Sie ist auf einer Odyssee: Die iranische Frauenrechtlerin und Publizistin Mahboubeh Abbasgholizadeh lebt derzeit in Amsterdam und hofft, dass sie von Oktober an für zwei Semester als Gastdozentin an der Universität von Washington D.C. lehren darf. Egal, wo die 1958 geborene Frauenrechtlerin sich aufhält - sie erhebt ihre Stimme für die Rechte der Frauen. Die Schorndorfer Palm-Stiftung würdigt Abbasgholizadehs unbeirrten Einsatz nun mit dem Johann-Philipp-Palm-Preis für Meinungs- und Pressefreiheit. Die mit 20 000 Euro dotierte Auszeichnung, die alle zwei Jahre vergeben wird, teilt sich Mahboubeh Abbasgholizadeh mit dem mexikanischen Journalisten Pedro Matías Arrazola.
In seiner Heimat lebt Pedro Matías Arrazola gefährlich. Denn seine Arbeit als kritischer Journalist gleicht in Mexiko einem Himmelfahrtskommando. Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" hat das Land zu dem für Journalisten gefährlichsten Land Lateinamerikas erklärt. Der 46-jährige Familienvater musste das bereits am eigenen Leib erfahren: Am 25. Oktober 2008 ist er von Unbekannten entführt und zwölf Stunden lang festgehalten worden. Die Entführer simulierten eine Scheinhinrichtung, drohten Arrazola mit Vergewaltigung und Enthauptung. Ursache für diesen Terror sind dessen kritische Berichte über soziale Missstände, über Korruption und Aggressionen gegen Oppositionelle und Journalisten im südlichen Bundesstaat Oaxaca. Arrazola vermutet, dass hinter seiner Entführung Gruppen stecken, die mit der Regierung zusammenarbeiten.
"Pedro Matías Arrazola setzt sich in die Nesseln", so formuliert das Annette Barth von der Schorndorfer Palm-Stiftung. Der Mexikaner, welcher der größten indigenen Gruppe in Oaxaca, den Zapoteken, angehört, ist von der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte für den Palm-Preis 2010 vorgeschlagen worden. Die Stiftung hatte Arrazola im Jahr 2009 einen einjährigen Aufenthalt in Hamburg ermöglicht - eine Auszeit, in der Arrazola ohne Angst leben und arbeiten konnte. Im Mai dieses Jahres ist er trotz aller Schwierigkeiten wieder nach Mexiko zurückgereist. Seine Rückkehr hat er so begründet: "Ich will weiterhin ein Sprachrohr und Fürsprecher für mein Volk sein."
Mahboubeh Abbasgholizadeh ist von der in Deutschland lebenden muslimischen Anwältin Seyran Ates, der Palm-Preisträgerin des Jahres 2008, für den Palm-Preis vorgeschlagen worden. Die Iranerin engagiert sich bereits seit den 1990er Jahren für die Belange von Frauen und für mehr Demokratie - zum Beispiel mit Veröffentlichungen in Zeitungen oder als aktives Mitglied in einer Kampagne, die sich gegen die immer noch praktizierte Steinigung einsetzt. Die geschiedene Mutter zweier Töchter ist bereits zwei Mal verhaftet worden. "Als ich aus der Haft kam, war ich eine Frauenrechtlerin", sagt sie in einem Interview. Im Mai 2010 hat ein iranisches Gericht Abbasgholizadeh in Abwesenheit zu zweieinhalb Jahren Gefängnis und 30 Peitschenhieben verurteilt.