Neue Entrauchung für Stuttgart 21 S21-Gegner finden Gehör bei Deutscher Bahn

Von red/dpa 

In puncto Brandschutz finden die Gegner des Milliardenprojekts Stuttgart 21 nun Gehör bei der Bauherrin Deutsche Bahn. (Symbolbild) Foto: Deutsche Bahn
In puncto Brandschutz finden die Gegner des Milliardenprojekts Stuttgart 21 nun Gehör bei der Bauherrin Deutsche Bahn. (Symbolbild)Foto: Deutsche Bahn

Der blanke Horror: Auf dem engen Bahnsteig des neuen Stuttgarter Hauptbahnhofs rempeln Reisende aneinander und stürzen auf die Gleise. Solche Szenarien beschworen S-21-Gegner immer wieder. Sie finden nun Gehör bei der Bauherrin Deutsche Bahn.

Stuttgart - Kritiker des Bahnprojektes Stuttgart 21 hatten stets zu wenig Platz auf den Bahnsteigen im geplanten Tiefbahnhof beklagt - dem wird nun abgeholfen. Die acht Fluchttreppen werden nach dem neuen Brandschutzkonzept nicht mitten auf die Bahnsteige, sondern an deren Enden versetzt, erklärte der Brandschutzexperte der Bauherrin von Stuttgart 21, der Deutschen Bahn, Klaus-Jürgen Bieger, am Montag. Gegner des bis zu 6,5 Milliarden Euro teuren Vorhabens hatten mit gefährlicher Enge argumentiert, vor allem wenn Reisende mit großem Gepäck oder Kinderwagen sich dort begegnen, wo die Fluchttreppenhäuser aufsetzen. Die neue Planung sieht auch eine veränderte Entrauchung und Löschwasserversorgung vor, wie Bieger in Stuttgart mitteilte. Die Pläne seien auch mit Behindertenverbänden und der Stuttgarter Feuerwehr abgestimmt.

Weder der Kosten- noch der Zeitrahmen werde durch die Umplanungen, die zum Teil noch vom Eisenbahnbundesamt genehmigt werden müssen, verändert. Ende 2021 sollen die ersten Züge durch die unterirdische Durchgangsstation rollen. Bieger wies darauf hin, dass das bisherige Konzept schon genehmigt sei. „Wir könnten bauen wie genehmigt, wollen das aber weiter verbessern.“

Die Entrauchung ist nach Biegers Worten gemäß den neuesten Brandschutzrichtlinien nun auch auf einen Großbrand von 53 Megawatt ausgelegt. Das entspricht einem Vollbrand in einem Eisenbahnwaggon. Zunächst war als Maßstab ein Brand von 10 Megawatt angenommen worden, einem Feuer etwa in einem Personenwagen. Eine Sprinkleranlage für die riesige Halle wird nicht mehr in Erwägung gezogen, weil sie sich nur in kleineren Räumen bewährt habe, erläuterte Bieger.

Die Entrauchung wird modifiziert

Das Löschwassersystem ist jetzt auch einem möglichen Frost gewachsen: Die Nassleitungen in einer Länge von 100 Kilometern im Tiefbahnhof und den angrenzenden Tunneln wurden als Kreisläufe konzipiert. So könne man auf die teure Beheizung der Leitungen bei niedrigen Temperaturen verzichten, erläuterte Bieger.

Der Brandschutzexperte wies darauf hin, dass mit dem neuen Konzept Flüchtende nur noch 6 Höhenmeter und nicht mehr maximal 14 überwinden müssen, um hinter Brandschutztüren in einen sicheren Bereich zu gelangen. Die Entrauchung wird ebenfalls modifiziert: Der Rauch wird nicht mehr abgesaugt, sondern Zuluft drückt ihn durch Lamellen in der Hallendecke nach draußen. Dadurch ist immer ein Ende der Bahnsteighalle rauchfrei. Kritik, dass Passagiere bei einem Brand an einer Seite der 400 Meter langen Bahnsteige nicht schnell genug auf die andere rauchfreie gelangen können, wies Bieger zurück: „Man muss kein Sprinter sein.“

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