Neue Moschee in Herrenberg Muslime errichten zwei neue Minarette

Von Günter Scheinpflug 

Im Anbau des ehemaligen Firmengebäudes wird die Moschee eingerichtet. Vieles  haben Ehrenamtliche seit mehr als einem Jahr in  Eigenarbeit erledigt. Foto: factum/Granville
Im Anbau des ehemaligen Firmengebäudes wird die Moschee eingerichtet. Vieles haben Ehrenamtliche seit mehr als einem Jahr in Eigenarbeit erledigt.Foto: factum/Granville

Der Türkisch-Islamische Verein DITIB hat ein einstiges Firmengebäude zu einem Kulturzentrum umgebaut und daneben einen Gebetssaal für 500 Gläubige geschaffen.

Herrenberg - Um eine Attraktion reicher ist Herrenberg nun. Zwar sind die beiden Symbole für den muslimischen Glauben noch eingerüstet, doch prägen die 14 Meter hohen Minarette bereits das Bild unweit des VfL-Sportgeländes. „Wir sind angekommen“, sagt Ismail Özkan, der Dialogbeauftragte für interreligiöse und interkulturelle Angelegenheiten der DITIB-Gemeinde. Die Abkürzung steht für Diyanet Isleri Türk Islam Birligi und heißt auf Deutsch Islamische Union der Anstalt für Religion. Am alten Standort in der Horber Straße habe zuletzt Platznot geherrscht, die Mitgliederzahl sei enorm gestiegen, sagt Özkan. Deshalb sei man vor einem Jahr in das Gebäude einer ehemaligen Gardinenfabrik gezogen, das der Verein gekauft habe. Ein Anbau beherbergt die neue Moschee, in der noch Restarbeiten erledigt werden müssen – genau so wie an den Minaretten.

Mitgliederzahl deutlich gestiegen

Die DITIB ist eine von vier Moscheegemeinden in Herrenberg, die sich eines regen Zulaufes erfreut. Binnen weniger Jahre sei die Mitliederzahl von 140 auf rund 200 gestiegen, sagt Özkan. Bei den Veranstaltungen und Freitagsgebeten zähle man aber weitaus mehr Besucher, weil immer nur ein Angehöriger der oft großen Familien als Mitglied geführt werde. Außerdem stehe die Moschee an der Herrenberger Schießmauer wie auch schon zuvor allen Nichtmitgliedern offen, die teilweise aus dem Umland anreisten, sagt Özkan. Der 21-Jährige, der bei der Firma Daimler beschäftigt und auch in der Gewerkschaft aktiv ist, engagiert sich zudem im Landesvorstand der Jugend bei DITIB, der größten religiösen Glaubengemeinschaf der Muslime landes- und bundesweit. „Wir haben in Herrenberg viele Jugendliche, die hier geboren sind. Sie schätzen es besonders, dass es das Freitagsgebet auf Deutsch gibt“, weiß Özkan. Die Moschee biete überdies einen Rückzugsort mit einer Teestube und Jugendräumen. Der Verein sei auch sehr gut vernetzt.

„Die Muslime arbeiten bei uns zahlreich mit“, bestätigt Ina Mohr vom Amt für bürgerschaftliches Engagement. Sie nennt den Stadtjugendring, Frauengruppen, Flüchtlingsarbeitskreise und nicht zuletzt den Runden Tisch der Nationen, an dem die Bedürfnisse der Migranten zur Sprache kommen und in die Planungen der Stadt einfließen, wenn es um Bildungs- und Betreuungsangebote geht und um vieles mehr. Die DITIB leiste einen wesentlichen Beitrag bei der Integrationsarbeit, so Mohr.

Gotteshaus für 500 Gläubige

Dieses Selbstverständnis präge auch alle anderen der 172 DITIB-Vereine im Land mit ihren 32 000 Mitgliedern, versichert Ali Ipek, deren Landeskoordinator. In Herrenberg könnten nun die Angebote in den neuen Räumen im Gebäude der vor etlichen Jahren in die Insolvenz gegangenen Gardinenfabrik ausgebaut werden: Deutsch-Kurse, Koranstunden, Kunsthandwerk-Seminare und Gesprächskreise.

Nach dem Verkauf des Vereinsdomizils in der Horber Straße müssten noch 600 000 Euro aufgebracht werden, um den neuen Sitz zu finanzieren, erklärt Özkan. Ein Teil davon werde über ein Darlehen finanziert, der Rest durch Spenden und Mitgliedsbeiträge. „Viele Ehrenamtliche haben einiges auch in Eigenarbeit erledigt“, sagt der Dialogbeauftragte. In der Moschee, in der 500 Gläubige Platz finden, sowie an den Minaretten, sind noch Maler-, Verzierungs- und Verputzarbeiten zu erledigen. Die Gemeinde hoffe, dass alles noch in diesem Jahr in neuem Glanz erstrahle. Zu den Gebeten werde via Lautsprecher aufgerufen, allerdings nur im Inneren der Gebäude. „Damit wir niemanden stören“, erklärt Ismail Özkan. Vielleicht werde man eines Tages bei der Stadt aber beantragen, dass die Stimme des Imams auch ins Gäu hinaus erschallen darf.

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