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Platz machen für neue Ideen zum Freihofplatz

"Nord-Rundschau", vom 28.09.2010 02:41 Uhr
Stammheim. In einer Planungswerkstatt haben sich Bürger Gedanken über eine neue Stammheimer Ortsmitte gemacht. Von Chris Lederer

Lassen Sie den Freihofplatz auf sich wirken." Mit diesem Aufruf wandte sich Bezirksvorsteherin Tina Hülle am Donnerstagnachmittag an die Teilnehmer der Planungswerkstatt. "Was fällt Ihnen ein, wenn Sie an den Freihofplatz denken?", fragte sie. Die rund 40 Stammheimer Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreter verschiedener Ämter mussten da nicht lange überlegen: "Laut, viel Beton, verwildert, öffentliches WC vergessen, schlechter Belag, zu klein, armselig, hässliche Fassaden, langweilige Architektur, Café fehlt", notierten sie ihre Eindrücke auf Karteikärtchen. Die Liste ließe sich um etliche weitere negative Attribute fortsetzen. Doch es wurden auch positive Dinge erarbeitet: Das Wasser als Element sollte erhalten werden auch wurde dem sonnigen Freihofplatz eine grundsätzlich attraktive Lage im Stadtteil attestiert. Die beiden wohl wichtigsten Erkenntnisse: Nötig sind ein Frequenzbringer zur Belebung des Platzes sowie eine gute Anbindung zwischen der neuen Endhaltestelle und dem Freihofplatz.

Ziel der fast fünfstündigen Veranstaltung, die von Architekten und Stadtplanern des Büros Wick und Partner moderiert wurde, war es, ein Nutzungskonzept für das Quartier um den Freihofplatz zu entwickeln. "Es geht nicht nur um den Platz, sondern auch um die Flächen, die an den Freihofplatz angrenzen", erklärte Diplom-Ingenieur Karl Haag von Wick und Partner. Haag betonte die Einmaligkeit der Chance: "Viele Städte haben so eine Fläche nicht, wie Sie es hier in Stammheim haben." Es gelte, Ideen zu entwickeln, die Einfluss auf das Leben in Stammheim haben. "Wir sammeln heute Vorschläge für ein Nutzungskonzept. Fertig planen werden wir es heute nicht."

Initialzündung für die gewünschte Umgestaltung ist der Stadtbahnbau und die neue Endhaltestelle. Bezirksvorsteherin Tina Hülle machte deutlich, dass Stammheim eine neue, attraktivere Ortsmitte dringend braucht. "Wenn wir keine Verbesserung erzielen, wird sich das negativ auf den Stadtbezirk und die Sozialstruktur auswirken." Der zentrale Platz befinde sich in der Nähe der künftigen Endhaltestelle der Stadtbahn und sei vielen Stammheimer Bürgern ein großes Anliegen. "Wir brauchen Ihre Wünsche und Vorstellungen", sagte Hülle, an die Teilnehmer der Werkstatt gerichtet. Wenn sich in der Stammheimer Ortsmitte nichts tue, sei das sehr bedauerlich. Allerdings stellte sie auch klar, dass ohne die Mitarbeit der Grundstückseigentümer nur eine geringe Entwicklung möglich sei: 21 Eigentümer besitzen Immobilien beziehungsweise Grundstücke im Bereich des Freihofplatzes. Mit ihnen hat das Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung bereits Gespräche geführt und sie gefragt, wie sie einer Umgestaltung des Platzes gegenüberstehen. "Der Großteil der Eigentümer ist bereit, am Prozess mitzuwirken", sagte Yvonne Grein, Mitarbeiterin des Stadtplanungsamtes. Auch mit potenziellen Investoren sind bereits informelle Gespräche geführt worden. "Wir haben ihnen den Bestand gezeigt und signalisiert, dass sich etwas am Freihofplatz tut." Sieben Investoren hätten Interesse an dem Projekt gezeigt. Darunter vermögende Privatleute, große Lebensmitteleinzelhändler und klassische Projektentwickler, die ein Vorhaben realisieren und dann verkaufen. Grein: "Bisher gibt es noch kein offizielles Verfahren, es ist noch kein Ausschreibungsverfahren gelaufen." Auch wollte man vorher erstmal hören, was sich die Bürger für den Freihofplatz wünschen. Die Vorstellungen des Stadtplanungsamtes erläuterte Abteilungsleiter Karl-Theo Maurer: "Die Bebauung sollte dreigeschossig sein. Nicht zu hoch, nicht zu niedrig, sondern sich ins Ortsbild einfügen." Im Erdgeschoss wünscht man sich Einzelhandelsgeschäfte. "Es gibt ein erhebliches Defizit im Bereich Einzelhandel in Stammheim." Fraglich sei, "ob ein großer Lebensmitteleinzelhändler mit rund 800 Quadratmeter als Magnet sinnvoll wäre". In den Ebenen über dem Erdgeschoss könne man sich Praxen oder Büros und Wohnungen denken. Wünschenswert wäre auf jeden Fall auch ein Café, sagte Stadtplaner Maurer.

Die zahlreichen Vorschläge aus der Planungswerkstatt werden zunächst vom Büro Wick und Partner zusammengefasst und unter Beteiligung des Amtes für Stadtplanung und Stadterneuerung in ein Konzept einfließen. Ungeachtet der Wünsche und Ideen der Bürger steht allerdings eines schon jetzt fest: Ein Konzept ist nur dann gut, wenn sich dafür auch ein Investor finden lässt und sich die Eigentümer am Freihofplatz davon überzeugen lassen.

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