Die Pläne, auf den Gleisen der alten Schwarzwaldbahn von Weil der Stadt nach Calw wieder Züge fahren zu lassen, haben in den vergangenen Wochen einiges an Fahrt gewonnen. Zu viel, findet die Stuttgarter Regionaldirektorin Jeannette Wopperer. In einem Brief an den Calwer Landrat Bernhard Riegger hat sie deshalb erst einmal einen Bremsklotz auf die Schienen gelegt. Es sei der Eindruck entstanden, so schreibt sie, als ob die Rahmenbedingungen für eine mögliche Verlängerung der S-Bahn bis Calw bereits vorliegen würden. Dabei könne aus Sicht des Regionalverbands eine Verlängerung nur dann tatsächlich kommen, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt seien.
Rund um Stuttgart ist der Regionalverband für den gesamten Betrieb der S-Bahn zuständig. Daran soll sich auch nichts ändern, wenn eines Tages die Züge nicht mehr in Weil der Stadt umkehren, sondern bis Calw fahren. Von der Gründung eines gemeinsamen Zweckverbandes der Landkreise Böblingen und Calw, der die Bahnverbindung wiederbeleben und später auch betreiben soll, hält die Regionaldirektorin nichts. "Die faktische Aufgabenträgerschaft für die S-Bahn muss beim Verband Region Stuttgart gebündelt bleiben", fordert sie in ihrem Schreiben an Riegger. Außerdem dürften dem Verband "für die Planung, die Infrastruktur und den Betrieb der S-Bahn keine Kosten entstehen". Im Klartext: die Stuttgarter wollen in Sachen S-Bahn zwar das Sagen haben, sich aber nicht an den Kosten beteiligen. Erst wenn diese Voraussetzung erfüllt sei, wolle der Verband über einen möglichen Kooperationsvertrag mit dem Landkreis Calw entscheiden.
Dem Landrat Helmut Riegger ist die leichte Schärfe in dem Schreiben nicht entgangen. Dennoch bleibt er demonstrativ gelassen. "Frau Wopperer hat noch einmal ihren Standpunkt dargelegt. Aber wir stehen in sehr guten Verhandlungen, und noch ist ja nichts entschieden", zeigt er sich ganz diplomatisch. In der Sache bleibt Riegger freilich seiner Linie treu. "Wer die Aufgabenträgerschaft für solch ein Projekt bekommt, entscheidet nicht der Regionalverband, sondern das Verkehrsministerium. Und von dort haben wir positive Signale", sagt er und hält damit an den Plänen für einen Zweckverband der beiden Landkreise fest.
Diese seien es schließlich auch, die die Investitionskosten von geschätzten 69 Millionen Euro sowie die laufenden Betriebskosten von 2,7 Millionen Euro pro Jahr stemmen müssten. "Auf den Regionalverband kommen hier keine Kosten zu", beruhigt der Landrat. Dass die beiden Landkreise gut zusammenarbeiten können, hätten sie bereits zur Genüge unter Beweis gestellt, betont Riegger und nennt die Kliniken oder das Böblinger Restmüll-Heizkraftwerk als Beispiele. Darum sei er auch zuversichtlich, dass es in den kommenden Monaten gelingen werde, eine vernünftige Aufteilung der Kosten hinzubekommen.
Bisher wird hierbei von einem Verhältnis von 80 zu 20 zwischen Calw und Böblingen ausgegangen. Die Bewohner des Kreises Calw hätten die größeren Vorteile von dem Projekt, heißt es zur Begründung. Das mag Helmut Riegger so nicht stehen lassen: "Wir haben doch hier eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Der Kreis Calw hat schließlich auch etwas zu bieten", reagiert der Landrat auf Berichte in unserer Zeitung. In diesen hatten Kritiker des Projekts moniert, vielen Gemeinden im Kreis Böblingen brächte die Verlängerung der S-Bahn außer Kosten nicht viel.
Helmut Riegger will dagegen weiter für die Schienenverbindung werben. "Man kann nicht nur von einer Metropolregion reden, man muss diesen Gedanken auch mit Leben erfüllen", ist der frühere Sindelfinger Finanzbürgermeister überzeugt. Schon heute kämen aus seinem Landkreis viele Pendler in die Region Stuttgart, es gebe touristische Aspekte, die Vernetzung mit anderen öffentlichen Nahverkehrsmitteln in Calw sei gut. Außerdem habe die "standardisierte Bewertung", die den Nutzen jedes neuen Verkehrsprojektes unter die Lupe nimmt, eindeutige Zahlen ergeben. Rieggers Fazit darum: "Die S-Bahn gehört nach Calw." Er wolle deshalb "auf Augenhöhe verhandeln" - mit den beiden Kreistagen, deren Fraktionsvorsitzende er Anfang des Jahres einladen will. Und auch mit dem Stuttgarter Regionalverband.