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Parkplatzproblem Zu Fuß über den Steg zur Bibliothek

Von Eva Funke 

Zur Bibliothek 21 wird ein Fußgängersteg gebaut. Er wird auch dringend gebraucht.

Stuttgart - Für 540.000 Euro wird gerade die Fußgängerbrücke von der Stadtbahnhaltestelle Türlenstraße zur Stadtbibliothek am Mailänder Platz gebaut. Weil es dort nur wenige Parkplätze gibt, werden die meisten Besucher auf die Stadtbahn angewiesen sein und über den Steg gehen, wenn sie zur Bibliothek wollen.

Um 22 Uhr am Mittwoch fuhren die beiden Tieflader vom Werkgelände der Stahlbaufirma Urfer in Remseck los. Bereits um 1 Uhr waren die Elemente für die halbe Brücke auf der Baustelle. Damit die Besucher barrierefrei von der SSB-Haltestelle Türlenstraße unter der Heilbronner Straße zur Bibliothek am Mailänder Platz gelangen, werden Bücherwürfel und Haltestelle mit einer 94 Meter langen und vier Meter breiten Brücke verbunden. Die Fundamente aus Stahlbeton mit den einen Meter tiefen sogenannten Köchern für die Brückenstützen aus Stahl sind längst fertiggestellt. Auch das Gerüst steht. Gleich im Morgengrauen können die Monteure loslegen: Zwei Stützen werden am Kran hochgezogen, in den Köcher gelassen und zunächst provisorisch mit Keilen und Holz verspannt. Dann wird ein Brückenteil aufgelegt. Die Prozedur wiederholt sich dreimal, bis alle Stützen samt Brückenteilen stehen. Bereits am heutigen Freitagabend soll die Grobmontage des insgesamt 65 Tonnen schweren Stahlbauwerks erledigt sein.

500 Besuchern pro Stunde

Dann kommen die Feinarbeiten dran: Die vier Meter breiten und einen Meter langen Gehplatten aus glasfaserverstärktem Kunststoff müssen verlegt, die vier Lampenmasten installiert und das Geländer mit dem 170 Quadratmeter großen Sicherheitsnetz aus Edelstahl gefüllt werden. "Den Entwurf haben wir mit dem Stuttgarter Ingenieurbüro Schreiber erarbeitet und den Auftrag von der Deutschen Bahn im Juni dieses Jahre bekommen - mit der Auflage, bis zur Einweihung am 21. Oktober fertig zu werden", sagt Diplomingenieurin Heike Urfer und spricht von " einer sportlichen Herausforderung". Sie ist optimistisch, bereits Anfang/Mitte Oktober die Baustelle verlassen zu können.

Die Fertigstellung des Stegs bis zur Bibliothekseröffnung ist dringend notwendig. Immerhin rechnet die Bibliothek mit rund 500 Besuchern pro Stunde. Und die Besucher sind auf die Stadtbahn und damit den Steg angewiesen. Denn Parkplätze rund um die Bibliothek sind Mangelware. Etwa 100 Stellplätze stehen nach Angaben des städtischen Tiefbauamts an der Straße am Hauptbahnhof zwischen der LBBW und dem Pariser Platz zur Verfügung. Die Parkhöchstdauer beträgt zwei Stunden. Eine Stunde parken kostet 60 Cent. Die Strecke zur Bibliothek beträgt mehrere Hundert Meter. Weitere 40 Stellplätze sollen zur Eröffnung der Bibliothek an der Moskauer Straße zwischen dem Gebäude und dem Pariser Platz freigegeben werden. Statt zwei Stunden kann hier ebenfalls für 60 Cent pro Stunde drei Stunden geparkt werden. Außerdem gibt es eine Brötchen- oder besser eine Büchertaste für 30 Minuten kostenloses Parken. Bis zur Bibliothek sind es maximal etwa 200 Meter. Allerdings wird Mitte nächsten Jahres ein großer Teil der Parkplätze schon wieder gesperrt, weil dann Baustart für die Sparkassen-Akademie ist und die Stellplätze der Baustelle zugeschlagen werden.

In fünf Jahren soll Steg weg

Weitere Parkmöglichkeiten bietet die Bahn mit rund 30 Kurzzeitparkplätzen für 2,50 Euro pro Stunde direkt am Hauptbahnhof sowie weitere 66 Stellplätze an der Südseite des Hauptbahnhofs für zwei Euro. In der Tiefgarage der LBBW gibt es rund 1200 Stellplätze für auch zwei Euro pro Stunde.

Entspannung beim Parken gibt es frühestens in drei Jahren. Dann kommen direkt vis-Õ-vis der Bibliothek 1680 Parkplätze dazu. Dort baut die Hamburger Einkaufs- Center-Entwicklung (ECE) ein Quartier mit Wohnungen, Handel, Büros. "Mehr als 1000 Parkplätze stellen wir den Besuchern des Viertels zur Verfügung", sagt ECE-Geschäftsführer Jens Jäpel. Die Gebührenhöhe wird derzeit ermittelt.

In etwa vier Jahren, wenn auch das Feld zwischen Heilbronner und künftiger Londoner Straße bebaut ist, soll der Fußgängersteg der Firma Urfer wieder weg. Während die Bibliotheksbesucher jetzt ohne Steg bei Regen durch Matsch und sonst über Schotter zur Bibliothek müssten, können sie dann über die Londoner Straße dorthin. Die Brücke, deren Bau die Stadt mit 540.000 Euro finanziert und die sie nur gemietet hat, geht dann zurück an den Remsecker Stahlbauer. Was der damit macht? Heike Urfer zuckt mit den Schultern. "Wissen wir noch nicht. Vielleicht versteigern wir sie bei Ebay."

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