Pädophilie-Vorwürfe Verhaftungen im Vatikan

Von Thomas Migge 

Der Papst macht ernst im Kampf gegen Pädophilie: Ein Kardinal und mehrere Bischöfe werden des Kindesmissbrauchs angeklagt. Die vatikanische Justiz ermittelt auch in anderen Ländern.

Der Papst macht ernst im Kampf gegen Pädophilie: Ein Kardinal und mehrere Bischöfe werden des Kindesmissbrauchs angeklagt. Die vatikanische Justiz ermittelt auch in anderen Ländern.

Rom - In dieser Woche hat im Kirchenstaat eine neue Zeit begonnen. Papst Franziskus hat auf Missbrauchsvorwürfe reagiert und den Bischof der Diözese Ciudad del Este in Paraguay abgesetzt. Die „schwere Entscheidung“ diene dem Wohl der Kirche, teilte der Vatikan am Donnerstag unter Anspielung auf Pädophilie-Vorwürfe gegen den Geistlichen mit. Vorangegangen sei eine eingehende Untersuchung der vatikanischen Bischofs- und der Kleruskongregation in der Diözese und den dortigen Priesterseminaren. Anstelle von Rogelio Ricardo Livieres Plano ernannte der Papst den bisherigen Bischof der benachbarten Diözese Villarrica del Espíritu Santo, Ricardo Jorge Valenzuela Ríos, zum Apostolischen Administrator und damit geschäftsführenden Bischof.

Doch das ist nicht er einzige Fall, der in dieser Woche den Vatikan erschütterte: ­Bereits am Dienstag hatte die vatikanische Justiz in einem ungewöhnlichen Schritt den polnischen Erzbischof Jozef Wesolowski (66) inhaftiert, dem Kindesmissbrauch in seiner Zeit als Vatikanbotschafter in der Dominikanischen Republik angelastet wird. Die Haft wurde mit Flucht- und Verdunkelungsgefahr begründet, aufgrund des Gesundheitszustands wurde der Geistliche unter Hausarrest im Vatikan gestellt. Der Prozess gegen den Ex-Nuntius soll spätestens im kommenden Frühjahr beginnen. Ihm droht eine Haftstrafe von zehn oder mehr Jahren.

Gut informierte Personen aus dem Vatikan wollen erfahren haben, dass vom Papst die Weisung kam, auch in seinem Zwergstaat endlich entschieden gegen nachweislich pädophile Geistliche vorzugehen – mit Hilfe der vatikanischen Justiz.  

Mit jedem Tag werden neue Hintergründe im Fall Wesolowski bekannt. Ermittler haben bei der Durchsuchung seiner Wohnung pädophiles Fotomaterial gefunden.  Der von Johannes Paul II. zum Erzbischof ernannte Wesolowski soll mindestens sieben Minderjährige regelmäßig nicht nur mit Geld für sexuelle Dienste entlohnt haben. Wie am Mittwoch aus dem Vatikan bekannt wurde, soll der Nuntius die Jungen auch mit Medikamenten bezahlt haben, die diese für ihre nächsten Verwandten benötigten und die in Santo Domingo sehr teuer sind.  

Die vatikanischen Justizbehörden ermitteln auch in anderen Ländern, in denen Wesolowski als diplomatischer Repräsentant des Heiligen Stuhls arbeitete.   So gehen sie auch in Bolivien, in Kasachstan und fünf anderen Ländern Verdachtsmomenten nach. Es wird befürchtet, dass Wesolowski in all diesen Ländern Kinder missbraucht hat.   Die italienische Tageszeitung „Corriere della sera“ berichtete in ihrer Donnerstagsausgabe, dass die Glaubensbehörde im Vatikan in insgesamt drei Fällen gegen hohe Geistliche ermittelt.  

Neben Wesolowski auch gegen den chilenischen Bischof Marco Antonio Ordenes, dem die Glaubensbehörde bereits die Ausübung seiner Priestertätigkeit untersagte, sowie gegen den Peruaner Gabino Miranda Melgarejo, der schon im vergangenen Jahr aus seiner Diözese entfernt wurde.   Im Unterschied zu Wesolowski können diese beiden Bischöfe aber nicht von der vatikanischen Polizei belangt werden. Auf sie greift lediglich das zivile sowie das kanonische Recht.   Wesolowski ist vatikanischer Staatsbürger und kann somit im Kirchenstaat vor Gericht gestellt werden.

Er könnte schon in den kommenden Monaten vor Gericht gestellt werden. Auch andere Länder, in denen Wesolowski pädophile Straftaten begangen haben könnte, wollen den ehemaligen Erzbischof vor Gericht stellen.   Der Pole wird, wie Papstsprecher Padre Lombardi erklärte, nach dem alten Strafrecht im Fall von Pädophilie verurteilt, weil die ihm zur Last gelegten Straftaten vor dem 1. September 2013 begangen wurden.

  An jenem Tag veröffentlichte der Vatikan ein Papstschreiben, ein sogenanntes „motu proprio“. Nach den neuen Regeln hätte Wesolowski mit einer doppelt so hohen Haftzeit zu rechnen gehabt.   Papst Franziskus, so Hans Zollner, Rektor des psychologischen Instituts der Papstuniversität Gregoriana und Mitglied der vom argentinischen Papst gegründeten Kommission zum Schutz von Minderjährigen, „will keinen dieser Fälle mehr verschweigen, wie das in der Vergangenheit auch der Fall war“.  

Aus diesem Grund hatte sich am 12. September im Vatikan neben Erzbischof Marian Golebiewski auch ein Kardinal, Kazimierz Nycz, zu rechtfertigen. Beiden wird vorgeworfen, unterschiedliche Fälle pädophiler Geistlicher bewusst verschwiegen zu haben.   Anscheinend, so Informationen aus dem ­Vatikan, gibt es aus Polen mehr als 100 Hinweise auf pädophile Geistliche, denen die ­entsprechenden Behörden im Kirchenstaat derzeit nachgehen.

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