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Noch mehr Tüten Neues zur Guck

StN, vom 08.12.2011 16:42 Uhr
Heute findet man die Spitzguck kaum noch, nur noch in Form der Pommestüte Foto: Fotolia
Heute findet man die Spitzguck kaum noch, nur noch in Form der Pommestüte Foto: Fotolia
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Von Leser Wolfgang Kudlich stammt eine "kleine Ergänzung zum Thema Guck: Meine Mutter, Rosemarie Kudlich, erzählt immer eine nette Geschichte aus ihrer Schulzeit in Nürtingen. In Geometrie fragte der Mathematiklehrer die Klasse nach einem Beispiel aus dem täglichen Leben, wo das Dreieck Anwendung findet. Die Antwort einer Mitschülerin meiner Mutter kam wie aus der Pistole geschossen: ,A Spitzguck!' Der Lehrer - wohl kein Schwabe - sah die Schülerin fragend an, worauf diese sogleich die in gestochenem Hochdeutsch formulierte Übersetzung ,ha, eine spitzige Kucke!' nachlieferte. Die Klasse lachte herzlich - ob's dem Lehrer viel klarer war, ist nicht mehr überliefert. Zur Erklärung sei hinzugefügt: Gemeint war eine Dreieckstüte aus Papier, wie sie es früher auf dem Markt gab; heute sieht man sie kaum noch."

Auch unseren Sprachforscher, Roland Groner, der am Montag an dieser Stelle über die Guck berichtete, beschäftigt das Thema weiter. Hier Teil zwei seines Beitrags: "Professor Dr. Baitinger aus Stuttgart-Botnang hat sich zum Thema ,Guck' ein ganzes Wortfeld geschaffen, denn dieses Wort beschäftigte ihn schon als SchuÚlrbuÚ. Jahrelang war ihm rätselhaft, weshalb man im Schwabenland zu einer Tüte ,Guck' sagt. So schreibt er: ,Bedenken wir, dass man vor allem die spitz zulaufende Obsttüte als ,Gugg' bezeichnet, so führt uns Mörikes ,Stuttgarter Hutzelmännchen' weiter. Dort lesen wir: ,Die Gugelnarren, d. h. die Narren mit den spitzen Hanswursthüten, ließen sich zur Fastnachtszeit auf Karren herumführen und trieben Unfug; daher Gugelfuhr für große Lustbarkeit und jeden lustig lärmenden Unfug.' (Eduard Mörike 1852)

Dazu ist zu bemerken: Die erwähnten Gugelnarren sind laut Grimm'schem Wörterbuch ,(gaukel)narren'. Das Verb ,gaukeln' (ahd. gougolon) heißt u. a. ,possen treiben'. ,Gugel' oder ,Kugel' stammen vom mittellateinischen ,cuculla, cucullus', früher verwendet in der Bedeutung ,Kapuze oder Mantel mit einer Kapuze', am häufigsten als Mönchstracht gebraucht. Seit jeher gehört die Gugel auch zur Narrenkleidung. Die Gugelfuhr im Sinne von ,scherz, spasz, narrheit' stammt vom mittelhochdeutschen ,gogelvuore/gaukelvuore', wobei in diesem Wort ,gogel (= scherz, posse)' und ,gugel (= narrenkappe)' zusammengeflossen sind.

Unser Leser führt weiter aus: ,Gugel und Gugg - es ist wohl derselbe Wortstamm. Denn hierher gehört auch die Guggenmusik der Basler Narren mit ihren spitzen Hüten und sogar der Gugelhupf, der sich bekanntlich nach oben verjüngt - wie ein Konus.' Was die Guggenmusik betrifft, so ist laut Schweizerischem Idiotikum (Wörterbuch) ,Guggi' ein Horn oder eine Trompete, ,Guggler' sind Musiker und eine ,Guggete' ist eine schlechte Blasmusik. Beim Gugelhupf/-hopf kommt der ,hupf' von ,hüpfen', was sich auf die wie eine Gugel hebende obere Fläche des Kuchens bezieht. Leser Baitinger meint: ,Man könnte auf den Gedanken kommen, dass alle diese Wörter - Gugg und Guggenmusik, Gugelfuhr und Gugelhupf - vom lateinischen Wort ,conus' stammen. Oder wissen Sie mehr darüber?' Nun, eine Verwandtschaft dürfte bestehen, nur die Wurzeln, ,cuculla' einerseits und ,gougolon' andererseits sind verschieden."

Der Spruch des Tages: "Wenn's schaffa licht wär, däds dr Schultes selber."

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