Artikel weiterempfehlen Artikel drucken Artikel kommentieren

Birgit Homburger Krokodilstränen der S-21-Gegner

Maria Wetzel, Frank Krause und Arnold Rieger, vom 18.11.2011 12:57 Uhr
Birgit Homburger Foto: dpa
Birgit Homburger Foto: dpa

Stuttgart – Mit den Themen Haushaltskonsolidierung, Bildung und Innovation wollen die Liberalen in Baden-Württemberg ihr Profil schärfen. Das hat FDP-Landeschefin Birgit Homburger angekündigt.

Frau Homburger, nach neuen Umfragen liegt die FDP bei zwei Prozent. Wie wollen Sie die Wahrnehmung Ihrer Partei verbessern?

Bei unserem Bundesparteitag in Frankfurt am Wochenende haben wir gezeigt, dass wir kämpfen wollen, dass wir eine klare Haltung haben und dass wir gebraucht werden, zum Beispiel beim Thema Euro. Ohne uns gäbe es schon längst die Zustimmung zu Euro-Bonds, also zur dauerhaften Übernahme von Schulden anderer Länder. Das wollen wir nicht.

Die CDU hat lange gebraucht, um die Niederlage bei der Landtagswahl zu verarbeiten. Wie haben die Liberalen den 27. März verkraftet?

Wir sind schneller in die Opposition gestartet als die CDU. Wir haben die Oppositionsrolle offensiv angenommen. Unsere Landtagsfraktion macht eine gute Arbeit, und wir werden auch weiter konsequent die Themen, die uns wichtig sind, ansprechen. Etwa die Haushaltskonsolidierung. Das Verhalten der Grünen ist pure Heuchelei. Da werden mal eben mehr Stellen geschaffen, um grüne Parteigänger zu versorgen. Weitere Schwerpunkte sind Bildung, Innovation und Forschung. Leider überlagert der Streit über Stuttgart 21 alles. Wir kämpfen für S 21, weil es ein Infrastrukturprogramm für das ganze Land ist.

Was passiert, wenn die Gegner von Stuttgart 21 verlieren?

Die Gegner mobilisieren deutlich stärker als die Befürworter. Wir müssen diejenigen motivieren zur Wahl zu gehen, die Stuttgart 21 wollen. Ich erwarte, dass auch die Gegner das Ergebnis akzeptieren, befürchte aber, dass die Diskussionen weitergehen wird. Die Grünen haben die Volksabstimmung unter den bekannten rechtlichen Rahmenbedingungen angestrebt. Sie hätten im vergangenen Jahr die Gelegenheit gehabt, das Quorum zu senken. FDP und CDU hatten im Landtag einen Antrag eingebracht. Das haben Grüne und SPD abgelehnt. Deshalb sollten die Gegner von Stuttgart 21 endlich mit ihren Krokodilstränen aufhören.

Gehen Sie davon aus, dass Verkehrsminister Hermann das Projekt umsetzen würde?

Er ist ein ausgewiesener Gegner von S 21, und ich denke nicht, dass er seine persönliche Meinung ändern wird. Ich gehe aber davon aus, dass er trotzdem Verkehrsminister bleiben will. Das geht nur, wenn er das Ergebnis der Volksabstimmung umsetzt.

Die FDP hat den Kauf der EnBW-Aktien durch das Land zunächst gutgeheißen, sieht ihn nun aber kritischer. Der Rechnungshof prüft, erwogen wird auch ein Untersuchungsausschuss. Würden Sie Ihrer Fraktion dazu raten?

Ich gehe davon aus, dass die nötige Aufklärung ohne Untersuchungsausschuss erfolgt. Die FDP-Fraktion und wir als Partei haben inzwischen deutlich gemacht, dass wir diese Sache aus heutiger Sicht anders bewerten und heute anders handeln würden.

Was sind die Themen, an denen der Wähler die FDP künftig identifizieren kann und soll?

Das sind die Themen, an denen wir erfolgreich gearbeitet haben. Zum Beispiel im Bildungsbereich. Wir wollen - anders als die CDU - keine Schulstrukturdiskussion, sondern setzen uns für mehr Freiheit vor Ort ein. Wir hatten Bildungshäuser für Drei- bis Zehnjährige eingeführt, damit Kinder besser gefördert werden, und wir akzeptieren nicht, dass Grün-Rot sie jetzt rückabwickelt - nur weil es sie bisher nicht flächendeckend gibt. Auch für die beruflichen Schulen muss mehr getan werden, denn sie bieten Aufstiegsmöglichkeiten, etwa für Migrantenkinder. Das darf nicht alles zugunsten der Einheitsschule wegfallen.

