Artikel weiterempfehlen Artikel drucken Artikel kommentieren

"Panische Reaktion" Der Ulmer OB kritisiert seine Partei

Josef Schunder, vom 08.09.2010 18:15 Uhr
 Foto: dpa
Foto: dpa
Siehe auch

Stuttgart - Der Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner (SPD) hat am Mittwoch seine Partei nach dem Vorstoß für einen Volksentscheid über Stuttgart21 kritisiert und vor einem Stopp der Bahnprojekte gewarnt.

Der Versuch, für den Streit eine versöhnliche demokratische Lösung zu finden, sei „ehrenhaft, aber untauglich“, sagte Gönner im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Vorstoß unter dem Eindruck der Proteste gegen das Projekt habe „Züge einer panischen Reaktion“. Dadurch werde die SPD, die früher durch sorgfältige Abwägung zu einer positiven Haltung zu dem Projekt gekommen sei, als „flatterhafte und wankelmütige Partei“ wahrgenommen, sagte Gönner. Ihr Vorschlag sei „sicherlich nicht hilfreich für die Unterstützung des Projekts“. Ein Volksentscheid gefährde das ganze, von demokratischen Gremien getragene Bahnprojekt einschließlich der geplanten Neubaustrecke zwischen Wendlingen und Ulm. Falls das Projekt scheitern würde, wäre nach Gönners Auffassung „der Scherbenhaufen perfekt“ und Baden-Württemberg um 30 Jahre zurückgeworfen. Die Illusion, dass eingesparte Gelder in andere Projekte für das Land fließen könnten, habe er nicht.

Gönner räumte auf Nachfrage ein, man müsse sich ernsthafte Sorgen um den Zustand seiner Partei machen. Eine Oppositionspartei sollte in der Lage sein, von heute auf morgen die Regierungsgeschäfte zu übernehmen. Die SPD könnte jetzt aber als zu sprunghaft dafür gelten. Parteiintern werde der Vorschlag für den Volksentscheid auch keine befriedende Wirkung entfalten, sondern wahrscheinlich eher langjährige Befürworter des Projekts vor den Kopf stoßen.

Beim geplanten Bau der Schienen-Neubaustrecke zwischen Wendlingen und Ulm darf es nach Gönners Meinung auch kein Wanken geben. Diese Strecke bringe mehr Lebensqualität für Pendler zwischen Ulm und Stuttgart, weil die tägliche Fahrzeit um insgesamt eine Stunde reduziert werde. Die Strecke verbessere nicht nur den Fernverkehr auf der Schiene, sondern auch den Regionalverkehr im Raum Ulm/Neu-Ulm. Bei den Baukosten gebe es für ihn keine Schmerzgrenze nach oben. Ob sie sich auf 5,3 statt 2,9 Milliarden Euro erhöhen könnten, wie Gutachter im Auftrag der Grünen errechneten, könne er nicht beurteilen. Er erwarte allerdings auch, dass absehbare Kostensteigerungen bei diesen Bahnprojekten nicht häppchenweise eingeräumt werden.

Kommentare (68)
» Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
Anzeigen
SEP
12
10:05 Uhr, geschrieben von Aufgeklärter
"H. Reichert" der Wahlschieber und Zerstörer pur
"Richtiger fände ich es, die Landtagswahlen zu verschieben, bis sich das Volk wieder beruhigt hat. Und wenn erst einmal der alte Bahnhof und der alte Park kaputtgemacht sind, werden die Wähler schon für den neuen Bahnhof und die neu gepflanzten Bäume dankbar sein". Daraus schließe ich, daß es die nächsten Landtagswahlen erst in 20-30 Jahren geben würde, denn so lange würde es nach den Erfahrungen mit den Bauprojekten der Bahn dauern, bis der erste Baum im Park hinter dem Bahnhof wieder angepflanzt werden kann. Ach ja, der komplette Bahnhof wird ja auch abgerissen, dachte ich's mir doch glatt bei den S21-Fans, ach, und der ganze Park wird zerstört!!! Ist ja entzückend. Geht's nicht noch ne Spur zynischer??? Und irgendwie erinnert mich das Gefasel an die früheren Methoden im Kindergarten. Deshalb: Oben bleiben! Oben ist besser mit Kopf als unten ohne. Oben ist Leben, Licht und Sonnenschein, unten ist nur Langeweile, Dunkelheit und der Tod!
SEP
11
20:49 Uhr, geschrieben von A. Petmecky
Konsequenz
30 Jahre für eine Autobahnbrücke in Düsseldorf, lange Planungslaufzeiten allerorten, an den die Prozessmafia des Bundes für Umwelt und Naturschutz bestens verdient. Wie soll sich dieses Land entwickeln, wenn wahlweise über die Gerichte und mal über die Strasse Druck gemacht wird. Zieht das Projekt durch!
SEP
11
08:10 Uhr, geschrieben von Anonymer Benutzer
Laien am Werk
Man lässt doch auch keinen Metzger ein Flugzeug konstruieren, warum sollte man dann die Bürger über Stuttgart21 abstimmen lassen?
Kommentar-Seite
vorherige
1  von  23
nächste


Bahn mit Bauarbeiten ein Jahr im Rückstand
[Kommentare 87] Entscheidende Vorbereitungen für Tiefbahnhof nicht umgesetzt - Die Kosten steigen.
Polizeieinsatz startet nächste Woche
[Kommentare 40] Start des Großeinsatzes fürBaumfällarbeiten im Schlossgarten ist für nächste Woche festgelegt.

 

Anzeigen
Anzeige
Nachrichtenticker
11:26   Eil +++ Deutschland weist vier syrische Diplomaten aus
11:25   "Bild": Hoffenheims Coach Stanislawski entlassen
09:50   Kontrolleure drohen am Frankfurter Flughafen mit Streik
09:47   Ramsauer will Verkehrssünderdatei vereinfachen
09:40   2000 Euro für 22 Jahre alte Pommes
1   2   3   4   5   6   7   weiter
» aktualisieren
Video
Prospekte

Interaktiv
  • Facebook
  • Foren
  • Twitter
 
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
ePaper
 
Für Abonnenten
Für Kaufinteressenten
» Abonnement
» StN Digital
» Einzelexemplar
» Infos
» Preise