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Reinhard Löffler Kopfstoß-Affäre wird wieder aufgerollt

Frank Krause, vom 08.02.2012 06:00 Uhr
Sitzt für die CDU im Landtag: Reinhard Löffler Foto: CDU
Sitzt für die CDU im Landtag: Reinhard Löffler Foto: CDU
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Stuttgart - Die Akte schien schon im Archiv, nun aber kommt die so genannte Kopfstoß-Affäre wieder auf die Tagesordnung der Justiz: Das Amtsgericht Stuttgart hat beim Landtag beantragt, die Immunität des Stuttgarter CDU-Landtagsabgeordneten Reinhard Löffler aufzuheben. Dem 57-Jährigen wird vorgeworfen, am Neujahrstag 2010 einen anderen Mann tätlich angegriffen zuhaben. Der Vorwurf lautet auf vorsätzliche Körperverletzung. Um den Prozess vor dem Amtsgericht Stuttgart führen zu können, ist die Aufhebung der Immunität Löfflers nötig. An diesem Donnerstag wird der Ständige Ausschuss des Landtags darüber beraten. Entsprechende Informationen unserer Zeitung wurden am Dienstag sowohl beim Amtsgericht Stuttgart als auch beim Landtag bestätigt.

Um was geht es? Löffler, der seit 2006 dem baden-württembergischen Landtag angehört und im Parlament den Wahlkreis Stuttgart III (Nord) vertritt, hatte am Neujahrstag 2010 eine ehemalige Freundin besucht und war in deren Wohnzimmer auf einen PR-Berater getroffen. Dabei soll es zu einem Gerangel gekommen sein, bei dem Löffler seinem Gegenüber einen Kopfstoß verpasst haben soll. Während das Opfer umgehend Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart erstattete, wies der Stuttgarter Abgeordnete jede Schuld von sich. Er habe das Opfer versehentlich touchiert. "Von meiner Seite ging keine gezielte Gewalt gegen den Kläger aus", sagte Löffler damals.

Löffler sieht Aufhebung der Immunität entspannt entgegen

Doch sein Kontrahent ließ nicht locker und erreichte vor dem Amtsgericht eine Schmerzensgeldzahlung in Höhe von 800 Euro. Damit schien der Fall erledigt, zumal die Staatsanwaltschaft Stuttgart alle Ermittlungen einstellte. Allein, Löfflers Kontrahent verfolgte den Fall weiter und erhob eine Privatklage gegen den Politiker. Das Pikante: Der damalige Landtagspräsident Peter Straub (CDU) weigerte sich lange Zeit, die Immunität seines Parteifreundes Löffler aufheben zu lassen.

Nun aber macht die Justiz die Akte wieder auf. Nach Recherchen unserer Zeitung hat das Amtsgericht Stuttgart über Justizminister Rainer Stickelberger (SPD) den Antrag beim Landtag eingereicht, die parlamentarische Immunität Löfflers aufzuheben. "Der Antrag liegt vor", bestätigte der Landtagssprecher am Dienstag auf Anfrage. Sollte der Ständige Ausschuss am Donnerstag zustimmen und der Betroffene keinen Widerspruch gegen die Entscheidung einlegen, kann das Verfahren vor dem Amtsgericht Stuttgart beginnen. "Es geht um den Vorwurf der vorsätzlichen Körperverletzung", sagte die Sprecherin des Gerichts und sprach von einem "normalen Strafverfahren". Ob sich die Staatsanwaltschaft wieder in das Verfahren einschalte, sei offen. Im Fall einer Verurteilung liegt das Strafmaß für Löffler zwischen einer Geldstrafe und einer Freiheitsstrafe.

Der CDU-Abgeordnete selbst sieht der Aufhebung seiner Immunität und dem anstehenden Prozess offenbar entspannt entgegen. "Dies gibt mir endlich die Möglichkleit, die Fakten aus meiner Sicht darzustellen", sagte Löffler am Dienstagabend auf Anfrage unserer Zeitung.

