Projekt KommmiT in Stuttgart App soll Senioren den Alltag erleichtern

Von D 

Ältere Menschen sollen die Scheu vor dem Smartphone ablegen. Foto: Bartussek/Adobe Stock
Ältere Menschen sollen die Scheu vor dem Smartphone ablegen. Foto: Bartussek/Adobe Stock

Das Projekt „KommmiT“ soll Berührungsängste älterer Menschen mit der digitalen Welt abbauen.

Stuttgart - onnerstagvormittag im „Treffpunkt 50 plus“ der Stuttgarter Volkshochschule: Ein junger Mann sitzt mit einer Gruppe älterer Menschen an einem Tisch. Vor ihm liegt ein Tablet-PC, auf dem eine App geöffnet ist. Der Mann erklärt, wie man sie bedient. Eine Frau nippt an ihrem Sektglas. Etwas skeptisch betrachtet sie die blau unterlegten Felder, die man aktiviert, indem man sie mit dem Finger antippt.

Berührungsängste älterer Menschen mit Computern, Smartphones und dem Internet sind weit verbreitet. Gleichzeitig ist fast ein Viertel aller Stuttgarter 60 Jahre alt oder älter – viele leben allein und haben nur wenige soziale Kontakte. Das Projekt „KommmiT“, an dem sich die Stadt Stuttgart beteiligt, bietet Abhilfe für beide Probleme. Es soll Älteren den Umgang mit Computern und dem Internet erleichtern und ihnen ermöglichen, sich im eigenen Stadtviertel zu vernetzen.

Menschen sollen digitalen Anschluss nicht verpassen

Kern des Projekts ist eine einfach aufgebaute App, die über ein digitales schwarzes Brett auf Angebote im Stadtviertel aufmerksam macht. Pflegedienste, Restaurants, Lieferservice, vor allem aber auch Privatpersonen können Gesuche und Angebote an diesem schwarzen Brett „anpinnen“. „Wer zum Beispiel eine Reise nach Berlin plant und jemanden sucht, der in dieser Zeit auf seine Katze aufpasst, kann hier fündig werden“, sagt Jennifer Zeilfelder vom Karlsruher Forschungszentrum Informatik (FZI), die die App mitentwickelt hat. „Wir wollen diejenigen erreichen, die sich in der digitalen Welt noch nicht so gut auskennen“, sagt Gregor Senne vom Wohlfahrtswerk, einer von neun Projektpartnern aus Wissenschaft, Industrie und Altenhilfepraxis. Es werde in Zukunft immer schwieriger, ohne Internet zurechtzukommen, so Senne. Deshalb sei es wichtig, dass die Menschen den digitalen Anschluss nicht verpassten.

Es gibt kostenlose Schulungen

Im Oktober startet in der Innenstadt die Praxisphase des zunächst bis 2020 laufenden, vom Bundesbildungsministerium mit 3,3 Millionen Euro geförderten Projekts. Um den Umgang mit der App zu lernen, finden kostenlose Schulungen statt. Sie richten sich an interessierte Nutzer und an Ehrenamtliche, die nach der Schulung älteren Menschen als „Technikbegleiter“ in ihren eigenen vier Wänden assistieren sollen.

Einer davon ist der 71-jährige Jürgen Paul, der sich bereits bei der Nachbarschaftshilfe engagiert. „Die Leute hören ständig etwas von Facebook und Smartphones, haben aber eine Hemmschwelle, zu fragen, wie diese Sachen funktionieren“, sagt Paul. Zu Hause täten sie sich damit leichter. Darüber hinaus gibt es im Treffpunkt 50 plus nun ein „KommmiT-Servicebüro“, in dem man sich beraten lassen können. Tablets können geliehen werden.

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