Stuttgart - Der vom Bahn-Chef angebotene Runde Tisch zum umstrittenen Tiefbahnhof-Projekt wird nach Auffassung des Grünen-Politikers Boris Palmer noch keine Wende bringen. Das Gespräch könne aber Klarheit über die Kosten des Ausstiegs schaffen. Noch sei das Projekt aufzuhalten, sagt Palmer im Interview.
Herr Palmer, Ihr Vorschlag eines Friedensgipfels in Verbindung mit einem Moratorium beim Tiefbahnhofbau wurde abgelehnt. Jetzt hat der Bahn-Chef den Weg für ein Spitzengespräch ohne Moratorium frei gemacht - und Sie nehmen trotzdem daran teil?
Ich freue mich, dass die Einsicht in die Notwendigkeit von Gesprächen eingekehrt ist. Ob ich daran teilnehme, ist offen. Die Bewegung ist sehr breit, sie muss selbst bestimmen, wer für sie sprechen kann. Das dürfen nicht nur Grüne sein.
Sie wollen von Ihren Bündnisgenossen und Herrn Grube doch nur gebeten werden.
Nein, ich bin jetzt zwei Monate in Elternzeit in Brüssel bei meiner Frau und komme gut ohne Stuttgart 21 aus.
Was ist überhaupt zu gewinnen? Die Projektträger und die Bauherrin erklären ständig, das Projekt sei unumkehrbar. Grube will es unbedingt realisieren. Das, was viele Bürger wollen, die Beendigung, ist völlig unmöglich.
Verzeihung, das ist Ihr Tunnelblick. Das Projekt kann sofort einvernehmlich beendet werden. Kein Vertragspartner ist privat. Sogar der Atomausstieg ist offenbar umkehrbar, wenn man nur will.
Wer soll das Ende besiegeln? Grube ist weit von dieser Absicht entfernt.
Ein Anruf des Ministerpräsidenten bei der Kanzlerin, dass man es sich überlegt hat und das Projekt nicht mehr will, reicht aus. Die Sache wird allein im Land entschieden.
Rechnen Sie damit, dass dieser Anruf nach dem Spitzengespräch getätigt wird?
Das wäre naiv. Wenn im Gespräch geklärt wird, welche Fakten unstrittig sind und wo Klärungsbedarf besteht, wäre schon viel erreicht - auch für den Frieden in der Stadt.