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Protest vor Liederhalle Kritiker beim Symposium unerwünscht

Von Sascha Maier 

Bei einem Symposium der Bildungsplangegner blieb der Protest vor der Liederhalle nicht aus Foto: Martin Stollberg
Bei einem Symposium der Bildungsplangegner blieb der Protest vor der Liederhalle nicht ausFoto: Martin Stollberg

Die Bildungsplangegner wollten fachlich und sachlich über das Thema Geschlechter und Sexualität reden – und sich nicht dabei stören lassen. Deshalb gewährten sie nur Gästen Einlass zum Symposium, die ihren eigenen Standpunkt vertraten.

Stuttgart - Nicht Parolen wie auf einer Demonstration, sondern Fachvorträge und Thesen sollten die Besucher eines Symposiums in der Liederhalle am Samstag zu ­hören bekommen. Veranstalter waren die Bildungsplangegner, das Thema lautete: Gender und Sozialpädagogik auf dem Prüfstand der Wissenschaften.

Zu den Vortragenden im Mozartsaal gehörte unter anderem Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz. Die emeritierte Professorin für Religionsphilosophie und vergleichende ­Religionswissenschaft an der Universität Dresden vertrat die Ansicht, dass „die Frau nur am Mann zur Frau“ werde. Sie bemängelte zudem, dass sich Frauen heute „in ihrer Sexualität genauso aggressiv“ zeigen würden wie Männer. Insgesamt waren nur Töne zu vernehmen, die ausschließlich die traditionelle Familie aus Vater, Mutter und Kind befürworteten und andere Lebens- und Partnerschaftsentwürfe ablehnten.

Stadt sah keine rechtliche Handhabe gegen Veranstaltung

Das Bündnis Vielfalt für alle hatte die ­Veranstaltung schon in der Woche zuvor kritisiert. Weil die Veranstalter die Rechte von Homosexuellen einschränken und deren Lebensweise diskriminieren würden, hatte das Bündnis die Stadt aufgefordert, der Gruppe die Nutzung der Liederhalle zu verweigern. OB Fritz Kuhn (Grüne) distanzierte sich deutlich von den politischen Positionen der Veranstalter, sah aber keine rechtliche Handhabe, die Saalvermietung zu verhindern.

Daraufhin rief das Bündnis dazu auf, das Symposium zu besuchen. „Das sollte das Meinungsspektrum bunter machen“, sagte Matthias Ehm vom Bündnis, doch die Veranstalter haben nichts dem Zufall überlassen. „Wir haben alle, die sich angemeldet haben, im Internet durchleuchtet, weil wir befürchtet hatten, dass sich Störer unters Publikum mischen“, sagt eine Sprecherin des Symposiums, die namentlich nicht genannt werden will. Jede Verbindung zum Christopher Street Day (CSD) sei Grund genug gewesen, um von der Teilnahme ausgeschlossen zu werden. Zuletzt haben 750 Personen die Prüfung bestanden.

Politikerinnen folgten Einladung nicht

Franz Kibler, der Geschäftsführer der Aidshilfe Stuttgart, kann sich nicht erklären, warum man ihn nicht bei der Veranstaltung dabeihaben wollte. „Ich habe mich ­angemeldet, kurz nachdem der Termin ­bekanntwurde. Und Krawall hätte ich sicher nicht gemacht“, versichert er. „Ich hätte höchstens eine kritische Frage gestellt, wenn die Veranstalter dem Publikum dazu Gelegenheit gegeben hätten.“

Dafür waren laut Bildungsplangegner ­offizielle politische Vertreter vorgesehen. „Wir haben die Sozialministerin, die Vize-Landtagspräsidentin und andere Befürworter der Gender-Ideologie eingeladen, aber alle haben abgesagt“, so die Sprecherin des Veranstalters.

Brigitte Lösch begründet ihre Absage so: „Bei einem so einseitig besetzten Podium ist keine sachlich ausgewogene Diskussion zu erwarten. Einer kritischen Diskussion gehe ich ansonsten nicht aus dem Weg, ich lasse mich aber nicht instrumentalisieren.“ Karin Altpeter (SPD) soll bereits vor Brigitte Lösch auf die Anfrage der Bildungsplangegner hin ihre Absage kundgetan haben.

200 Polizisten im Einsatz

So wurden auch bei der abschließenden Podiumsdiskussion keine Gegenstimmen laut. Moderiert hat die Diskussionsrunde Philipp Gut, stellvertretender Chefredakteur der Schweizer Wochenzeitung „Die Weltwoche“. Er warnt vor einer angeblichen Homosexualisierung der Gesellschaft.

Den Gegnern dieser und anderer Thesen blieb also nichts anderes übrig, als vor der Liederhalle ihren Unmut auszudrücken. Laut Polizeiangaben sind etwa 300 Gegendemonstranten zu friedlichen Protesten zusammengekommen. 200 Polizeibeamten hielten die Gruppen getrennt.

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