Kommentare (20)
» Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
Anzeigen
NOV
19
20:25 Uhr, geschrieben von Weggezogener
Die Macht des Vergessens
Es ist schon seltsam, was man nach dem Wahldebakel bei der FDP und insbesondere bei Frau Homburger vergessen hat: Mit Goll als Justizminister war die FDP in der Regierung Mappus aktiv am Verfassungsbruch beteiligt. Ich kann mich nicht erinnern, in irgendeiner Aussage hierzu zum damaligen Zeitpunkt Widerworte von der FDP und Ihrer Führung vernommen zu haben. Zum Thema Personalpolitik: hier kritisiert Frau Homburger bei den Gründen, das was in der Vergangenheit alle Parteien nach einem Wahrlsieg und der Machtübernahme gemacht haben: Spitzen- und Wahlbeamte mit dem anderen Parteibuch in Pension (super bezahlte Frührente) zu schicken und die freiwerdenen Stellen mit den eigenen Freunden zu besetzen. So wurden nach der Wahl von der unterlegenen Regierung Beamte der oberen Besoldungsstufen mit dem richtigen Parteibuch nochmals befördert, so dass das Ablösen auch richtig schön Geld kostet. Zu dieser Art von Verschwendung, an der die abgewählte FDP in der alten Landesregierung massgeblich beteiligt war, schweigt Frau Homburger. Das hat sie wohl schon vergessen wie auch ihre blamable Wiederwahl als Landesvorsitzende. Wenn diese Frau konsequent wäre, würde sie einfach heimlich still und leise abtreten und nicht noch so einen Seich verzapfen. Und die StN bietet wieder die Plattform. Was wurde denn der StN für dieses Interview bezahlt? Auch die gefälligkeits-Chefredakteuer sollten Ihren Mitarbeitern endlich das richtige Fragen erlauben. Aber daran sind weder die Interviewer, noch die Interviewten interessiert und die Meinung der Leser zählt bei der StN schon lange nicht mehr.
NOV
19
17:37 Uhr, geschrieben von Abwähler
Tränen ...
Frau Homburger, sind ihre Brillengläser aus Fensterglas? Es muss so sein, sonst hätten Sie doch erkennen müssen, dass es sich nicht um Krokodilstränen handelt, sondern um Freudentränen. Und die vergießt man doch gerne angesichts der Tatsache, dass Sie und Ihre wirtschaftsliberale Vereinigung in Kürze nur noch ein ebenso überflüssiges wie unbrauchbares Kapitel in der Geschichte Deutschlands waren.
NOV
19
14:14 Uhr, geschrieben von Albert Seitzer
Unser Land braucht eine echte liberale Partei!
Leider ist die FDP-Funktionärsschicht zum größten Teil nur noch Pseudoliberal. Sie verwechseln Freiheit mit Korruption. Freiheit bedeutet, alle erhalten Chancen, können wählen, wie sie ihr Leben gestalten möchten, dazu gehören auch finanzielle Spielräume und solidarische gegenseitige Absicherung in Krankheit und anderen Notfällen. Stattdessen werden von der FDP die Spielräume einer sehr kleinen Gruppe maßlos erweitert zum Schaden und auf Kosten der Allgemeinheit. Das ist pure Korruption. Übrigens langfristig schadet es auch den Reichen.
Kommentar-Seite
vorherige
1  von  7
nächste
Geldstrafe für Greenpeace
Demo gegen Castor: Staatsanwaltschaft stellt das Verfahren wegen der Landtagsbesetzung ein.
Saubere Sache: Badeseen im Land
Die Badeseen im Südwesten sind sauber. Die Berufsfischer machen jedoch weniger Fang.

 

Anzeigen

 

Anzeige
Nachrichtenticker
17:32   Kabinett beschließt Mietrechtsreform und besseren Patientenschutz
17:29   Staatsanwaltschaft ermittelt - Fortuna will endlich Aufstieg feiern
17:00   Hollande erneuert Forderung nach Eurobonds
16:58   Neonazi-Mordserie: Beckstein vermutete früh Fremdenhass als Motiv
16:56   Berliner Ermittlungen gegen Wulff abgeschlossen
1   2   3   4   5   6   7   weiter
» aktualisieren
Video
Interaktiv
  • Umfrage
Facebook IPO

Das Soziale Netzwerk Facebook startete mit 38 Dollar pro Aktie - und legte einen der schlechtesten Börsengänge der vergangenen Jahre hin.  Wie reagieren Sie darauf?

 
Mit Schadenfreude! Ist doch gut, wenn der Facebook-Hype abschwächt
Mit Verwunderung. Ich hätte nicht gedacht, dass die Aktie so abstürzt
Mit Verärgerung! Wie kann das sein? Facebook ist doch ein tolles Unternehmen
 
(Ergebnis anzeigen)
 
  • Facebook
  • Foren
  • Twitter
 
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
ePaper
 
Für Abonnenten
Für Kaufinteressenten
» Abonnement
» StN Digital
» Einzelexemplar
» Infos
» Preise