Artikel weiterempfehlen Artikel drucken Artikel kommentieren

NS-Zeit Neue Koalition ringt um Hotel Silber

Heidemarie A. Hechtel und Josef Schunder, vom 12.04.2011 15:45 Uhr
Eine Videoprojektion ist im Oktober 2009 auf der Fassade der ehemaligen Stuttgarter Zentrale der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) zu sehen, die im einstigen Hotel Silber untergebracht war.  Foto: dpa
Eine Videoprojektion ist im Oktober 2009 auf der Fassade der ehemaligen Stuttgarter Zentrale der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) zu sehen, die im einstigen Hotel Silber untergebracht war. Foto: dpa
Siehe auch

Stuttgart - In der Frage um die vollständige Erhaltung des ehemaligen Hotel Silber kommt es in den Koalitionsverhandlungen zum Schwur. SPD-Landeschef Nils Schmid (SPD) habe es zur Chefsache gemacht, für die Erhaltung und Nutzung als NS-Dokumentations- und Lernzentrum zu kämpfen, heißt es in der SPD.

"Die Zeit des Vergessens und Verdrängens ist endgültig vorbei", heißt es in einer Erklärung von 50 Unterzeichnern einer kürzlich veröffentlichten Anzeige. Darin ging es um einen Appell zum vollständigen Erhalt der ehemaligen Gestapo-Leitstelle in der Dorotheenstraße10.

"Es war der zentrale Ort für Planung, Organisation und Durchführung der schlimmsten Verbrechen des NS-Regimes in Württemberg-Hohenzollern", rief Architekt Roland Ostertag am Montag in Erinnerung. Diesen authentischen Ort nicht zu erhalten käme einer kulturellen Barbarei und Schande gleich. Stuttgart habe im Gegensatz zu Köln und demnächst auch München keinen zentralen Gedenkort und damit auch keinen Lernort, der für die junge Generation und die Verantwortung für die Zukunft wichtig sei. Geplant ist ein NS-Dokumentations- und Lernzentrum.

"Dass in dieser Anzeige namhafte und prominente Wissenschaftler, Künstler und Intellektuelle dieses Projekt unterstützen, beweist dessen Bedeutung", betonte Micha Brumlik, Erziehungswissenschaftler aus Frankfurt, der dem Anliegen gemeinsam mit dem Schauspieler Walter Sittler, mit Bernhard Löffler, Vorsitzender des DGB Nord-Württemberg, und mit Frederick Brütting, Juso-Vorsitzender im Land, Nachdruck verlieh. Darauf sollten sich die Grünen besinnen, mahnte Brumlik angesichts der unentschiedenen Haltung dieser Partei, in der ein Teil für den Abriss stimmt, um das Da-Vinci-Projekt nicht zu sabotieren. Nils Schmid und der designierte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) wollen über die Zukunft des ehemaligen Hotel Silber verhandeln.

Unterdessen kümmert sich auch der Grünen-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat, Werner Wölfle, um eine Lösung beim Bauvorhaben der Firma Breuninger und des Landes für ein neues Quartier am Karlsplatz. Wie es dort weitergeht, gilt als völlig offen, seit die Landtagswahl einen Regierungswechsel brachte. "Die Firma Breuninger hängt in der Luft. Es geht um ihr Geld. Ich möchte vermeiden, dass das Land aussteigt, zumal es weiterhin Büroraum braucht", sagte Wölfle im Gespräch mit unserer Zeitung. Er setze sich dafür ein, dass Breuninger-Chef Willem G. van Agtmael schnellstmöglich erfahre, wie es weitergehen könne. Er selbst trete auch dafür ein, das Gebäude Dorotheenstraße10 vollständig zu erhalten, ohne dass man das Neubauprojekt am Karlsplatz beerdige. Das Land müsse seinen Raumbedarf an dieser Stelle zurückschrauben. Wenn das ehemalige Hotel Silber komplett erhalten werde, seien die Pläne vom Architekturbüro Behnisch mit größter Wahrscheinlichkeit nicht mehr umsetzbar, urteilte Wölfle. In diesem Fall müsse man schnellstens zu einer planerischen Alternative kommen. Klar sei für ihn aber auch, dass man ein Neubauprojekt in veränderter Form brauche, um das Stadtquartier zwischen Karlsplatz und Marktplatz städtebaulich aufzuwerten.

