Radverkehr Schranken erhitzen erneut die Gemüter

Von Klaus Nonnenmacher 

Die umstrittenen Donzdorfer Barrieren bleiben vorerst bestehen. Foto: Rudel/Archiv
Die umstrittenen Donzdorfer Barrieren bleiben vorerst bestehen.Foto: Rudel/Archiv

Von einem schweren Unfall berichtet der ADFC und fordert Änderungen am beschrankten Radweg. Die Stadtverwaltung ist jedoch der Überzeugung, dass mit den Schranken mehr Sicherheit gewährleistet ist.

Donzdorf - Notarzteinsätze, gebrochene Knochen, verunglückte Radler – die Interessenvertretung der Fahrradfahrer, der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC), läuft mit Meldungen von Unfällen Sturm gegen die sogenannten Umlaufschranken am innerstädtischen Donzdorfer Radweg entlang der alten Bahntrasse. Dieser ist vor querenden Straßen eigentlich sicherheitshalber beschrankt. In der Theorie sollen die Radler deshalb vor den Straßen von ihrem Drahtesel absteigen und diesen über den Überweg schieben. In der Praxis jedoch umlaufen sie die Schranken nicht, sondern umfahren diese – was offenbar immer wieder zu äußerst gefährlichen Situationen führt.

Notarzteinsatz am Radweg

Der ADFC-Sprecher Thomas Gotthardt berichtet jedenfalls, dass er vor zwei Wochen Zeuge eines Notarzt-Einsatzes am Radweg auf Höhe der Privatzufahrt zum Gräflich Rechberg’schen Wohn- und Verwaltungsgebäude geworden sei. Ein Radfahrer aus Böhmenkirch sei mit der dortigen Sperre kollidiert und schwer verletzt worden. Nur 200 Meter weiter habe sich eine Frau vier Monate zuvor an einer baugleichen Barriere beim Sturz das Handgelenk gebrochen. „So geht das seit Jahren, wobei wir nur von einem Bruchteil der Unfälle Kenntnis bekommen. Kein einziger Sturz wird polizeilich gemeldet, weil es keinen Unfallgegner gibt“, so Gotthardt.

Es gebe aber folgende Faustregel: Begebe man sich zum Radweg und befrage die ersten zehn vorbeikommenden Radler, so werde mindestens einer garantiert von einem ähnlichen Vorfall berichten können. Mit größerer Wahrscheinlichkeit seien es zwei oder gar drei der zehn Personen.

Gespräche wirkungslos verpufft

Pikant sei der jüngste Unfall vor allem, deshalb, weil der ADFC gerade einmal zwei Monate zuvor ein Gespräch mit dem Donzdorfer Ordnungsamt gehabt habe, in dem man zum wiederholten Mal auf die Kontraproduktivität der Umlaufsperren hingewiesen und insbesondere beim gräflichen Anwesen um eine „Entschärfung“ gebeten habe. „Die Unfälle entwickeln sich in Donzdorf zur endlosen Geschichte. Wie in jedem Winter sind alle Schranken mittlerweile für den Winterdienst halbseitig geöffnet. Pech für den jüngst verunglückten Radfahrer: Für ihn kam die Öffnung ein paar Tage zu spät“, teilt Gotthardt weiter mit.

Stadt hält Schranken für sicher

Der Donzdorfer Bürgermeister Martin Stölzle hingegen kann die Aufregung nicht teilen. „Wir haben die Sache bereits im Frühjahr im Gemeinderat diskutiert, mit dem Resultat, dass wir die Schranken im Stadtgebiet zur Sicherheit der Radler erhalten wollen“, sagt er. Man sei eben anderer Überzeugung als der ADFC. Immerhin handele es sich um einen Schulweg, der täglich von mehr als 100 Radlern benutzt werde, „in den allermeisten Fällen meines Wissens übrigens ohne Unfall“, so Stölzle. Das jüngste Unglück hätte sich seiner Erkenntnis nach überdies an jeder Ampel ereignen können. „So weit ich weiß, ist der Radler nicht aus seinen Klickpedalen gekommen und deshalb gestürzt“, so Stölzle.

Dennoch werde man auch künftig das Konzept laufend überprüfen, betont der Rathauschef. Akuten Handlungsbedarf sieht er jedoch nicht, auch wenn andernorts ähnliche Schranken nach ähnlichen Vorkommnissen wieder abgebaut wurden. „Unser Konzept ist nicht aus dem hohlen Bauch heraus entstanden“, sagt Stölzle. „Wir haben uns im Vorfeld sachkundig gemacht. Und wir wollen auf keinen Fall provozieren, dass ein Kind überfahren wird.“

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