Stuttgart - Peter Hamm aus Sindelfingen schreibt: „Meine Großmutter hat für meine Mutter in ihrer Kinderzeit eine ,Blätzdogg‘ genäht. Das war eine Puppe, die aus lauter Stoffresten zusammengenäht war – leider existiert sie nicht mehr. Als ,Blätz‘ wurden auch Flicken (Stoffreste) bezeichnet, die man auf zerrissene Hosen oder auf Oberbekleidung nähte. Ebenso wurden größere Flecken jeglicher Art als ,Blätz‘ tituliert. In meiner Lehrzeit kannte ich einen Sindelfinger Malermeister, der seinen Lehrling ermahnte, nachdem diesem ein größerer Farbklecks auf den Boden gefallen war und er nicht recht wusste, wie er das Missgeschick beheben sollte: ,Mensch Kerle, nemm án Lómbá ond butz deán Blätz anandernóch weg!‘“
Horst Loop bemerkt: „Da Puppen früher kaum erschwinglich oder zu bekommen waren, fertigten unsere Mütter für die Mädchen ,Docken‘, also Puppen aus Stoffresten. Diese ,Blätzdocken‘ wurden mit Watte ausgestopft, die Gesichter aus hellem Stoff genäht und mit Buntstiften oder Schneiderfarben Augen, Mund und Nase gemalt. Meine Spielkameradinnen waren auf ihre ,Docken‘ und ,Dockenwagen‘ sehr stolz. ,Blätzdock‘ und ,Lombadock‘ bedeutet dasselbe. Im Lauf der Zeit wurde ,Lombadock‘ auch für naseweise Gören verwendet.“
Dorothea Wild aus Remshalden fügt an: „Ein ,Blätz‘ ist eine Schürfwunde oder eine kleine blutende Wunde bei einem Kind.“ Rolf Schippert aus Oberschlechtbach kennt „Blätz“ vornehmlich als Ausdruck für eine Kruste nach einer Verletzung, ebenso Rolf Schmidt. Walter Maier aus Gärtringen zitiert den Ausspruch: „Der hot an scheenä Blätz am Riassel“ – wenn jemand eine Platzwunde am Kopf hatte.
Margarete Gackstatter schreibt: „,Blätz‘ war ein Stück Stoff, den man auf eine ‚blaide‘ (dünne) Stelle nähte, bzw. mit einem Blätz wurde geflickt. Es kam vor, dass Hemden, Schürzen usw. bald nur noch aus ,Blätz‘ bestanden. Heute würde man Patchwork dazu sagen. Deshalb ist eine ,Blätzdogg‘ oder ,Blätzbärbel‘ eine etwas verwirrte, hilfsbedürftige Frau. Sie wurde und wird immer mit Nachsicht behandelt.
Wolfgang Weisser aus Sindelfingen kennt „Blätz“ in doppeltem Sinne: „Wenn z. B. eine Schürze grob mit einem Stück unpassenden Stoff geflickt worden war, dann war das eben ein ,Blätz‘. Hatte man im Gesicht einen Pickel oder Kratzer, dann war das auch ein ,Blätz‘.“ Aline Groß bemerkt: „Wenn man sich sehr geschämt hat, sagte man früher: ,I han mi d’Blätz a g’schämt.‘ Ich höre das manchmal auch heute noch.“
Von Doris Fleck aus Aichtal stammt diese „Blätz“-Anekdote: „Im Juli 1964 – ich war frisch verheiratet – war ich in Nürtingen beim Friseur. Drei Frauen warteten, als meine Friseuse rief: ,Frau Blätz sia kennet no sitza!‘ Keine reagierte, dann ertönte es zum zweiten Mal, etwas lauter: ,Frau Blätz, sitzet se no!‘ Als von uns wieder niemand reagierte, rief die Friseuse noch lauter: ,Fräulein Laux, sia kennet no sitza!‘ Als ich ihr sagte, ich hieße Fleck, meinte sie lachend: I han ebbes gwisst mit fligga!‘“ Leider können wir nicht alle „Blätz“-Beiträge veröffentlichen. Wir bedanken uns bei Emma Dupper aus Bondorf, Helga Oswald aus Beuren, Anita Frede aus Gärtringen, Ulrich Max Burkhardtsmaier aus Backnang, Ella Schwarz aus Steinenberg, Waltraut Faigle-Mährle aus Alfdorf, Ulrich Max Burkardtsmaier aus Backnang, Irmgard Abt und Anita Walther. Der schwäbische Spruch des Wochenendes kommt von Leserin Renate Schietinger aus Nürtingen: „Lieaber beim Essa s’Maul verbrenna als anderswo!“