Amokalarm in Esslingen Ausnahmezustand an Friedrich-Ebert-Schule

Von Jürgen Veit 

Die Polizei fahndet nach einem mit einer Pistole bewaffneten Mann, der am Montagvormittag laut mehrerer Schüler die Einrichtung im Esslinger Stadtteil Zell betreten hat. Ein Verdächtiger wurde festgenommener, ist aber wieder auf freiem Fuß.

Esslingen - An der Friedrich-Ebert-Schule in Esslingen-Zell hat am Montagvormittag der Ausnahmezustand geherrscht. Ein Amokalarm hat gegen 10.30 Uhr einen Großeinsatz von Polizei und Rettungskräften ausgelöst. Verletzt wurde niemand, die Fahndung nach einem mutmaßlich bewaffneten Verdächtigen verlief lange erfolglos. Zunächst hatte die Polizei im Esslinger Stadtgebiet einen Verdächtigen festgenommen, den Mann aber rasch wieder auf freien Fuß gesetzt. Es stellte sich heraus, dass er mit der Sache nichts zu tun hat. Die Polizei geht allen Hinweisen nach, schließt aber auch einen Fehlalarm nicht aus.

Besorgte Eltern vor den Absperrungen

Einige Stunden davor: Weiträumig ist das Schulgelände abgesperrt, an sämtlichen Zufahrten stehen Polizei- und Rettungsfahrzeuge. Hoch über dem Esslinger Stadtteil Zell kreist ein Hubschrauber. Mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten, die alle zur Schule führenden Wege absichern, wirken angespannt. Ein Vater, dessen Filius sich noch in der Schule befindet, geht unruhig vor der Absperrung auf und ab. „Mein Sohn ist da drin, aber wir wissen nichts“, sagt er verzweifelt. Vielen Müttern und Vätern geht es wie ihm. „Es ist nichts passiert, alle sind gesund und wohlbehalten“, versucht einer der Polizisten die aufgewühlten Angehörigen zu beruhigen. Kurz darauf werden sie durchgelassen und können ihre Lieben in die Arme schließen.

Dennoch laufen die Maßnahmen der Polizei auf Hochtouren weiter, denn der mutmaßliche, 17 bis 19 Jahre alte Täter befindet sich auf der Flucht. Fünf Schüler der berufsbildenden Einrichtung hatten kurz nach 10.30 Uhr der Schulleitung einen jungen Mann gemeldet, der mit einer schwarzen, im Hosenbund steckenden Pistole das Schulgebäude betreten habe. Er habe sie angesprochen und nach einem Namen gefragt, den sie nicht verstanden hätten. Daraufhin habe der Verdächtige seinen Weg im Gebäude fortgesetzt. Eine „direkte Konfrontation“ habe es nicht gegeben.

Verdächtiger flüchtet mit Motorrad

Die Schulleitung habe sofort die Polizei alarmiert, die laut Christian Wörner, einem Sprecher des Reutlinger Polizeipräsidiums, bereits wenige Minuten später in großer Stärke und mit verschiedenen Spezialeinheiten anrückte, die Schule umstellte und die Räume durchsuchte. Noch während die Polizei ihre bei einer Amoklage standardisierten Maßnahmen eingeleitet habe, habe ein Zeuge die verdächtige Person gegen 10.50 Uhr dabei beobachtet, wie sie in Richtung Sportplatz gerannt und von dort mit einem Motorrad davongerast sei. Daraufhin sei eine allgemeine Fahndung ausgelöst worden. Der junge Mann soll 1,75 bis 1,80 Meter groß sein und einen Dreitagebart tragen. Laut den Zeugen war er mit einem roten T-Shirt und einer beigefarbenen Bermuda-Short bekleidet. Der im Zuge der Fahndung festgenommene Mann, auf den diese Personenbeschreibung gepasst habe, habe h nichts mit dem Fall zu tun.

An der Schule entspannte sich im Laufe des Nachmittags die Lage nach und nach. Rund 670 Personen – Schüler und Lehrer – werden auf dem Sportplatz von Kräften des Roten Kreuzes betreut. Auch die Kinder und Jugendlichen, die in der Nähe befindliche Betreuungseinrichtungen besuchen, können diese wieder verlassen. Sie mussten zu ihrer Sicherheit in den Gebäuden bleiben, bis die Polizei Entwarnung gab.

Die Zahl der Alarmierungen geht zurück

Winnenden/Wendlingen
Bei einem Amoklauf am 11. März 2009 erschoss ein 17 Jahre alter Jugendlicher in der Winnender Albertville-Realschule und deren Umgebung, sowie in einem Autohaus in Wendlingen 15 Menschen und sich selbst. Elf weitere Menschen wurden verletzt, einge von ihnen schwer.

Maßnahmen
Nach der Tat wurden an Schulen Sicherheitsstandards für den Fall eines Amokalarms eingeführt. Auch die Polizei bildete ihre Beamten speziell für solche Situationen aus. Nach einem Alarm laufen festgelegte Maßnahmen ab, um die Menschen schnellstmöglich in Sicherheit zu bringen.

Amokalarme
Die Zahl der Amokalarme an Schulen in Baden-Württemberg ist laut dem Innenministerium weiter rückläufig. Im vergangenen Jahr wurden demzufolge 18 Alarme ausgelöst. Gefahr bestand in keinem Fall. Dennoch müsse die Polizei vorsorglich stets von einer Echtlage ausgehen.

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