Weder das Plädoyer für den Verbleib im BdS-Landesverband von dessen Vizepräsidentin Rita Keller noch die Aufzählung der Verbandsleistungen von Klaus Schäfer, BdS-Geschäftsstellenleiter in Mannheim, und auch nicht der teils hitzige Widerspruch von Bernhard Klenk, Mitbegründer und einstiger Vorsitzender des BdS Oberstenfeld, konnten den Vorstand von seiner Austrittsabsicht abbringen. Man habe es sich nicht leicht gemacht, beteuerten die zweite Vorsitzende Barbara Tolnai und andere. Doch nach eingehenden Beratungen sei man zu dem Schluss gekommen, dass der Ortsverband die 4000 Euro, die er nach einer Beitragserhöhung jährlich an den Landesverband abführen muss, sinnvoller vor Ort verwenden könne.
Als Beweis wurde das druckfrische "Nachschlagewerk" über das Leistungsspektrum der ansässigen Firmen und Geschäfte hochgehalten, wurden die pünktlich zur Jahresversammlung erneuerte Homepage sowie Listen der vielfältigen Aktivitäten präsentiert. Um all dies erhalten und weitere Pläne für lokales Marketing realisieren zu können, sei Geld nötig, so Markus Müller.
Klaus Schäfer hielt entgegen, dass "jeder Gesangverein und jeder Tennisclub" sich einem übergeordneten Verband anschließe. Der könne die gemeinsamen Interessen ganz anders vertreten als einzelne kleine Ortsgruppen. Öffentliche Zuschüsse für bestimmte Veranstaltungen, von denen auch der BdS Oberstenfeld schon profitierte, seien nur möglich, weil "Ihr Landesverband sich dafür einsetzt", so Schäfer. Der Verband habe bei manchen Gesetzen Ausnahmen für Kleinbetriebe erkämpft, setze sich auch bei örtlichen Problemen ein, um etwa den Bau von Großmärkten zu verhindern.
Bernhard Klenk betrachtete die Angelegenheit auch unter dem Motiv der Solidarität und warnte vor zunehmender Individualisierung. Im Kampf gegen eine "dominierende Bürokratie" sei eine "große Kraft" vonnöten, die dagegenhalte. Er regte sich unter anderem darüber auf, dass der Ortsverband nicht die Möglichkeiten der Landes-Homepage nutze. "Die ist bares Geld wert." Vor dem Hintergrund derzeitiger Austritte anderer Ortsverbände in der Region beklagte er eine "breite Welle der Antipathie", seiner Meinung ausgelöst, weil ein Versicherungsvertreter aus dem Kreis ein Angebot nicht habe beim Landesverband lancieren können.
Gegen diese Mutmaßung verwahrte sich Michael Meder. Eine solche Neiddebatte sei ihm fern. Hinter dem Antrag auf Austritt steckten ernsthafte Gedanken. BdS-Vorsitzender Mike Naegele sekundierte: Der Ortsverband habe die Leistungen des Landesverbands abgefragt und sei so zu dem Ergebnis gekommen, dass sich die Mitgliedschaft nicht lohne. Auch Klenks Vorschlag, die Abstimmung zu vertagen, weil von den 21 Anwesenden die zehn aus dem Vorstand sowieso schon ihre feste Meinung hätten, und die Frage auf eine breitere Diskussionsgrundlage zu stellen, wurde abgeschmettert. Das Thema sei allen bekannt, und wer daran Interesse habe, sei heute da, so der Tenor der Versammelten am Freitagabend im Gasthaus Hirsch.
Weil die für die im Rahmen der Hauptversammlung nötigen zwei Drittel der 79 Mitglieder nicht da waren, wurde die Abstimmung in der angekündigten außerordentlichen Sitzung nach 22 Uhr durchgeführt. Da reichte die einfache Mehrheit. Mit zwei Enthaltungen, drei Nein- und 16 Jastimmen wurde die Kündigung gegenüber dem Landesverband beschlossen. Sie kann frühestens Ende 2012 in Kraft treten.