Kommentare (3)
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FEB
09
00:33 Uhr, geschrieben von Lebenserfahrener Wähler
Ausraster
Bei den uns bekannten Schlägetypen, über die wir ständig in den Nachrichten lasen, heißt es dann immer: schon 10 mal passiert. Irgendwie widerspricht es der Lebenserfahrung, dass jemand, der solche Taten begeht, erstmals Probleme mit der Kontrolle bei Aggressionsausbrüchen hat. Von diesem Abgeordneten ist ja bekannt, dass er auch bereits öfters gegenüber Medien "gewulft" hat. Auch im Nominierungsverfahren zur Landtagswahl gibt es Parteimitglieder, die nicht für Ihn waren und sehr interessante Verhaltensformen kennen gelernt haben. Man könnte mal bei Abgeordneten-Watch anfragen, wie es der Redaktion ergangen ist, als diese Fragen zur Immunität an Ausschußmitglieder des Landtags stellten. Sehr eindrucksvoll !!! Auf diese Verhandlung kann man sich nur freuen und einen großen Sitzungssaal bestimmen
FEB
08
11:34 Uhr, geschrieben von IG Gewaltfreies Botnang
Sicht der Fakten??
Löffler will die Sicht der Fakten aufzeigen - diesen Satz, verstehe wer will. Rundmails, Briefe, Pressekonferenz und Pressestatements hat er doch zwei Jahre lang zu dem Fall abgegeben. Tenor: Es gab keine vorsätzliche Körperverletzung. Die Beweisaufnahme und Beurteilung des Stuttgarter Amtsgerichts spricht jedoch eine andere, deutliche, Sprache. Dieser hat er übrigens, wenn er sich den zu Unrecht verfolgt gefühlt hätte, jederzeit widersprechen können und den Rechtsweg verfolgen können - hat er abernicht. Richtig ist, dass die Hintergründe der Tat bis dato nicht bekannt sind. Im Strafverfahren spielen die Motive, die Tat als solche und das Reueverhalten bei der Strafmaßbewertung eine Rolle. Da er die Tat stets öffentlich leugnete, kann von Reue keine Rede sein. Ein Motiv für die Ta zu bringen wird zudem problematisch, nach eigenen Darstellung hat er diese ja nicht begangen. Zum einen, muß der Vortrag der Wahrheit entsprechen, was zu beweisen wäre und würde wahrscheinlich ein völlig erweitertes Bild abgeben. Ob eine Offenlegung der Tathintergründe sich für ihn auszahlt, scheint, bei allem was man hört und schriftlich vorliegt, sehr zweifelhaft. Es bleibt spannend
FEB
08
11:10 Uhr, geschrieben von Justizia
Freibrief für eigene Gewalttaten aus Sicht eines Abgeordnete
Herr Löffler kann die Fakten zu seiner Gewalttat in dem ihm bereits vorliegenden Urteil des Amtsgerichtes nachlesen. Mit überdurchschnittlicher Genauigkeit hat das Gericht die Zeugen vernommen und ein Urteil gefällt, welches sorgsam und begründet und unwiderlegt ist. "Vorsätzlich und Brutal" heißt es hier im Wortlaut zu Löfflers Taten im Urteil. Dass Abgeordnete den Boden der Realität verlassen, ist nicht wirklich neu. Nachdem Löffler aber stets behauptet hat - auch vor Gericht - es hätte keine vorsätzliche Verletzung durch Ihn gegeben, wäre interessant, ob seine neue "Theorie" nun lautet, warum er die Körperverletzung vorsätzlich begangen hat. Das Verhalten Löfflers, der ja ausreichend bekannt ist, zeigt exemplarisch den Realitätsverlust von Abgeordneten deutlich auf: Was kümmern uns Gesetze - eine häufige Sichtweise bei den Löfflers, von Böttchers, Wulfs und Co. Mal sehen, ob er tatsächlich die Hintergründe der Tat vor Gericht präsentiert. Das könnte schlimmer ausgehen als die Straftat selbst. Es liegt ja schon eine gerichtliche Stellungnahme vor, in der er die Tat leugnet. Mal sehen, was die öffentliche Verhandlung bringt: Warscheinlich nichts anderes, als bei jedem Straßenschläger auch, nur das hier bereits als Basis ein Urteil des gleichen Gerichts zur Orientierung vorliegt. Kommt jetzt die Umkehrrolle ?


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