründete Verein derzeit. Seit 2009 gehört er dem Bundesverband Rettungshunde (BRH) an. Rettungshundearbeit sowie Besuchs- und Therapiehundearbeit sind die beiden Arbeitsbereiche. Die Dienste werden ehrenamtlich angeboten, der Verein finanziert sich über Mitgliedsbeiträge, Spenden und die Eigenleistung der Mitglieder.

Auszeichnung:
Im März hat der Verein mit Sitz in Filderstadt den Werner-Weinmann-Preis erhalten. Damit fördert die Werner-Weinmann-Stiftung jedes Jahr bürgerschaftliches Engagement in der Jugend- und Altenhilfe.

Kontakt
: Telefonisch ist der Verein unter der Nummer 4 70 79 36 erreichbar. Im Internet präsentiert er sich unter www.rettungs-therapiehunde.de.

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