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OB Schuster "Moratorium ist für mich nicht denkbar"

Michael Isenberg, vom 12.08.2010 18:00 Uhr
Wolfgang Schuster Foto: Kraufmann
Wolfgang Schuster Foto: Kraufmann

Stuttgart - OB Wolfgang Schuster äußerst sich erstmals zur aktuellen Protestwelle gegen Stuttgart21. Das Projekt sei politisch und rechtlich legitimiert und bereits im Bau, betont Schuster. Stuttgart21 gefährde auch nicht die Demokratie.

Herr Oberbürgermeister Schuster, der Protest gegen Stuttgart21 bringt in immer kürzeren Abständen viele Tausend Bürger auf die Straße. Am Freitagabend soll eine Menschenkette den Hauptbahnhof umschließen. Nehmen Sie die Demonstrationen wahr?

Selbstverständlich.

Nehmen Sie die Demonstrationen ernst?

Ich nehme jede Meinungsäußerung ernst. Ich verstehe auch, dass Stuttgart21 derzeit in aller Munde ist. Das Projekt ist groß, kompliziert, dauert lange und ist finanziell aufwendig. Außerdem liegt eine der Hauptbaustellen mitten im Zentrum der Stadt. Bauprojekte von dieser Größe sind in Deutschland fast immer umstritten. Insofern überraschen mich die Proteste auch nicht.

Der Gemeinderat, das EU-Parlament, der Bundestag, der Landtag und die Regionalversammlung haben sich in vielen Beschlüssen für Stuttgart21 ausgesprochen. Trotzdem stellen Demonstranten die politische Legitimation des Projekts in Frage. Verstehen Sie das?

Ehe 1995 die Deutsche Bahn, das Land Baden-Württemberg und die Stadt ihren Grundsatzbeschluss für Stuttgart21 getroffen haben, gab es zehn Jahre lang intensive Untersuchungen und Diskussionen über das Projekt. Das sollte man nicht vergessen. Danach haben sich in der Tat auf allen politischen Ebenen die Parlamente für Stuttgart21 entschieden, in den allermeisten Fällen mit Zweidrittelmehrheit. Auch die klare Mehrheit der Stuttgarter Bürger stand 1995 hinter dem Projekt. Hinzu kommen mehrere Gerichtsurteile, welche die Entscheidung für Stuttgart21 bestätigt haben. An der demokratischen und rechtlichen Legitimität von Stuttgart21 gibt es also keinen Zweifel.

Sind die Stadträte von SÖS/Linke und Grünen, die den Protest maßgeblich mitgestalten, womöglich schlechte Verlierer?

Es gibt klare politische Entscheidungen für Stuttgart21, die von parlamentarischen Mehrheiten getroffen wurden. Das wird ein Demokrat respektieren. Dessen ungeachtet kann jeder an seiner individuellen Meinung oder Überzeugung festhalten. Ich erwarte nicht, dass die Stadträte Gangolf Stocker (SÖS/Linke) oder Werner Wölfle (Bündnis90/Grüne) plötzlich Befürworter von Stuttgart21 werden. Insbesondere bei den Grünen bin ich mir aber ziemlich sicher, dass sie das Projekt in der Zukunft konstruktiv begleiten werden. Schließlich geht es darum, wie die durch Stuttgart21 freiwerdenden 100 Hektar Innenstadtfläche auch ökologisch sinnvoll gestaltet werden.

In einem sogenannten Stuttgarter Appell, den am Donnerstagnachmittag bereits mehr als 21000 Bürger unterzeichnet haben, wird befürchtet, dass der Konflikt die "demokratischen Traditionen" in Stadt, Region und Land beschädigt. Teilen Sie die Sorge?

Demokratie heißt auch Meinungsvielfalt und das Recht zur freien Meinungsäußerung. Wer gegen Stuttgart21 friedlich demonstriert, nimmt doch seine bürgerlichen Rechte wahr. Ich kann nicht nachvollziehen, weshalb hier die Demokratie gefährdet sein sollte.

Die Gegner des Projekts fordern ein Moratorium für Stuttgart 21. Was halten Sie davon?

Für mich ist ein Moratorium nicht denkbar. Die Argumente für und wieder Stuttgart 21 sind weithin bekannt; die Auseinandersetzung darüber hat uns jahrelang begleitet. Die Bahn hat am 2. Februar 2010 mit dem Bau von Stuttgart21 begonnen. Ich würde es begrüßen, wenn die Kritiker diese Fakten zur Kenntnis nehmen.

Kommentare (158)
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AUG
25
14:45 Uhr, geschrieben von Didi
Moratorium ist für mich nicht denkbar
Für OB Schuster ist so manches nicht denkbar,z.B. dass man hätte die Bürger über so ein größenwahnsinniges Projekt incl. Science-fiction-Bahnhof abstimmen lassen. Dann wäre dies demokratisch legitimiert und nicht von einigen Gemeinderäten und ein paar bestochene Gerichte, die jeden Einwand der Gegner niederschmetterten.
AUG
19
17:27 Uhr, geschrieben von Andreas Rommel
Finden Sie, ein sogenanntes Spitzengespräch würde etwas bringen?
Was für eine Frage - so ist sie m.E. nicht zu beantworten! Bei einem Spitzengespräch sitzen sich Vertreter von K21 und S21 gegenüber! Das ist es was zuerst einmal Sinn macht! Wie es dann weiter geht und was es bringt wird man sehen! Wichtige Faktorn danach wären m.E. eine überparteiliche/neutrale Berichterstattung und die Gespräche müssten sehr transparent verlaufen. MfG A.Rommel
AUG
18
13:03 Uhr, geschrieben von Opa Kolja
Selbstbeschränkung
@ Losgehts Ja so hätten es die famosen,lobbyistenhörigen Regieungspolitiker plus Ihnen wohl gerne. Die Bürger nach dem Motto "Wir WISSEn ALLEINE was gut für Euch ist",an der Grenze zur Korruption "durchzuregieren". Je mehr man sich, mit den im Wochenrythmus zutagetretenden Sauereien um S-21 beschäftigt,muss man im Gegenteil sagen:"Die können und dürfen das soo nicht weiter durchziehen." Als in der Sache informierter Bahnfahrer und Steuerzahler lasse ich so nicht mehr mit mir umspringen.Und die Informierten,die so denken werden täglich mehr. Sie dürfen natürlich weiter blauäugig den Sprüchen von Drexler und Co vertrauen; Zukunft ,Fortschritt usw.,zu einem Kellerbahnhof der lt.sma-Gutachten "eingeschränkt funktionsfähig",ein neues Nadelöhr, und weniger leistungsfähig als der noch nicht modernisierte,alte Kopfbahnhof sein wird.Von der Kostenlüge mal ganz zu schweigen. Wir lassen uns deshalb nicht weiter veräppeln und stoppen noch das desaströse Wahnsinnsprojekt der S-21 Profitöre.
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