Osterjazztage Stuttgarter Ballett trifft auf Jazz

Von Andrea Kachelriess 

Ballett trifft Jazz: Magnus Mehl, Pablo von Sternenfels, Elisa Badenes, Jesse Fraser und Ferenc Mehl im Theaterhaus (von rechts) Foto: Veranstalter
Ballett trifft Jazz: Magnus Mehl, Pablo von Sternenfels, Elisa Badenes, Jesse Fraser und Ferenc Mehl im Theaterhaus (von rechts) Foto: Veranstalter

Der Zufall sorgt bekanntlich für die schönsten Begegnungen. Er hat auch die Hand im Spiel, wenn beim Osterjazz im Theaterhaus Musiker aus Deutschland und Serbien auf Tänzer aus Spanien, Mexiko und Kanada treffen.

Stuttgart - Motor der ungewöhnlichen „Dance-Jazz-Fusion“ ist der Stuttgarter Saxofonist Magnus Mehl. Der Jazz-Musiker, der mit dem Bassisten Fedor Ruskuc, dem Gitarristen Martin Schulte und seinem Bruder an den Drums das Ferenc und Magnus Mehl Quartett bildet, ist mit der Bühnenbildnerin Katharina Schlipf befreundet. Weil diese eng mit Demis Volpi zusammenarbeitet, seit sie für den Hauschoreografen des Stuttgarter Balletts 2010 dessen „Karneval der Tiere“ ausstattete, hat sich auch für Magnus Mehl eine Tür zum Tanz geöffnet.

Dass in dieser Tür Pablo von Sternenfels auftauchte, hat seinen guten Grund. Der Tänzer aus Mexiko, der seit 2010 in Stuttgart lebt, hier seine Ausbildung an der Cranko-Schule abschloss und nun Halbsolist des Stuttgarter Balletts ist, mag Jazz und besucht häufig Konzerte. Und weil er sich mit seinem Bruder Santiago, einem Jazz-Saxofonisten, schon für gemeinsame, spontane Performances in Mexico City zusammengetan hat, suchte er nun auch in Stuttgart musikalischen Anschluss und holte, nachdem Magnus Mehl auf ihn zugekommen war, seine Kollegen Elisa Badenes und Jesse Fraser mit ins Boot.

Der Spaß, den Musiker und Tänzer an dieser Zusammenarbeit haben, überträgt sich unmittelbar. Sehr inspirierend und unangestrengt ist die Stimmung bei einer gemeinsamen Probe im Theaterhaus, von einer Offenheit, die vieles möglich macht. „Alles passiert einfach – ein Happening“, freut sich Pablo von Sternenfels über die spontane Verständigung. Der Dialog zwischen Tanz und Jazz funktioniert auf faszinierende Weise fast ohne Worte. Von einer mit Eifersüchten und Ausbrüchen garnierten Beziehungskiste erzählt der Tanz, stellt eine Frau zwischen zwei Männern. Mal expressiv, mal ins Slapstickhafte vergrößert, sehen wir Bilder des Zwischenmenschlichen, Skizzen von Eifersucht, Freundschaft, Verrat.

Das Jazz-Quartett hatte den Tänzern vorab mit Themen und Kompositionen ein paar musikalische Ankerpunkte zur Verfügung gestellt. „Dass daraus nun eine Dreiergeschichte geworden ist, haben die Tänzer so entwickelt“, sagt Magnus Mehl. „Wir unterstützen sie dabei mit unserer musikalischen Dramaturgie. Abgesprochen sind dabei nur die Übergänge.“

„Es gibt eine Art Skelett aus fixen Teilen, alles dazwischen entwickelt sich frei“, erklärt Jesse Fraser den Probenprozess aus Sicht der Tänzer. „Für uns ergeben sich so Freiheiten, die wir im Ballettalltag sonst nicht haben.“ Auch Elisa Badenes genießt es, sich einmal nicht den Vorgaben der Musik unterordnen zu müssen: „Die Musiker folgen uns. Das ergibt eine schöne, für mich ganz neue Harmonie.“ Dass Jesse Fraser Erfahrungen einbringen konnte, die er als Choreograf bei Noverre-Abenden sammelte, empfanden seine Kollegen als große Unterstützung. Alle drei sind sich einig: „Wir würden gerne mehr davon machen.“

Versperrt nicht die Bewegung den Blick auf die Musik? „Nein“, sagt Magnus Mehl entschieden, „wir Musiker haben keine Angst, hinter dem Tanz zu verschwinden. Und es gibt auch Stellen, an denen uns die Bühne allein gehört, wobei es doch ungewohnt ist, so weit hinten platziert zu sein. Bei den ersten Proben waren wir so fasziniert vom Tanz, dass wir gar nicht weiterspielen konnten.“

Magnus Mehl will mit seiner „Dance-Jazz-Fusion“ an Zeiten anknüpfen, in denen im Theaterhaus beim Festival „Concepts of Doing“ der improvisierte Dialog zwischen Musikern und Tänzern Teil des Konzepts war. Ganz frei von Vorgaben soll deshalb der letzte Teil des Konzerts den Tanz in eine offene, experimentelle Beziehung zur Musik setzen. „Jedem Tänzer ist dann ein Instrument zugeordnet, das er über seine Bewegung steuern kann“, sagt der Saxofonist. „Wir Musiker reagieren auf die Tänzer, sind eine Art Back-up für sie.“

Die „Dance-Jazz-Fusion“ findet während der Osterjazztage am 4. April um 19.45 Uhr im Theaterhaus statt. Kartentelefon: 0711 / 40 20 7-20 / -21 / -22 / -23www.theaterhaus.com

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