Was sollten Bürger, die das Bahnprojekt ablehnen, denn Ihrer Meinung nach tun?
Wir benötigen in Stuttgart bald einen konstruktiven Dialog darüber, wie wir die Freiräume, die Stuttgart21 schafft, in Zukunft sinnvoll gestalten wollen. Zu diesem Dialog lade ich auch die heutigen Kritiker von Stuttgart21 ausdrücklich und gerne ein. Hier kann jeder Verantwortung übernehmen für seine Stadt.
Vielen Verantwortlichen von Bahn, Land und Stadt scheint die Protestwelle die Sprache verschlagen zu haben. Oder wartet man nur, bis der Protest an Schwung verliert? Dass sich das Problem gewissermaßen selbst erledigt?
Ich nehme an, dass es nach wie vor erhebliche Informationsdefizite bei vielen Bürgern gibt. Baubürgermeister Matthias Hahn (SPD) und ich haben zwar unendlich viele Stunden und Abende investiert, um die Bürgerschaft zu informieren. Die jahrelangen Verzögerungen des Projekts waren damals noch nicht absehbar. Inzwischen ist beim Bürger wieder viel Wissen und Interesse verloren gegangen. Das müssen wir jetzt erst wieder mühsam aufholen.
Sie meinen, wenn die Bürger mehr Bescheid wissen, sind sie für Stuttgart 21?
Die Verbesserungen für den regionalen Schienenverkehr, bessere ICE-Verbindungen und die Einbindung in das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz und vor allem die städtebaulichen Entwicklungsmöglichkeiten machen Stuttgart21 zu einem herausragenden ökologischen Projekt. Stuttgart21 ist und bleibt für uns eine großartige Chance, gerade mit Blick auf unsere Kinder und Enkelkinder.
Zurück zu den Demonstrationen: Befürchten Sie, dass der Protest eskalieren könnte?
Nein, diese Sorge habe ich nicht. Ich gehe nach wie vor davon aus, dass diejenigen, die den Protest organisieren, kein Interesse an einer Eskalation haben. Bisher haben sich die Demonstranten und die Polizei sehr besonnen verhalten. Das freut mich.
Sehen Sie noch eine Möglichkeit, den Protesten der Bürger in irgendeiner Form konkret Rechnung zu tragen? Oder heißt es jetzt: Augen zu und durch?
Ich bin immer gesprächsbereit. Aber es macht nun Mal keinen Sinn, nochmals über Entscheidungen zu diskutieren, die bereits getroffen wurden und mitten in der Umsetzung stehen. Eine ehrliche Diskussion kann nur auf der Grundlage geführt werden, dass die Bahn Stuttgart21 baut. Alles andere wäre meiner Ansicht nach unehrlich oder Augenwischerei.
Haben Sie in den letzten Wochen einmal Zweifel gehabt an ihrer persönlichen politischen Entscheidung für Stuttgart 21?
Nein. Ich hätte mir allerdings nie träumen lassen, wie viel Ärger mir das Projekt einbringen würde. Stuttgart21 stößt heute nicht überall Gegenliebe. Aber das kann kein Kriterium sein. Das Kriterium für die Landeshauptstadt lautet: Stuttgart21 ist langfristig notwendig und gut, und dazu gibt es keine Alternative. Davon bin ich nach wie vor hundertprozentig überzeugt.