Kommentare (4)
» Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
Anzeigen
APR
13
14:21 Uhr, geschrieben von Kai Tonath
Einmischung in innere Angelegenheiten?
So mal ganz dezent die Frage gestellt: Ob das ehemalige Polizeipräsidium abgerissen werden darf oder soll - ist eine Angelegenheit der Stadt Stuttgart - und nicht eine Angelegenheit des Landes, oder irre ich mich da? Also hat das Land sich da mehr oder weniger raus zu halten - und wenn das Haus stehen bleiben soll, dann soll derjenige, der es erhalten will das Haus auch in den Ursprungszustand zurückversetzen - Das jetztige Gebäude sieht auf jeden Fall deutlich anders aus, als das damalige Hotel!
APR
12
19:15 Uhr, geschrieben von ??
Hochhaus
Würde bei dem Behnisch Entwurf ein Hochhaus Richtung Hauptstätter Strasse mit eingeplant werden, wäre der erhalt des Hotels Silber kein Problem!!
APR
12
19:03 Uhr, geschrieben von Bürger Lars - mal wieder
Es kann ja nicht so schwer sein
Dass das Hotel Silber ein wichtiges Gebäude der deutschen bzw. württembergischen Geschichte ist, wurde nun den Leuten bewusst. Das hat das Land bislang zu wenig bei seinen Planungen berücksichtigt. Wo ist aber denn ein Problem. Baut man eben ein etwas kleineres Gebäude neben das Hotel Silber oder auch um das Hotel Silber rum (Beispiel gefällig? Hundertwassehaus in Wien). Das kann ja nicht so schwer sein. Einen Abriss des Hotels Silber kann ja nun kein Mensch mehr ernsthaft fordern bzw. vertreten.
Kommentar-Seite
vorherige
1  von  2
nächste


Rasante Balanceakte um Hütchen
Stuttgart springt für Grenoble ein und richtet Ende Juli die Skateboard-Weltmeisterschaft aus.
Verurteilter geht in Berufung
Der 48-Jährige, der für den Mord an Tobias verurteilt wurde, legt Revision gegen das Urteil ein.

 

Anzeigen

 

Anzeige
Nachrichtenticker
17:00   Hollande erneuert Forderung nach Eurobonds
16:58   Neonazi-Mordserie: Beckstein vermutete früh Fremdenhass als Motiv
16:56   Berliner Ermittlungen gegen Wulff abgeschlossen
16:54   Bundesbank: Entwicklung in Griechenland "besorgniserregend"
16:30   Neue Runde im Linke-Machtkampf - Zwei Frauen gegen Bartsch
1   2   3   4   5   6   7   weiter
» aktualisieren
Video
Prospekte

Interaktiv
  • Umfrage
Facebook IPO

Das Soziale Netzwerk Facebook startete mit 38 Dollar pro Aktie - und legte einen der schlechtesten Börsengänge der vergangenen Jahre hin.  Wie reagieren Sie darauf?

 
Mit Schadenfreude! Ist doch gut, wenn der Facebook-Hype abschwächt
Mit Verwunderung. Ich hätte nicht gedacht, dass die Aktie so abstürzt
Mit Verärgerung! Wie kann das sein? Facebook ist doch ein tolles Unternehmen
 
(Ergebnis anzeigen)
 
  • Facebook
  • Foren
  • Twitter
 
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
ePaper
 
Für Abonnenten
Für Kaufinteressenten
» Abonnement
» StN Digital
» Einzelexemplar
» Infos
» Preise