Stuttgart - Grün-Rot statt Schwarz-Gelb - die Ursachen dafür finden sich auch in Stuttgarter Themen. Dass in seiner Stadt nichts bleibt, wie es war, glaubt Oberbürgermeister Wolfgang Schuster dennoch nicht.
Herr Oberbürgermeister, der Regierungswechsel in Baden-Württemberg hat womöglich gravierende Auswirkungen auf wichtige, die Stadt betreffende Zukunftsfragen. Sehen Sie das Bahnprojekt Stuttgart 21 in Gefahr?
Weder Land noch Stadt sind Bauherren. Stuttgart 21 ist seit einem Jahr im Bau, die Bahn hat Baurecht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Bahn nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg das Projekt aufgibt.
Die SPD, die laut offizieller Parteilinie das Projekt eigentlich mitträgt, strebt einen Volksentscheid an.
Ich gehe davon aus, dass die künftige baden-württembergische Landesregierung ähnlich wie in Bayern Volksentscheide für große Landesaufgaben per Gesetz zulassen will. Bei Stuttgart 21 könnte ein solches Gesetz dann erstmals zur Anwendung kommen.
Mit welchem Ergebnis?
Ich rechne mit einer deutlichen Mehrheit im Land für Stuttgart 21.
Das Land und das Handelshaus Breuninger betreiben am Karlsplatz ein anderes Großprojekt, mit Büros für Ministerien, einem Hotel und Einzelhandel. Steht das Projekt Da Vinci auf der Kippe?
Wenn die neue Landesregierung aufgreift, was die SPD in ihrem Wahlprogramm niedergeschrieben hat, wird das Projekt so nicht umzusetzen sein.
Bisher sind 47.000 bis 49.000 Quadratmeter Nutzfläche erlaubt. Wie weit müsste die Zahl nach unten korrigiert werden?
Sollte es im ehemaligen Hotel Silber wie von der SPD gefordert ein Dokumentationszentrum zur NS-Vergangenheit geben, braucht es ein neues Raumkonzept und damit einen neuen Bebauungsplan.
Der scheidende Ministerpräsident Stefan Mappus hatte Ihre mögliche Kandidatur bei der nächsten Oberbürgermeisterwahl infrage gestellt. Ihr größter Kritiker wird in der Frage nun nicht mehr mitentscheiden.
Andere haben sein Verhalten bewertet. Ich muss das jetzt nicht mehr tun.
Sie wirken entspannt. Bestärkt Sie die Abwahl Ihres Parteifreunds darin, 2012 erneut bei der OB-Wahl anzutreten?
Der Stuttgarter Oberbürgermeister wird von den Stuttgartern gewählt und nicht vom Parteivorsitzenden. Das ist gut so, und das wird auch so bleiben.