Projekt Calwer Passage in Stuttgart Noch mehr Grün an der „Theo“ gewünscht

Von Josef Schunder 

Der Entwurf nach der Überarbeitung und bei der jüngsten Beratung: Auf dem Dach ist jetzt ein Wäldlchen vorgesehen. Foto: Ingenhoven Architects
Der Entwurf nach der Überarbeitung und bei der jüngsten Beratung: Auf dem Dach ist jetzt ein Wäldlchen vorgesehen. Foto: Ingenhoven Architects

Neben dem Rotebühlplatz soll ein Neubau mit üppiger Begrünung entstehen. Bei der Überarbeitung des neuartigen Entwurfs ist sogar noch ein Wäldchen auf dem Dach hinzugekommen. Dennoch wünscht der Gestaltungsbeirat mehr Leuchtturmwirkung.

Stuttgart - Der Entwurf für den Neubau zwischen Theodor-Heuss-Straße („Theo“) und der denkmalgeschützten Calwer Passage ist überarbeitet worden. Nach entsprechenden Empfehlungen des Städtebauausschusses mit örtlichen Experten wurde in den Plan nun ein breiter Durchgang von und zur Rotebühlkreuzung aufgenommen. Außerdem planen der Investor Ferdinand Piëch junior und sein Architekt Christoph Ingenhoven mit mehr Einzelhandel im Erdgeschoss sowie mit einem Technikaufbau und einem kleinen Wald auf der Ebene des Dachgartens.

Letzteres soll das geplante Gebäude mit begrünten Fassaden höher erscheinen lassen, ohne dass eine zusätzliche Etage mit Nutzfläche entsteht und ohne dass das Gebäude im baurechtlichen Sinn zum Hochhaus würde. Der künftige Büronutzer – die Anwaltskanzlei CMS Hasche Sigle – brauche auch keine weitere Nutzfläche, sagte Piëch am Dienstag, als das Projekt nun auch im Gestaltungsbeirat diskutiert wurde, in dem auswärtige Planungsexperten sitzen.

Zürcher Experte schätzt den Bestandsbau

Dieses Gremium, das zugunsten von qualitätvollem Städtebau externen Fachverstand nach Stuttgart bringen soll, ging pfleglich um mit Ingenhoven und dem Projekt. Den planerischen Ansatz, im Erdgeschoss die gewohnte öffentliche Nutzung entlang der denkmalgeschützten Calwer Passage wiederherzustellen, lobte der Beirat unumwunden. Wegen des seitlich und oben geplanten Grüns an einem Rechteckbau mit verhältnismäßig gewöhnlicher Glasfassade sprach Herwig Spiegl (Wien) allerdings von einer „Maschine mit Irokesenschnitt und doppelter Camouflage“. Und er merkte an, dass man das Projekt noch mehr zum Leuchtturmprojekt machen sollte. Nur mit grünen Fassaden rette man die Städte nicht. Der Wald auf dem Dach sei jedoch Statement und Bekenntnis.

Patrick Gmür (Zürich) mahnte, der Neubau müsse „mindestens besser werden als das, was dort heute ist“. Als Denkmalschützer wäre er bei so einem Bestandsgebäude wie dem von Kammerer und Belz geneigt, über einen Schutzstatus nachzudenken. Er frage sich, ob das neue Glashaus mit Grün nach der jetzigen Planung eine ähnliche Kraft entfalten werde. Möglicherweise sollte man mit noch mehr Begrünung arbeiten.

Piëch verspricht dauerhafte Qualität

Im Gremium fragte man allerdings auch, wie es um Pflege, jahreszeitliche Anmutung, Dauerhaftigkeit und Nachhaltigkeit des Grüns bestellt sein werde. Solche Begrünung brauche erfahrungsgemäß „mehr als einen grünen Daumen“.

„Wir sind der Vermieter und werden den Mietern immer eine funktionierende Fassade schuldig sein“, antwortete Piëch. Ingenhoven versicherte, die Fassaden würden auch im Winter nicht kahl in Erscheinung treten. Noch sei bei der Detailplanung aber viel zu tun. Er bitte, dem Grünkonzept an diesem Punkt schon einmal Vertrauen entgegenzubringen. Um Camouflage handle es sich nicht. Die Frage der Erhaltung des Bestands stelle sich für ihn nicht mehr. „Neues Gutes ist das Ziel“, sagte Ingenhoven.

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