Polizeipräsident "Das wird den Widerstand anfachen"

Von Michael Isenberg 

Thomas Züfle Foto: Piechowski
Thomas ZüfleFoto: Piechowski

Polizeipräsident Züfle zum anstehenden Abbruch des Südflügels und zu weiteren S-21-Einsätzen.

Stuttgart - Der Protest gegen Stuttgart21 ist in der Mehrheit sachlicher geworden, meint Polizeipräsident Thomas Züfle. Trotzdem warnt er vor einer fanatisierten Minderheit. Die Kräfte der Polizei sind ohnehin begrenzt, nicht zuletzt wegen des Papstbesuchs im Herbst in Deutschland.

Herr Züfle, nach längerer Pause hat die Deutsche Bahn die Bauarbeiten für Stuttgart 21 wieder aufgenommen. Prompt gab es Proteste. Wie sehen Sie die momentane Lage?

Die Lage ist verhältnismäßig ruhig. Die Menschen, die jetzt gegen Stuttgart 21 demonstrieren und protestieren, sind offensichtlich lange nicht mehr so hoch emotionalisiert, wie wir das aus der Vergangenheit kennen. Wir treffen heute überwiegend auf besonnene Menschen, denen es um die Sache geht. Das macht die Arbeit für unsere Kollegen einfacher und angenehmer.

Obwohl mit der Verlegung der Rohre für das Grundwassermanagement begonnen wurde - was direkt das heikle Thema Grund- und Mineralwasser betrifft -, haben nur wenige Hundert Menschen protestiert. Überrascht?

Wir wussten nicht, wie viele Demonstranten und Baustellenblockierer es werden, das ist klar. Aber wir sind von vornherein von einer weniger angespannten Lage ausgegangen.

Läuft der Protest aus?

Ich wünsche mir, dass wir es auf Dauer nicht mehr mit der hohen Emotionalisierung zu tun haben, die jedes vernünftige Miteinander im Keim erstickt. Dass wir auf alle Art von Gewalt und Straftaten verzichten können, versteht sich von selbst. Ob der Protest tatsächlich ausläuft, weiß ich nicht. Ich stelle nur fest, dass viele Projektgegner der Sache offensichtlich müde werden, dass sie die politische Entwicklung genau verfolgen und zunehmend Realitätssinn entwickeln. Beim einen oder anderen könnte es sich auch um Resignation handeln. Aber wir legen nicht die Hände in den Schoß, weil...

...weil...

...es auch sein könnte, dass sich das überwiegend bürgerliche Lager zwar zurückzieht, dafür aber eine kleinere Gruppe fanatisierter Projektgegner zurückbleibt, die mit allen Mitteln - und zwar wirklich mit allen Mitteln - doch noch versucht, das Projekt zu stoppen. Kurzum: Wir werden weiterhin wachsam bleiben.

Anfang September möchte die Bahn mit dem Abbruch des Hauptbahnhof-Südflügels beginnen. Was erwarten Sie aus Sicht der Polizei?

Diesen Termin kenne ich nicht.

Womit rechnet die Polizei, wenn die Abbruchbagger eines Tages anrücken?

Das wird den Widerstand gegen S 21 vermutlich deutlich anfachen; was die Zahl der Gegner angeht als auch die Qualität des Widerstands. Mehr Menschen werden härter für ihr Anliegen streiten. Die Bilder, auf denen zu sehen ist, wie Bagger das Gebäude zerstören und unumkehrbar Fakten schaffen, werden wohl viele Menschen aufrütteln und mobilisieren.

Die Bahn rechnet damit, dass der komplette Abbruch mindestens sechs Wochen dauert. Ein sechswöchiger Polizeieinsatz mit vielen Hundert Beamten - ist das möglich?

Offen gesagt: Wir freuen uns nicht auf diese Aufgabe. Der Konflikt um S21 ermüdet und nervt auch manchmal. Aber wir werden sicher unser Bestes tun, die Aufgabe zu meistern. Der Abbruch des Südflügels wird uns personell bis an die Grenzen fordern. Auch körperlich und seelisch werden die Beamten vermutlich arg strapaziert. Ob es tatsächlich sechs Wochen werden, wie Sie meinen, weiß ich nicht. Bisher hat uns die Bahn keinen konkreten Zeitplan übermittelt.

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