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OB-Kandidatur Kandidat Turner genügt CDU-Basis nicht

Konstantin Schwarz und Frank Krause, vom 23.01.2012 10:36 Uhr
 Foto: dpa
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Stuttgart - Der frühere Chef der Werbeagentur Scholz&Friends, Sebastian Turner, will für die CDU die OB-Wahl im Herbst gewinnen. Parteiintern gibt es Vorbehalte, da Turner Verwaltungserfahrung fehlt. Die Basis erwartet, dass Bürgermeisterin Susanne Eisenmann gegen ihn antritt.

Der CDU-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann hatte den 45-jährigen Sebastian Turner am Freitag gegenüber der Presse als möglichen Kandidaten bestätigt - da kannte noch nicht einmal die Findungskommission den Namen.

Kaufmanns Vorgehen wurde harsch kritisiert. Am Freitag um 23.05 Uhr suchte er per Mail die Offensive. Er habe den Namen nicht lanciert, sondern wollte ihn mit anderen Namen am Samstag in der Findungskommission "vertraulich" diskutieren, schrieb er an die Mitglieder. Diese Vertraulichkeit aber gibt es nicht.

"Sebastian wer?"

Turner sei "mein persönlicher Vorschlag", so Kaufmann, jedes Mitglied könne einen eigenen machen. Damit versuchte Kaufmann die Basis zu beschwichtigen, schließlich hatte er kurz zuvor alle 3200 Parteigänger schriftlich um Namen gebeten.

Am Wochenende reagierten CDU-Mitglieder wie politische Gegner überrascht über "Sebastian wer?". Der CDU-Landesvorsitzende Thomas Strobl sagte am Wochenende bei der Klausurtagung der Südwest-CDU in Schöntal, dass Turner zwar eine "interessante Persönlichkeit" sei, es aber auch andere "qualifizierte Bewerber" gebe. Strobl kritisierte zugleich deutlich die Art und Weise, wie die Bewerbung Turners vorzeitig publik wurde. "Ich war schon überrascht, dass der Name zu diesem Zeitpunkt bekannt wurde", so Strobl.

Kaufmann will dafür sorgen, dass der Berliner Bewerber künftig "regelmäßig in Stuttgart sein wird und zu Gesprächen zur Verfügung steht". Dass der eloquente und parteilose Honorarprofessor Turner in den Gesprächen als Solist agiert, darf ausgeschlossen werden. Kaufmann wurde am Samstag von seiner Findungskommission nämlich aufgefordert, mit weiteren potenziellen Kandidaten Gespräche zu führen. Genannt wurden die Bundestagsabgeordnete und frühere Büroleiterin von OB Wolfgang Schuster, Karin Maag (49), der frühere Minister und EnBW-Repräsentant Andreas Renner (52) und die Kultur- und Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann (47).

Eisenmann hat Kandidatur nie ausdrücklich ausgeschlossen

Maag, die Mitglied der Kommission ist, weist eigene Ambitionen allerdings genauso von sich wie Kaufmann selbst. Renner wird für Konstanz gehandelt. Es bleibt also Susanne Eisenmann. "Es hat sich noch niemand bereiterklärt", sagt Kaufmann. Andererseits hat Eisenmann ihre Kandidatur nie ausdrücklich ausgeschlossen.

Das Gespräch mit der Bürgermeisterin dürfte Kaufmann nicht ganz leicht fallen. Bei der Wahl zum Kreisvorsitzenden im Mai 2011 hatte er sich gegen die frühere Büroleiterin von Günther Oettinger mit 175 zu 130 Stimmen zwar deutlich durchgesetzt. Eisenmann verfügt aber über eine Hausmacht. Für die CDU holte sie bei zwei Kommunalwahlen mit Abstand die meisten Stimmen. Und sie besitzt Verwaltungserfahrung.

Dass der OB-Kandidat wissen sollte, wie eine Stadtverwaltung mit 20 000 Mitarbeitern funktioniert, scheint für die CDU-Basis wichtig zu sein. "Es wäre auch eine Überlegung wert, ob man eine Frau nominiert", sagt Walter Opfermann, stellvertretender Vorsitzender der CDU in Bad Cannstatt. Er wünscht sich weitere Kandidaten, etwa Maag oder Eisenmann. Ein "Nichtparteimitglied" aufs Schild zu heben wäre jedenfalls ungewöhnlich, so Opfermann.

Der Name Turner "bereichert die Debatte"

Fred Wagner aus Möhringen denkt ähnlich. Mit dem Namen Turner sei die CDU in die "kreative Phase" eingetreten. Er sei neugierig auf den Bewerber, könne sich aber auch Maag oder Eisenmann vorstellen. "Ich schätze Eisenmann sehr, sie macht ihre Arbeit kompetent", so der Bezirksvorsitzende.

Grüne und SPD äußerten sich zurückhaltend. Der Name Turner "bereichert die Debatte", meint Grünen-Fraktionschef Peter Pätzold. "Er ist keine Gefahr für uns", so die Kreisvorsitzende Petra Rühle. Der Co-Vorsitzende Philipp Franke spricht von einem "S-21-Werber" ohne politische Erfahrung. "Von der Werbeagentur ins Rathaus, ein ungewöhnlicher Weg", sagt SPD-Kreischef Dejan Perc. "Es scheint darum zu gehen, Politik gut zu verkaufen", vermutet SPD-Fraktionschefin Roswitha Blind.

Turner will am heutigen Montag seine Motive vor der Presse erklären. Bereits am Samstag sendet Kaufmann die ersten Reaktionen zu Turners Ambitionen in die Redaktionen. Trumpf-Aufsichtsratschef Berthold Leibinger äußerte sich lobend, und die Kinderbeauftragte der Stadt, Roswitha Wenzl, sagte: "Wenn der Erfinder vom kinderfreundlichen Stuttgart nach Stuttgart kommt, ist das eine tolle Nachricht für alle Kinder in Stuttgart."

Kommentare (5)
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JAN
25
17:58 Uhr, geschrieben von Cannstatter
Kandidat Turner
Das ist schon der richtige Mann für Stuttgart. Der nette Onkel von nebenan. Ein gescheiterter Werbe-Fuzzi. Der passt ins Team.
JAN
24
21:58 Uhr, geschrieben von Volker
Micky Maus?
Hängt der Micky Maus ein Schild um "Ich kandidiere für die CDU" und dann ist morgen auch die Micky Maus OB von Stuttgart! Schön, dass es gleich Irritationen über einen Kandidaten von Auswärts gibt! Ihm fehlt die Verwaltungserfahrung??? Na das, was da so zusammenverwaltet wird, kann man aber doch auch lernen? Außer man ist vielleicht ein jahrelang sich selbstverwaltender Verwaltungsbeamter... Man kann es aus dem Artikel schon erahnen: Der Klüngel möchte gerne unter sich bleiben! Um Himmels Willen nix Neues!!!
JAN
23
18:33 Uhr, geschrieben von Raoul S.
Jeder Depp kann OB, wenn er nur das richtige Parteibuch hat. Wenigstens bei der CDU.
Wobei ich Herrn Turner nicht als Deppen bezeichnen möchte, aber als Fachmann für Verwaltung hat er sich bis heute weder qualifiziert noch ausgezeichnet. Da gibt es genügend erfahrene OBs im Land, denen Turner niemals das Wasser reichen kann. Aber die arrogante "Hauptstadt-CDU" will unbedingt ein lokales Gewächs. Doch der Schrebergarten in Stuttgart ist längst versaut und nur noch von Pfeifen bevölkert.
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