Posse um „Fuchs, Du hast die Gans gestohlen...“ Veganerin bringt in Limburg Kinderlied zum Verstummen

Von Markus Brauer 

Kein Karnevalsscherz: Weil eine Veganerin sich an einer Zeile im Kinderlied „Fuchs, Du hast die Gans gestohlen...“ ereifert, verbannt Limburgs Schultes das Kinderlied aus dem Glockenspiel des Alten Rathauses. Ein Grund, alternative Kinderlieder für Veganer aufzuzählen.

Limburg/Stuttgart - Limburg an der Lahn im schönen Hessenland ist bekannt für seinen gotischen Dom, der dem Drachentöter St. Georg geweiht ist, sein historisches Rathaus aus dem 14. Jahrhundert sowie die Protzresidenz des abgesetzten Bischofs Tebartz van Elst. Und: das berühmte Glockenspiel im Rathaustürmchen mit seinen Liedern, darunter auch das Kinderlied „Fuchs, Du hast die Gans gestohlen.“

Schluss mit Gänseklau und Tiere tot schießen

Die harmlosen Strophen, die Ernst Anschütz 1824 zur Melodie eines älteren Volksliedes vertonte, gehörten seit Menschengedenken zum Klang-Repertoire des Glockenspiels. Damit ist nun Schluss. Nach der Beschwerde einer Veganerin verbannt die Stadtregierung das Liedchen fürs Erste aus dem Glockenspiel ihres Rathauses.

Die Frau stoße sich bei dem Klassiker aus dem 19. Jahrhundert an der Liedzeile „Sonst wird dich der Jäger holen, mit dem Schießgewehr“, sagt Stadtsprecher Johannes Laubach. Es handele sich um keinen Fastnachtsscherz.

Bürgermeister erweist der Veganerin „unspektakulär“ einen Gefallen

Bürgermeister Marius Hahn. Foto: Stadt Limburg

Die Dame, die in Hörweite des Glockenspiels in einem Büro gegenüber dem Rathaus arbeitet, hat bei Bürgermeister Marius Hahn (SPD) aus Gründen des Tierschutzes gegen das Erklingen des Klassikers „Fuchs, Du hast die Gans gestohlen“ protestiert. Der Bürgermeister habe der Limburgerin daraufhin „unspektakulär einen Gefallen erweisen wollen“.

Nicht der dreiste Gans-Klau habe die vegane Dame so erregt, so das Stadtoberhaupt weiter. Vielmehr habe sie mit der im Liedtext geäußerten Drohung gehadert: „Sonst wird dich der Jäger holen, mit dem Schießgewehr . . .“

Deutschland – ein Possen-Land?

Nach der bundesweiten Medienhäme über die Limburger Posse ist aus dem „unspektakulären Gefallen“ eine schlimme Image-Blamage für die Stadtführung geworden. Wo soll das bloß enden, wenn sich ein(e) Einzelne(r) ihren Willen derart handstreichartig gegenüber der Allgemeinheit durchsetzen kann, werden sich jetzt sicher manche Limburger (und andere Bundesbürger) fragen.

„Schonzeit für die Gans“ – Hahaha!

Dass aus dem Turm eine rein instrumentale Version zum Besten gegeben wurde, war offenbar kein Trost. Schultes Hahn, der kein Unmensch sein wollte, verbannte das Lied fürs Erste aus der Glockenspiel-Liste. Stadtsprecher Laubach: „Wir geben der Gans eine Schonzeit und tauschen immer mal wieder die Musikstücke. Wir haben 15 Lieder im Repertoire, überwiegend deutsche Volkslieder.“

Da fällt einem nichts mehr ein – außer: Hahaha!

Noch ein Buchtipp: Wer sich diesbezüglich weiterbilden will, dem sei das überaus lesenswerte Büchlein des berühmten US-Theologen und Harvard-Professors Harvey Cox empfohlen: „Das Fest der Narren – Das Gelächter ist der Hoffnung letzte Waffe“, erschienen beim Kreuz-Verlag, Stuttgart & Berlin, 1970.

Cox’ Fazit: Auch Narren brauchen Gottes Hilfe. Und nicht zu vergessen: Veganer und Bürgermeister genauso!

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