Renate Wiehager bei „Über Kunst“ Kunst braucht Forschung

Von nbf 

Renate Wiehager vor den Farbsäulen von Max Bill vor dem Mercedes-Benz-Museums Foto: Altmann
Renate Wiehager vor den Farbsäulen von Max Bill vor dem Mercedes-Benz-Museums Foto: Altmann

Als Leiterin der Daimler Art Collection und der Abteilung Kunstbesitz der Daimler AG. Am 7. Juni ist sie Gast in der Gesprächsreihe „Über Kunst“ der „Stuttgarter Nachrichten“

Stuttgart - Auf leise Art Zeichen setzen, Bedeutungen schaffen und Wirkung erzielen – Renate Wiehager, eine der einflussreichsten ­Persönlichkeiten in der ­internationalen Gegenwartskunst, ist vor allem eines: ­begeisterte Kunstvermittlerin.

Bildungsarbeit

Seit 2001 Leiterin der Daimler Art ­Collection und der Abteilung Kunstbesitz der Daimler AG, sieht Renate Wiehager ihre Aufgabe auch als Bildungsarbeit. „Die Intention war es bereits bei der Gründung der Sammlung in den 1970er Jahren, die kulturelle Bildung in einem großen Unternehmen zu verankern“, sagt Wiehager. Und weiter: „Die Firma sollte das widerspiegeln, womit sich die Leute auch in ihrer Freizeit identifizieren: Sport, Musik – und eben auch die Kunst.“

Der eigene Weg

1959 in Bremen geboren, ist die promovierte Kunstwissenschaftlerin zunächst in der Stadtgalerie Kiel tätig, bevor sie 1991 ­Direktorin der Galerie der Stadt Esslingen wird. Wiehager macht die Villa Merkel zur Bühne national beachteter Themenausstellungen wie „Neue Möbel für die Villa“ (1994) oder „Kunst mit Architektur“ (1999) und wegweisender Einzelausstellungen ­etwa zum Schaffen des New Yorker ­Konzeptkünstlers Joseph Kosuth und zum Werk von Martin Kippenberger. Ihr ­Wechsel an die Spitze der von Hans J. Baumgart zuvor in das Feld der Geometrie ­geführten Daimler-Kunstsammlung lässt 2001 entsprechend aufhorchen. Umso mehr, als Renate Wiehager ihren Weg programmatisch fortsetzt. Etwa mit dem Aufbau eines Sammlungsblocks zur Zero-Bewegung.

Ausgangspunkt für die kunstwissenschaftliche Forschung und den Einblick in die Ergebnisse wird der Ausstellungsraum im Weinhaus Huth am ­Potsdamer Platz in Berlin. Hier werden langfristig angelegte Projekte wie „Minimalism and ­after“ – 2000 konzipiert, 2006 vorgestellt – erlebbar. Auffällig: Ganz selbstverständlich werden internationale ­Positionen und die für Renate Wiehager in der Linie Adolf Hölzels zu sehenden Werke mit Stuttgart verbundener Künstlerinnen und Künstler wie Gerold Miller, Georg Winter, Simone Westerwinter oder Karin Sander in Dialog gebracht.

Weltweites Engagement

2003 startet Renate Wiehager eine Welttournee der Sammlung Daimler. Mit einem ersten Überblick im Museum für Neue Kunst im Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe und gefolgt von Ausstellungen in Detroit, Singapur, Tokio, Südafrika und Südamerika. „Ein wesent­licher Teil der Welttournee“, sagt Wiehager, „ist das ­Education-Programm. Vor Ausstellungs­beginn kontaktieren wir Schulen, Universitäten und Kulturministerien, um ­sogenannte Vermittler auf die Inhalte der Ausstellung und die damit verbundenen, möglichen Bildungsziele vorzubereiten.“

Der große Bogen

Mit dem Ankauf eines Gemäldes von Willi Baumeister wird 1977 die Daimler Art ­Collection begründet. Derzeit umfasst sie rund 2600 Werke von mehr als 700 deutschen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern. „Daimler“, sagt Renate Wiehager, „investiert in Kunst als geistiges Kapital, in kuratorische Innovationskraft und ideenreiche Kommunikation der Kunst“. Immer wieder aber auch in ­wegweisende Forschungsprojekte. Aktuell etwa rückt Wiehager mit dem Projekt „Adolf Fleischmann – ein amerikanischer abstrakter Maler?“ einen der zentralen ­Figuren des 20. Jahrhunderts auch der Stuttgarter Kunstlandschaft in neues Licht.

Blicke nach China

Und wie geht es weiter? „Seit 2013 hat die Daimler Art Collection ihr internationales Profil mit dem Erwerb von mehr als 40 ­Werken von etwa 20 chinesischen ­Künstlern um einen wesentlichen Aspekt internationaler Gegenwartskunst erweitern können“, sagt Renate Wiehager. Eine Ausstellungsfolge im Daimler-Areal in Stuttgart-Möhringen stellt die Neuerwerbungen vor.

Besucherinnen und Besucher des „Über Kunst“-Abends unserer Zeitung mit ­Renate Wiehager am Dienstag, 7. Juni, sind denn auch Premieren-Gäste: Im Anschluss an das Podiumsgespräch im Auditorium bekommen sie einen exklusiven Einblick in die aktuelle Präsentation. „Die Werke der chinesischen Künstlerinnen und Künstler“, sagt Renate ­Wiehager, „können an die Schwerpunkte der Daimler Art Collection in den Bereichen abstrakter und kon­zeptueller Tendenzen sowie im Bereich der Neuen Medien anknüpfen. Zugleich stellen sie einen ganz neuen und eigenen – kulturellen wie ästhetischen – Komplex innerhalb des Sammlungsgefüges dar.“ Renate Wiehager setzt ihren Weg fort – konsequent.

Lesen Sie jetzt