China erleben
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Respekt vor Traditionen Auf den Spuren der chinesischen Kunst

Caissa, vom 20.12.2011 15:03 Uhr
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Die Buddha-Manufaktur in Chengdu. Foto: Romanus Fuhrmann
Die Buddha-Manufaktur in Chengdu. Foto: Romanus Fuhrmann

Schon Leibniz beschrieb China im Jahr 1697 als ein Land, das "gleichsam wie ein Europa des Ostens das entgegengesetzte Ende der Welt ziert" und brachte dadurch seine Faszination für das fremde und exotische Reich der Mitte zum Ausdruck. Damals erreichten die ersten chinesischen Kunstwerke und -gegenstände über die Handelswege der Seidenstraßen den europäischen Kontinent.

Porzellan aus dem Reich der Mitte

Das dadurch entstandene China-Fieber, auch gemeinhin als Chinoiserie bezeichnet, erreichte viele europäische Fürsten- und Herrscherhäuser. Besonders Sammlungen von chinesischem Porzellan wurden damals als Zeichen von Reichtum und Geschmack gedeutet. Gekauft und gesammelt wurden hier blau- und weiß- verzierte Ess- und Weinservice ebenso wie Tee-Service aus rotem Porzellan oder plastische Figuren, die entweder farbig glasiert oder im weißen Blanc-de-Chine-Stil angefertigt waren.

Jingdezhen, das Zentrum der Porzellan-Herstellung

Das Zentrum der chinesischen Porzellan-Herstellung lag seit den 11.Jahrhundert in Jingdezhen, einer kleinen Stadt in der Provinz Jiangxi. Der Kaiser gab im Jahr 1004 der Stadt den Namen seiner Regierungsdevise (Jingde) und erklärte sie zur kaiserlichen Porzellan-Manufaktur. Alle kaiserlichen Erzeugnisse der folgenden Dynastien wurden ausschließlich in Jingdezhen produziert. Vieler dieser Werke sind auch heute noch im Palastmuseum im Kaiserpalast in Beijing zu bestaunen. Dort wurden zahlreiche Kunstgegenstände gesammelt und aufbewahrt. Ein guter Herrscher, sagte man, muss auch ein guter Künstler sein und sich in den Künsten der Kalligraphie, Malerei und des Dichtens auskennen. Die Förderung und Bewahrung der künstlerischen Tradition war auch in China Aufgabe des Kaiserhofes.

Zeugnis der Zeit der kaiserlichen Porzellan-Manufaktur, die heute als Museum zu besichtigen ist, ist der heute noch erhaltene Yuyaochang-Brennofen. Er ist etwa 1000 Jahre alt und so groß, dass 80.000 Holzscheiden benötigt wurden, um ihn anzuheizen. Heute wird der Ofen in Jingdezhen noch einmal pro Jahr angefeuert, um seiner Geschichte zu gedenken.

Verbundenheit von Mensch und Natur

In der Nähe von Jingdezhen befindet sich das kleine malerische Dorf Yaoli, das einerseits für seine atemberaubende Natur bewundert wird, andererseits aber auch der Ausgangspunkt der Porzellanindustrie war, denn das für die Herstellung wichtige Kaolin wurde vorwiegend hier gewonnen. Dieser antike Ort, der einerseits als Wahrzeichen der Porzellan-Herstellung gilt, aber durch seine natürlich Schönheit auch ein Symbol der Verbundenheit von Mensch und Natur ist, bildet die Schnittstelle unserer Reise durch die Geschichte der chinesischen Kunst.

Hier, auf den Spuren der Geschichte des chinesischen Porzellans, ist der Reisende dem künstlerischen Ideal der Einheit aus Mensch und Natur am nächsten. Doch die Einheit von Mensch und Natur ist nur einer der wichtigen Einflüsse chinesischer Kunstgeschichte, der sich vor allem in der Darstellung der Berg-Wasser-Gemälde niedersetzt. Viele Gelehrtenmaler, so genannte Shiren, zogen sich vor allem in der Song-Dynastie in die Natur zurück, um in der Ruhe und Einsamkeit wieder mehr zu sich zu finden. Sie gaben ihre Empfindungen in Gedichten und Bildern wieder, die wie das klassische Sprichwort „helle Berge, klare Gewässer“, dem Menschen ein harmonisches Bild der Natur aufzeigen sollten.

Konfuzianismus, Daoismus und Buddhismus

Weitere wichtige Einflüsse chinesischer Kunst sind die drei großen Denkschulen: Konfuzianismus, Daoismus und Buddhismus. Vor allem seit dem 4. Jahrhundert bildete sich in China eine vom Buddhismus geprägte eigenständige Kunstrichtung heraus, die sich insbesondere in den Bereichen Bildhauerei und Wandmalerei, später auch in der Form von Rollbildern durchsetzte. Buddhistische Rollbilder, die Tangkas, wurden in China früher zur Meditation in Häusern und Tempeln aufgehängt oder auf Prozessionen mitgeführt. Auf ihnen werden Buddhas oder Schutzgottheiten abgebildet, deren Darstellung sich nach bestimmten ikonografischen Vorschriften richten musste.

Auch die Errichtung von Stupas folgte strengen Regeln. Verstand man früher ein Stupa als Symbol oder Denkmal für Buddha und den gelehrten Weg (Dahrma), kann man heutzutage auch kleine Stupas als Kunstgegenstand erwerben. Ursprünglich wurden diese Erdhügel als Denkmäler zur Aufbewahrung von Reliquien des Buddhas errichtet und galten als Zeichen der Dankbarkeit zur Rettung aus einer schwierigen Situation. Ihre Architektur besteht aus einem Rundbau, der meist auf einer quadratischen Grundfläche steht und als Symbol der Vollständigkeit und der Ausgeglichenheit zu verstehen ist.

Der lachende Buddha

Als typisch chinesische Form der Darstellung gilt in China der beleibte, lachende Buddha. Er drückt Lebensfreude und die Entsagung von allzu strenger Askese aus. Seine lang gezogenen Ohrläppchen stehen für Weisheit, sein entblößter Oberkörper bringt die Tugenden der Einfachheit und der Genügsamkeit zum Ausdruck.

Im Gegensatz zur abendländischen Kunst, deren Geschichte durch große Brüche in Form neuer Stilwechsel geprägt ist, lässt die chinesische Kunst eine beständige Kontinuität erkennen, die auf der Vorstellung des „Respekts vor der Tradition“ basiert. Die Nachahmung früherer Werke großer Meister gilt hier als zu erreichendes Ideal und ist Ausdruck des konfuzianischen Weltbildes, das unter anderem dem Schüler die Ehrung des Meisters gebietet. So konnte sich in über 16. Jahrhunderten eine völlig eigenständige Kunstgeschichte entwickeln, die nicht nur die Felder Malerei, Skulptur und Kalligraphie umfasst, sondern ebenso Keramik, Seiden, Lacke, Möbel und natürlich Porzellan mit beinhaltet.

Die chinesische Kunst unterscheidet nicht zwischen Kunst und Handwerk, nicht zwischen Alt und Neu. Altes wird neu dargestellt und dadurch künstlerische Tradition über Jahrtausende weitergeführt. Das Neue entsteht nur in der Auseinandersetzung mit dem Alten.

 

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