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Obdachlose Nicht jeder findet warmen Platz für die Nacht

Martin Haar und Götz Schultheiss, vom 02.02.2012 18:51 Uhr
 Foto: Haar
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Stuttgart - Die sibirische Kälte, die Deutschland im Griff hat, macht vor allem den Wohnungslosen zu schaffen. Die Stadt bietet ihnen an 17 Standorten im Stadtgebiet Notunterkünfte mit insgesamt 114 Plätzen. Aber es gibt auch Härtefälle.

Der Wind pfeift aus allen vier Zugängen der Passage am Rotebühlplatz. Selbst wenn die Temperatur hier unten etwas erträglicher ist als oben - dieser schneidende Wind wirkt zermürbend. Hier hat es gefühlte 25 Grad minus. Vielleicht blickt einer der vier Menschen, die hier betteln und Schutz vor der grimmigen Kälte suchen, deshalb so teilnahmslos vor sich hin. Er antwortet nicht auf Fragen nach seinem Befinden. Er reagiert kaum auf den Euro, der in seinen Pappbecher fällt. Ein leichtes Aufflackern seiner Augen, ein kurzes Zucken seiner Lippen - das ist alles. Mehr Regung geht nicht von ihm aus. Ob er auch die Nacht hier zubringt? Vermutlich.

So ist das Leben

Mit Ja beantworten seine zwei Nachbarn diese Frage. Sie sitzen auf einer dünnen Matte, tragen Turnschuhe und Jogginghosen. Nichts wärmt sie wirklich. Allenfalls der Alkohol, der aus ihren Poren dringt. "Wir schlafen immer hier", sagt der eine, der aus Ungarn stammt. Sein Nebensitzer, ein Slowake, nickt und meint: "C'est la vie."

So ist das Leben. Und das hat es nicht gut mit jenen Menschen gemeint, die in dieser Nacht keine warme Stube finden. Ein Schicksal, das wohl auch eine Osteuropäerin teilt, die ebenfalls hier Zuflucht sucht. Aber auch sie klagt nicht und verliert wenig Worte über die kommende Nacht. "Ja", flüstert sie, "das alles kann einen auffressen."

Zwei Streifenpolizisten, die vorbeikommen, drücken in diesen vier Fällen beide Augen zu. Nicht weil sie ihre Augen vor dem Elend verschließen. Im Gegenteil. Weil es sie anrührt. "Im Sommer würden wir hier wahrscheinlich Platzverweise aussprechen", sagt einer der Beamten, "aber bei diesen Temperaturen schicken wir keinen weg. Das wäre unmenschlich."

"So kalt war es nicht mal in Kitzbühel"

Wie selbst Passanten, die dick einpackt durch die Stadt eilen, diese Temperaturen empfinden, zeigt folgender Dialog:

"Mensch, so kalt war es ja nicht mal in Kitzbühel."

"Doch, oben auf der Gipfelstation"

"Aber im Tal war es angenehmer."

"Stimmt."

Menschen reagieren sensibel auf die Kälte.

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