Zumindest jene jungen Leute, die so gute Schulabschlüsse haben, dass sie sich die Jobs auswählen können. Drängt es da die so genannten bildungsfernen Jugendlichen angesichts von Wirtschaftskrise und steigender Arbeitslosigkeit nicht nur so zum Bund? "Die Demografie spricht dagegen", behauptet der Fachmann aus dem Ministerium. "In Ostdeutschland ist die Geburtenrate nach der Wende um 50 Prozent zurückgegangen. Jetzt kommen die schwachen Jahrgänge auf den Markt - und die werden wegen des erwarteten Fachkräftemangels sehr umworben sein. Hier ziehen wir wegen der Gehaltsschere gegenüber der freien Wirtschaft eher wieder den Kürzeren." Dass nun die Wehrpflicht zur Disposition steht und möglicherweise ausgesetzt wird, käme dem Bund gerade recht: "Eine Verschlankung der Truppe passt genau ins Bild."
Mehr als 15 Millionen Euro spendierte die Bundeswehr seit 2006 für Werbung in eigener Sache, speziell für die Anwerbung neuer Soldaten. "Einsatz für den Frieden" prangt auch in großen Letter am Berliner Bendlerblock, dem Sitz des Verteidigungsministers - darunter ein Soldat, der ein wenig an Matt Damon in Martin Scorseses Film "Departed - unter Feinden" erinnert. Altersgemäß auch werden Schüler an den Mittelschulen umworben: Die Bundeswehr veranstaltet Abenteuer-Camps und Sportturniere.
Wissen die Zeit- und angehenden Berufssoldaten es besser, was sie im Militäralltag erwartet - in Afghanistan, auf dem Balkan oder am Horn von Afrika? Dass sie am Hindukusch in einigen Regionen Krieg führen müssen? Halten also vor allem Söhne von Ostdeutschen und Migranten dort den Kopf hin, als Konsequenz daraus, dass sie am heimischen Arbeitmarkt kapituliert haben? "Wir fragen nicht nach der Herkunft, wie wollen nur, dass jeder deutsche Soldat unversehrt wieder nach Haus kommt", heißt es aus dem Ministerium, dem Bundeswehrverband und von Politikern aller Parteien. Nicht einmal die Linkspartei wähnt, dass hier "Ossis verheizt" werden. Ein Ausbilder aus dem Raum Leipzig sagt dazu: "Wer sich körperlich geeignet und vom Arbeitsmarkt ansonsten nicht angesprochen fühlt, der fragt nicht nach Politik, sondern erledigt seinen Job. Das ist im Osten wie im Westen so."