Neues Verbraucherportal vergleicht Wie fair sind die deutschen Banken?

Von Melanie Maier 

Der Eingang zum Hauptsitz der GLS Bank in Bochum. Die Gemeinschaftsbank ist das nachhaltigste Geldinstitut in Deutschland. Foto: GLS Bank
Der Eingang zum Hauptsitz der GLS Bank in Bochum. Die Gemeinschaftsbank ist das nachhaltigste Geldinstitut in Deutschland. Foto: GLS Bank

Das neue Verbraucherportal „Fair Finance Guide Deutschland“ bewertet Geldinstitute danach, wie nachhaltig diese ihr Geld anlegen. Spitzenreiter ist die nachhaltige GLS Bank. Großbanken schneiden deutlich schlechter ab.

Berlin - Nahrungsmittelspekulationen, Rüstungsgeschäfte, Kinderarbeit: Wer in Deutschland ein neues Bankkonto unter nachhaltigen Kriterien eröffnen möchte, hatte es bisher nicht gerade einfach. Denn die Richtlinien der Geldinstitute offenbaren häufig nicht auf den ersten Blick, in welche Unternehmen Banken das ihnen anvertraute Geld investieren beziehungsweise in welche sie selbst involviert sind.

Das Verbraucherportal „Fair Finance Guide Deutschland“ soll das ändern. Auf der Webseite können Internetnutzer seit diesem Dienstag acht deutsche Geldinstitute miteinander vergleichen. Diese wurden anhand von 240 ökologischen und sozialen Kriterien untersucht – die ausgewerteten Themen umfassen den Klimawandel ebenso wie Rüstung, Steuern und Korruption oder die Menschenrechte. Die Bewertungen basieren allein auf den öffentlich zugänglichen Selbstangaben der Banken. Das Angebot soll stetig ausgeweitet werden.

Spitzenreiter ist momentan die GLS Bank mit 92 Prozent der geforderten Kriterien. Sie richtet sich nach eigenen Angaben gegen Atomkraft, Rüstung und Kinderarbeit. An zweiter Stelle folgt die Nachhaltigkeitsbank Triodos (82 Prozent). Deutlich weniger Punkte haben die Großbanken erzielt: Mit 35 Prozent liegt die Commerzbank an vierter Stelle, es folgen die DZ Bank (29 Prozent), die Deutsche Bank (21 Prozent) und die LBBW (8 Prozent).

Schlusslicht ist die katholische Pax-Bank

Gerade einmal 3 Prozent erfüllt die katholische Pax-Bank – sie ist somit Schlusslicht der Liste. Dies liege unter anderem daran, dass das Geldinstitut seine ethischen Standards nur unzureichend definiere und eine intransparente Anlagepolitik betreibe, so Thomas Küchenmeister, geschäftsführender Vorstand der NRO Facing Finance, am Dienstag bei der Vorstellung des Projekts. Besonders pikant: In den Fonds der Pax-Bank sollen Anteile eines Pornosenders versteckt sein.

„Wir wissen, dass gut 60 Prozent der Deutschen ihre Bank wechseln würden, wenn sie wüssten, dass diese zum Beispiel mit Nahrungsmitteln spekuliert“, führte Küchenmeister aus. „Doch die Hochglanzbroschüren der Banken sind wenig hilfreich, um sich schnell und einfach zu informieren.“

Das Projekt „Fair Finance Guide“ wurde 2009 von Oxfam Novib in den Niederlanden gegründet. Inzwischen können neben Deutschland und den Niederlanden auch Bankkunden in Belgien, Frankreich, Japan, Schweden, Brasilien und Indonesien Geldinstitute in ihren jeweiligen Ländern miteinander vergleichen. Weitere Länder sollen nach und nach hinzukommen. Finanziert wird das Projekt „Fair Finance Guide“ von der schwedischen Entwicklungshilfeagentur Sida. In Deutschland waren an der Bewertung auch die NGOs Germanwatch, Südwind und Rank a Brand beteiligt.

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