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Ostfildern Vermisste Mädchen: "Kosten nicht wichtig"

Eva Funke, 13.07.2012 07:00 Uhr
Ausreißer haben im Wald übernachtet. Auf die Eltern werden keine Kosten für den Einsatz zukommen.

Ostfildern - „Gott sei Dank, die beiden Mädchen sind gefunden, und es geht ihnen gut“, stellt ein Sprecher der Esslinger Polizei am Donnerstag gegen 12.45 Uhr erleichtert fest. Dann wurde die großangelegte Suchaktion nach dem zehn und dem elf Jahre alten Mädchen abgeblasen. Seit vergangenem Mittwochabend, 22 Uhr, suchte die Polizei knapp 13 Stunden mit allen ihr zur Verfügung stehenden Einsatzkräften nach den vermissten Kindern aus Nellingen.

Mehrere Hundert Polizisten der Esslinger Polizei, der Göppinger und Böblinger Bereitschaftpolizei sowie die Reiterstaffel aus Kemnat waren im Einsatz und haben das Waldgebiet nördlich von Nellingen mit Spür- und Rettungshunden durchkämmt. Am Morgen wurden überall Flugblätter mit der Beschreibung der Mädchen verteilt. Auch per Hubschrauber wurden die beiden vermissten Kinder gesucht. Schließlich entdeckte der Vater eines der Kinder die Sporttasche seiner Tochter an der Einfahrt zur Tiefgarage bei seinem Wohnhaus und informierte die Polizei. Beamte fanden schließlich die verängstigten Mädchen in der Tiefgarage und brachten sie zu ihren Eltern.

Die ersten Befragungen der Kinder ergaben laut Polizei, dass keine Straftat vorliegt. Die beiden Mädchen haben nach eigenen Angaben Ponys in der Nähe ihrer Eltern­häuser gefüttert, anschließend einen Spaziergang in den Wald unternommen und dort übernachtet. Aufgeschreckt worden seien die beiden am Morgen durch das riesige ­Aufgebot, mit dem die Polizei den Wald durchkämmte. Da sie Angst bekommen und sich nicht nach Hause getraut haben, hätten sie sich in der Tiefgarage bei der elterlichen Wohnung eines der Mädchen versteckt.

Größte Suchaktion der vergangenen Jahre

Wieso sie überhaupt in den Wald gegangen sind und ob sie vorgehabt haben, dort zu übernachten, ist noch unklar. „Wir werden die beiden sehr behutsam befragen. Denn sie sind durch die Aktion, die ihr Verschwinden ausgelöst hat, völlig verunsichert und verängstigt. Außerdem wissen sie ganz genau, dass ihr Wegbleiben nicht in Ordnung war“, so die Polizei Esslingen.

Von zu Hause weg sind die Mädchen am Mittwochabend gegen 18.45 Uhr. Eine der beiden teilte ihrer Mutter mit, dass sie ihre Freundin nach Hause begleiten wolle. Doch dort sind die beiden nie angekommen. Gegen 22 Uhr meldeten die Eltern die beiden bei der Polizei als vermisst.

Auf die Vermisstenanzeige reagierte die Polizei sofort. Noch in der Nacht begannen Beamte das Waldgebiet am Ortsrand von Nellingen mit Spürhunden abzusuchen. Nachdem die Suche erfolglos war, flog der Polizeihubschrauber bei Tagesanbruch das Gelände ab. Per Flugblattaktion wurde die Bevölkerung zur Mithilfe aufgerufen. Zuletzt gesehen wurden beide, als sie um 19.30 Uhr bei einer Shell-Tankstelle einkauften. Dort wurden sie auch von einer Überwachungskamera fotografiert. „Wir sind allen Hinweisen nachgegangen“, so die Polizei.

Eltern müssen für Einsatz nicht zahlen

Eine solche großangelegte Suchaktion nach vermissten Kindern hat es laut Esslinger Polizei in den vergangenen Jahren nicht gegeben. Zwar würden immer mal wieder Kinder für ein paar Stunden verschwinden, aber dass gleich zwei Mädchen dieses Alters über Nacht nicht nach Hause kommen, sei die Ausnahme. Auch die Polizei in Stuttgart kann sich an keinen vergleichbaren Fall in den letzten Jahren erinnern. Da die beiden Mädchen noch nie weggelaufen sind, es keinen Streit mit den Eltern gegeben hatte und beide als gute Schülerinnen gelten, so dass Angst vor schlechten Noten als Motiv für ihr Verschwinden ausgeschlossen werden konnte, rechneten die Beamten mit dem Schlimmsten. „Wir alle haben aufgeatmet, als die Kollegen die beiden entdeckt haben“, so ein Sprecher der Esslinger Polizei.

Nach den Kosten für den Großeinsatz befragt, winkt die Polizei ab. Das sei derzeit noch unklar und auch überhaupt nicht wichtig. Für die Eltern der beiden Mädchen bleibt es bei den Stunden angstvollen Wartens, bis ihre Kinder gefunden wurden. Für die Suchaktion sollen sie laut Polizei nicht aufkommen müssen.