Österreich Mountainbiken in Lermoos

Von Gabriela Beck aus Lermoos 

Die Tiroler Zugspitz-Arena wurde wiederholt zu Österreichs bester Mountainbike-Region gewählt. Foto: Tiroler Zugspitz Arena
Die Tiroler Zugspitz-Arena wurde wiederholt zu Österreichs bester Mountainbike-Region gewählt.Foto: Tiroler Zugspitz Arena

Wo sich im Winter in Lermooos Skifahrer tummeln, stürzen sich im Sommer Mountainbiker die Hänge hinunter. Für Einsteiger gibt es spezielle Angebote.

„Den Lenker gut festhalten, Gewicht nach hinten und bloß nicht die Bremsen reinhauen, dann schafft ihr das“, verspricht Georg Mott, bevor er auf seinem Rad elegant über die Wegkante kippt und den Steilhang hinunter rast. Mit ‚das‘ meint er die Rinnen und Stufen, die Kühe und Erosion auf der Almwiesen hinterlassen haben. Ein vollgefedertes Mountainbike steckt die Holperstrecke locker weg - wenn der Fahrer nicht die Nerven verliert und angesichts rapide auf ihn zukommender vermeintlicher Mega-Trichter eine Vollbremsung hinlegt. Dieser Sport hat mindestens ebenso viel mit ‚Blockaden im Kopf überwinden‘ zu tun wie mit Fahrtechnik, so viel steht nach zwei Tagen Mountainbike-Einsteiger-Camp in Lermoos fest.

Ausgehend von Ehrwald und Lermoos führen 103 offizielle Touren in alle vier Himmelsrichtungen durch die Tiroler Zugspitz-Arena. Die österreichische Seite der Zugspitze gilt als eine der vielseitigsten Mountainbike-Regionen überhaupt. Georg Mott, Chef der Bikeguiding Zugspitz-Arena, und seine Mitarbeiter, die Coaches, also Trainer genannt werden, kennen jede Bodenwelle, jeden Graben und jede größere Wurzel in der Umgebung. Seit 20 Jahren begleiten sie Einsteiger auf leichten Genuss-Touren rund um glasklare Gebirgsseen, zeigen Fortgeschrittenen Routen mit anspruchsvollen Singletrails, auf denen man nicht nebeneinander fahren oder laufen kann, oder vermitteln das dafür erforderliche Können beim Techniktraining. Ein solches absolvieren auch die Teilnehmer des Einsteiger-Wochenendes, bevor es ins Gelände geht. Auf einem Parkplatz übt die Gruppe zunächst das Balancieren im Stand. Das funktioniert dank der extrabreiten Mountainbike-Reifen erstaunlich gut. Das Lenken mit überkreuzten Armen bringt dagegen den Gleichgewichtssinn gehörig durcheinander und das Fahren über eine schmale Holzwippe erfordert Beherztheit und Mut. „Als das Brett noch flach auf dem Boden lag, hattet ihr damit doch auch kein Problem“, frotzelt Georg Mott. Er wird die Mountainbike-Anfänger im Verlauf der nächsten zwei Tage immer wieder an ihre psychischen Grenzen bringen.

Mountainbiken ist ziemlich anstrengend

Auch bei der nächsten Übung. „Das richtige Bremsen lernen wir am besten auf dem Grashügel da drüben.“ Tatsächlich wirkt der Hügel von oben betrachtet eher wie ein Steilhang der Kategorie schwarze Piste - wenn auch nicht so besonders lang. Die Instruktionen des Bike-Guides machen auch nicht gerade Mut: beim Bergabfahren am besten mit Vorder- und Hinterradbremse gleichzeitig bremsen - und zwar mit Gefühl, also nie mehr als zwei Finger am Bremshebel. Wer nur die Hinterradbremse benutzt, dem kann insbesondere auf Schotter das Hinterrad wegrutschen. Wer vorne zu stark bremst, riskiert einen Abgang über die Lenkerstange. „Vertraut eurem Bike“, sagt Mott. Und tatsächlich, nach den ersten unfallfreien Abfahrten im Gelände entsteht ein Gefühl für das Sportgerät, die Sache fängt an, Spaß zu machen. Dann geht es auf die Piste - im wortwörtlichen Sinn. Wo die Trails direkt auf oder als Singletrails in den Latschenkiefer-Wäldern entlang der Skipisten verlaufen, sind die Skilifte in der Tiroler Zugspitz-Arena auch im Sommer in Betrieb und für den Transport von Rädern ausgerüstet. Das Personal ist geübt im Aufladen, im Winter dürfte die Abfertigung kaum schneller gehen. Per Lift bergauf, auf dem Mountainbike bergab - das hat was und liegt laut Georg Mott im Trend. Die erste längere Abfahrt auf einer blauen Piste ist vielleicht eine Mutprobe, aber keineswegs anstrengend.

Das ändert sich am nächsten Tag, als die Muskeln auf der roten Piste über einen längeren Zeitraum heftigere Stöße wegstecken müssen. Aber auch die ungewöhnliche Haltung fordert den Untrainierten einiges ab: Anstatt wie beim Skifahren das Gewicht eher nach vorn zu verlagern, stellen sich Mountainbiker bei der Abfahrt auf die Pedale und schieben den Körperschwerpunkt, also den Po, hinter den Sattel. In dieser Position können die Fahrer Hindernisse am besten abfedern und insgesamt schnell und flexibel reagieren. „Ein Nachlassen der Kraft kann zum Sturz führen“, warnt Georg Mott. Da heißt es Zähne zusammenbeißen - auch wenn die Muskeln zu brennen anfangen. Während der Liftfahrt können sich die beanspruchten Körperpartien wieder erholen und es bleibt Zeit für einen Blick ins Gelände: ein weites Netz aus Almwegen vor tollem Bergpanorama. Georg Mott hat nach seiner rasanten Talfahrt durch die Rinnen und Trichter auf einem die Bergflanke querenden Schotterweg abgestoppt und schaut erwartungsvoll nach oben. Wie beim Skifahren auch brauchen seine Schützlinge immer noch ein wenig Überwindung, um sich vom sicheren Weg in den Steilhang gleiten zu lassen. Doch dann stürzen sich die Teilnehmer einer nach dem anderen in den Abgrund. „Klappt doch schon ganz ordentlich“, brummt Georg Mott, als alle unversehrt und mit erleichtertem bis glücklichem Grinsen unten angekommen sind. Kaum zu glauben, dass die meisten erst gestern das erste Mal auf ein Mountainbike gestiegen sind.

  Alle Reisereportagen sind in Sonntag Aktuell erschienen
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