Woraus leiten Sie eigentlich die Legitimation ab, sich um all dies so aktiv zu kümmern?
Hätte OB Schuster sein Wort gehalten, würde ich mich raushalten. So muss ich einfordern, was er vor der Wahl 2004 versprochen hat: Im Falle von gravierenden Mehrkosten entscheiden die Bürger über das Projekt.
Sie sind in Stuttgart weiter gut im Geschäft. Das ist schön für Sie. Dann müssen Sie 2012 nicht so viel Werbematerial verteilen, wenn Sie wieder um den OB-Posten in Stuttgart kandidieren.
Oft wird angenommen: Weil Palmer im Jahr 2004 in Stuttgart kandidiert hat, bewirbt er sich auch 2012 wieder. Ich habe inzwischen aber schon erklärt, dass meine Aufgabe in Tübingen nicht vollendet ist und auch 2012 immer noch nicht vollendet sein wird.
Sie werden 2012 definitiv nicht antreten?
Ich will über 2012 hinaus OB in Tübingen bleiben. Sie sollten mal wieder einen Besuch bei uns machen. Tübingen lohnt sich. Und niemand will hier Schloss oder Stift abreißen.
OB Schuster sagte bisher, er wolle Anfang 2012 mitteilen, ob er wieder antritt. Jetzt hört man oft "Schuster raus"-Rufe. Stellt sich nicht sogar die Frage, ob er den Rest der zweiten Amtsperiode noch absolvieren kann? Er moderiert den Streit nicht. Sie springen ein.
Es wäre ungehörig, über den Kollegen und seine Amtsführung herzuziehen. Was er 2012 macht, ist mir egal. Aber sein offener Brief ärgert mich, weil er rechthaberisch und aggressiv auf Stuttgart21 beharrt, ohne ein versöhnendes Wort. So ist man nicht Stadtoberhaupt für alle.
Reden wir über Ihre Bürger in Tübingen. Da finden es viele nicht mehr lustig, dass Sie in Stuttgart im Nebenjob den eigentlichen OB geben wollen und daheim nicht präsent sind.
Es ist richtig, dass das in Tübingen zu Recht kritisch beäugt wird, dass ich in Elternzeit bin und dann, wie Sie sagen, ehrenamtlich in Stuttgart tätig werde. Der Frage, ob ich mich ausreichend um das Tübinger Rathaus kümmere, stelle ich mich. Dafür muss ich im November den Beweis antreten, wenn es um die Sanierung unseres Haushaltes geht. Dass ich mich dennoch in Stuttgart einmische, zeigt nur, wie wichtig mir Demokratie und der Respekt vor dem Bürgerwille sind. Da kommt wieder einmal mein Vater Helmut Palmer in mir durch.