Jetzt ist es amtlich: ein Windrad auf der Ingersheimer Höhe würde keine Sau stören. Zu diesem Befund ist das Landratsamt Ludwigsburg gekommen, nachdem die Behörde acht Monate lang den Antrag der Energiegenossenschaft Ingersheim geprüft hat. Ein Teil der umfangreichen Prüfung war auch die Frage, ob der mit 180 Metern höchste Rotor in der Region Stuttgart die Schweinezucht eines benachbarten Hofes beeinträchtigen könnte.
Bundesweite Recherchen in Zusammenarbeit mit Agrarwissenschaftlern haben laut dem Landratsamt ergeben, dass dies auszuschließen sei. Deshalb hat die Behörde gestern dem Bauantrag eine Genehmigung erteilt. Seine Fachleute hätten noch zahlreiche andere Punkte abgeklopft, betonte der Landrat Rainer Haas gestern bei einem Pressegespräch: Lärmschutz, Infraschall, Discoeffekt, Ultraschall, Schatten- und Eiswurf, Arten- und Landschaftsschutz sowie das Baurecht und die Rücksichtnahme auf die Nachbarschaft hätten bei der Genehmigung eine Rolle gespielt.
"Ich hatte die Vorgabe erteilt, besonders sorgfältig zu prüfen", sagte Haas. "Die Gegner werden mit Sicherheit dagegen vorgehen." Seine Behörde sehe keine Punkte, die dem Energieprojekt rechtlich entgegen stehen. Einen Ermessensspielraum habe es deshalb nicht gegeben. "Die Entscheidung war eindeutig."
Gleichwohl hat das Landratsamt den Betrieb an einige Bedingungen geknüpft. Die Betreiber müssen per Schaltuhr sicherstellen, dass der Schatten des Windrads nicht länger als acht Stunden im Jahr oder 30 Minuten am Tag auf den rund 440 Meter entfernten Lerchenhof fällt. Weil das Windrad in einer aufwendigen Studie in einem Radius von fünf Kilometern als "erhebliche Beeinträchtigung" der Landschaft eingestuft wurde, muss die Energiegenossenschaft einen Ausgleich leisten. Etwa 8000 Quadratmeter Streuobstwiesen sollen angelegt und gepflegt werden, darüber hinaus fällt eine Ausgleichsabgabe von 25 000 Euro an.
Auch den Artenschutz müssen die Betreiber im Auge behalten. Gutachter sollen beobachten, ob das Windrad, das laut dem Hersteller Strom für rund 1400 Haushalte produzieren kann, eine ernsthafte Gefahr für Fledermäuse oder den Rotmilan darstellt. Andernfalls muss die 2000-Kilowatt-Anlage bei höheren Windgeschwindigkeiten abgeschaltet werden.
"Wir freuen uns über die Genehmigung", sagt Hanne Hallmann von der Energiegenossenschaft Ingersheim. "Es liegen harte Monate hinter uns." Die Initiative habe inzwischen bereits mehr als 300 Mitglieder und genügend Geldgeber, um die 3,5-Millionen-Euro-Investition aus eigener Kraft zu stemmen. Wenn der Hersteller das Rad geliefert habe, betrage die Bauzeit etwa fünf Monate. "Aber der Streit wird wohl nicht aufhören", sagt auch sie.
Ihre Befürchtung ist nicht unbegründet. "Es werden definitiv Privatklagen gegen das Windrad eingereicht", kündigt Thomas Schöller von der Initiative "Gegenwind Husarenhof" an. Seit Monaten macht die Gruppe, die nach eigenen Angaben 73 Mitglieder hat, gegen das Windrad mobil. Zuletzt überreichte sie dem Landrat eine Liste mit 1400 Protestunterschriften.
Die Gegner haben vier Wochen Zeit, beim Regierungspräsidium Stuttgart Widerspruch gegen die Genehmigung einzureichen. Wird der zurückgewiesen, dann bleibt noch der Klageweg. So lange diese Verfahren laufen, darf mit dem Bau des Windrads nicht begonnen werden. Nur ein Eilantrag der Energiegenossenschaft könnte schneller Rechtssicherheit bringen. Ob der gestellt wird, ist laut Hanne Hallmann noch nicht entschieden.