Nationalpark Nordschwarzwald Kaffee trinken und Luchse gucken

Von Arnold Rieger 

Bayerische Tourismus- und Naturschutzexperten verstehen nicht, warum sich die Nachbarn vor einem Nationalpark Nordschwarzwald fürchten. Foto: dpa
Bayerische Tourismus- und Naturschutzexperten verstehen nicht, warum sich die Nachbarn vor einem Nationalpark Nordschwarzwald fürchten.Foto: dpa

Der Schwarzwald ist nicht der Bayerische Wald. Und einmischen wollen sich die Nachbarn schon gar nicht in Baden-Württembergs Entscheidung über einen Nationalpark. Wer sie jedoch fragt, dem sagen sie: Nationalparks sind ein Segen.

Stuttgart - Noch ist nichts entschieden. Während Gutachter derzeit das Pro und Contra eines Nationalparks Nordschwarzwald zusammentragen, bringen Gegner wie Befürworter ihre Bataillone in Stellung – so etwa der Naturschutzbund Deutschland (Nabu).

Sein Landesvorsitzender André Baumann hat jetzt den Medien in Stuttgart zwei Fachleute aus Bayern präsentiert, die aus ihren Nationalparks nur Positives berichten: den Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald, Franz Leibl, sowie den Geschäftsführer der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH, Stephan Köhl.

„Ein Nationalpark ist das Beste, was man mit Blick auf den Fremdenverkehr machen kann“, sagte Köhl. Der Deutschlandtourismus liege im Trend, das Erleben von Natur sei dabei Thema Nummer eins. Auch dort, wo die Landschaft keinen Watzmann oder Königssee aufbieten könne, wie das im Berchtesgadener Land der Fall ist.

„Was früher die Kaffeefahrten waren, sind heute die Nationalparkfahrten“, sagt er mit Blick auf Tagestouristen. Die Marke Nationalpark sei international so zugkräftig, dass man sie nicht mehr erklären müsse. „Alles andere ist das Zweitbeste“, sagt Köhl mit Blick auf ­andere Schutzkategorien wie etwa ­Biosphärengebiet.

14 Nationalparks in Deutschland

Davon könnte auch die Region im Nordschwarzwald profitieren, glaubt der Chef der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH. „Die Deutschen sind ja Sammler“, sagt er, wer einen Park besucht habe, wolle auch die anderen sehen.

Bisher gibt es in Deutschland 14 Nationalparks. Bayern hat zwei, Baden-Württemberg ist das einzige Flächenland ohne eine solche Schutzzone, in der die Natur innerhalb einer Kernzone ganz sich selbst überlassen wird. Die Randbereiche sind in der Regel touristisch gut erschlossen und weisen Besucherzentren, Tierparks und andere Infrastruktureinrichtungen auf.

„Im Bayerischen Wald lebt der Tourismus eindeutig vom Nationalpark“, sagt auch der promovierte Biologe Leibl, der seit dem vergangenen Jahr die Einrichtung im Bayerischen Wald leitet. Allerdings müssten sich die Besucher daran gewöhnen, dass die Kernzonen „andere Waldbilder“ aufweisen, als man dies gewohnt sei. Der Wald sei nämlich ganz und gar nicht aufgeräumt. Junge und alte, lebende und tote Bäume existierten neben­einander und bildeten ein komplexes Ökosystem. Leibl: „Das wirkt auf die Menschen sehr unterschiedlich.“

„Der Borkenkäfer ist bei uns gerade kein Thema“

Dazu gehören auch solche Gebiete, die vom Borkenkäfer befallen sind. Doch Leibl gibt in dieser Hinsicht Entwarnung: „Der Borkenkäfer ist bei uns gerade kein Thema.“ Die Population des Insekts, das ganze Waldgebiete zum Absterben bringen kann, sei zusammengebrochen. Das zeige unter anderem die sinkende Menge des Holzeinschlags, der wegen des Borkenkäferbefalls notwendig ist: Im Jahr 2010 seien es noch 140.000 Festmeter gewesen, 2011 dann nur noch 80.000 Festmeter und in diesem Jahr lediglich 20.000 Festmeter. Leibl: „Sie können also im Schnitt von einem befallenen Baum pro Hektar ausgehen.“ Eine Schutzzone von 500 Meter habe sich wissenschaftlich als ausreichend erwiesen.

Um die befallenen Bäume zu suchen, sei in den Randzonen jedoch ein erheblicher Personalaufwand notwendig. Der Nationalpark Bayerischer Wald hat etwa 200 Bedienstete , davon 20 Waldarbeiter. „Das ist ein dauerhaftes Investitionsprogramm“, sagte Leibl. Die Sorgen der Sägewerke um ihren Rohstoff sieht er nicht von der Existenz eines Parks abhängig, sondern von der „Großwetterlage“ in dieser Branche: „Ein kleiner Nationalpark spielt da keine Rolle.“

Erheblich investieren, da sind sich beide Fachleute einig, müsse man jedoch in die touristische Infrastruktur. Die Gäste bräuchten auch Schlechtwetterangebote und Programme für Kinder. Ausstellungen gehörten dazu, Cafeterien, vor allem aber Reservate, in denen die Touristen wilde Tiere wie Luchse oder Wölfe von einer Aussichtswarte aus beobachten können. Leibl: „Die Gäste sind scharf auf Großtiere.“ Ein solches Reservat wird gegenwärtig auch im Nordschwarzwald diskutiert.

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