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Rendezvous am Cola-Automaten und auf Rekordjagd in Amerika

"Kornwestheim und Kreis Ludwigsburg", vom 06.09.2010 02:41 Uhr
Kornwestheim Ein Wiedersehen feierten viele ehemalige Mitarbeiter des Zweiradherstellers beim Kreidler-Treffen. Von Mark Schenkel

An das Ende mit Schrecken im Jahr 1982 denken die Ehemaligen des legendären Zweiradherstellers Kreidler heute zwar nur ungern, aber vergessen hat diese Tage niemand: "Wir waren richtig traurig", erinnert sich Ernst Tischler. Schließlich hat er 27 Jahre für das Kornwestheimer Unternehmen gearbeitet, zuletzt als technischer Geschäftsführer. "Es gab ja mehrere Gründe, aber wir konnten nichts dafür". Michael Kindl pflichtet ihm bei: "Bis zuletzt haben wir es nicht definitiv gewusst, dass die Firma in die Insolvenz geht. Als dann das Ende verkündet wurde, ging alles ganz schnell. Wir haben es als Katastrophe empfunden."

Auch die "Ehemalige" Heike Herrmann erinnert sich daran: "Es war ein Schock für alle Mitarbeiter." Zunächst ließ die Insolvenz aber noch einmal die Telefone in ihrer Abteilung heißlaufen: Heike Herrmann war in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens beschäftigt. "Als wir Betriebsräte vom Aus erfuhren, da standen schon die Reporter vor den Werkstoren", erzählt auch Michael Kindl. Bis ganz zum Schluss war er dabei: "Wir haben aufgeräumt und ausgemistet, dann ging es in den Urlaub, und danach war Schluss."

An seine Anfänge in der mechanischen Werkstatt bei Kreidler denkt er da schon lieber zurück: 1952 war er aus Österreich gekommen, als gelernter Schneider. "Was soll ich denn mit dir am Band anfangen?", habe der Meister damals gefragt. Aber spätestens als Kindl für den Akkord zu schnell war, hatte er sich seinen Platz erkämpft. Von da an half er mit, jedem fertig produzierten Zweirad den letzten Schliff zu geben.

"Mein Vater und meine Mutter haben sich am Cola-Automaten in Werk 1 kennengelernt", schmunzelt Heike Herrmann. "Ich bin sozusagen Kind einer Kreidler-Ehe". Deshalb war es für sie "fast klar", dass sie eine Lehrstelle bei Kreidler anstreben wollte. Ihren Ehemann hat sie dann aber doch woanders kennengelernt.

So einig wie über das bittere Ende sind sich die früheren Kreidler-Frauen und -Männer auch über die Bedeutung des großen Festes an der historischen Stätte: "Wunderbar" finden sie es, dass die Marke immer noch auf großes Interesse trifft. Im Festzelt feiern die Ehemaligen am extra eingerichteten Kreidler-Stammtisch ein großes Wiedersehen mit den früheren Kollegen. Schließlich haben sich viele seit 28 Jahren nicht mehr gesehen.

Erinnerungen werden ausgetauscht, auch Hermann Gekeler erzählt so manche kuriose Geschichten von damals. Aber der 80-Jährige gibt sich bescheiden: "Ich war nur so eine Art Mädchen für alles." Für alles Wichtige, könnte man da sagen: Seine Kollegen bezeichnen ihn noch heute als "technisches Genie".

Bei den Geschwindigkeitsrekorden für 50-Kubikzentimeter-Maschinen in den Jahren 1965 und 1977 war er als verantwortlicher Mechaniker dabei. Gefahren wurde auf einem großen Salzsee in Utah in den USA. Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 221 Kilometer je Stunde erreichten die kleinen Kreidler-Maschinen: "Wir hatten den Salzsee beim ersten Mal unterschätzt. Es ist immer wieder salzige Brühe in den Motor gelaufen, die sehr stark leitfähig war. Das hat uns große Probleme gemacht." Doch als einige seiner Mitstreiter aufgeben wollten, stellte er sich auf die Hinterfüße: "Ohne Rekord gehe ich nicht nach Hause", stellte er in deutlichstem Schwäbisch fest. Er kam wieder sicher in Kornwestheim an, der Rekord von 1977 steht noch heute.

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