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Nahverkehr Stuttgart Pünktlichkeit: S-Bahn hat Tiefpunkt durchfahren

Von Konstantin Schwarz 

Wieder pünktlicher unterwegs: S-Bahn in der Region Stuttgart Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Wieder pünktlicher unterwegs: S-Bahn in der Region StuttgartFoto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Diskutieren Sie mit - Auch wenn es viele Fahrgäste nicht glauben werden: Die S-Bahnen in der Region Stuttgart waren 2015 pünktlicher unterwegs als im Jahr zuvor. Von den Zielwerten sind die Züge allerdings weiterhin weit entfernt.

Stuttgart - Seit mehr als zehn Jahren misst die Deutsche Bahn die Pünktlichkeit ihrer S-Bahnen in der Region Stuttgart. Früher waren Verspätungen mit hohen Strafzahlungen verbunden, in Zeiten des Stuttgart-21-Baus sind diese auf wenige Hunderttausend Euro gedeckelt.

Nach katastrophalen Pünktlichkeitswerten in den Jahren 2013 und 2014 hat sich die S-Bahn 2015 berappelt. Im Tagesdurchschnitt waren 2015 rund 88,5 Prozent aller Bahnen weniger als drei Minuten verspätet. 96,6 Prozent der Züge fuhren dem Fahrplan weniger als sechs Minuten hinterher. Die Vorjahreswerte lagen bei 85,8 und 95,6 Prozent, die Vorgaben stehen allerdings bei 94,5 und 98 Prozent. Von 100 sollten also nur zwei Züge mehr als sechs Minuten verspätet sein. Pro Werktag fahren rund 400 000 Menschen mit den bis zu 750 Zügen. Die Fahrzeuge nehmen pro Jahr rund zehn Millionen Kilometer unter die Räder. Der Monat mit den schlechtesten Werten war erneut der Oktober. Zur Volksfest-Zeit herrscht nicht nur auf dem Wasen Gedränge. Erneut legten auch Luftballons an den Oberleitungen den Verkehr still.

Pendler verpassen Anschlüsse

Verspätungen von mehr als sechs Minuten bedeuten für Pendler, die auf dem Arbeits- oder Heimweg noch umsteigen müssen, oft den Verlust des Anschlusses. Für die Pendler zählt daher die Hauptverkehrszeit. Die Werte in der vom Verband Region Stuttgart (VRS) auf 6 bis 9 und 15.30 bis 18.30 Uhr festgeschriebenen Hauptverkehrszeit sind deutlich schlechter als der Tagesdurchschnitt. 2014 lagen sie bei 75,2 und 92,8 Prozent. Für 2015 wurden sie zwar errechnet und sind laut VRS-Verkehrsdirektor Jürgen Wurmthaler „spürbar besser als 2014“, sie sollen aber erst auf einer gemeinsamen Pressekonferenz von Regionalverband und Bahn in einigen Wochen bekannt gegeben werden.

Wurmthalter sieht die Talsohle bei der S-Bahn durchfahren, viele Einzelmaßnahmen hätten einen Beitrag dazu geleistet. In drei S-Bahn-Gipfeln hatten die Verbandsmitglieder und die Bahn Verbesserungen vereinbart und die Investitions- und Instandhaltungsmittel um einen zweistelligen Millionenbetrag erhöht. So wurden 2015 zum Beispiel weniger störanfällige Achszähler für die Strecke der S 6 und S 60 eingebaut und Lichtsignalgruppen getauscht.

Störanfällige Stellwerke

Auch die „präventive Erneuerung zur Vermeidung von Stellwerksstörungen“ stand 2014 und 2015 auf dem Plan. Dennoch gab es in Bad Cannstatt und vor allem in Stuttgart-Vaihingen teils Totalausfälle der Technik, und zwar sogar der für einen Ausfall extra als Ersatz bereit gehaltenen. Wurmthaler gibt daher aus keine Entwarnung, hofft aber, dass in diesem Jahr weitere Maßnahmen fruchten. „Wir hoffen, dass das System nicht weiter in den Keller geht“, sagt er, im Landkreis Böblingen stünden anspruchsvolle Baumaßnahmen an.

Im April soll die Bahn dem VRS aufzeigen, was im System noch machbar ist, was es kostet, und wer zahlen soll. Der Regionalverband hat eine Art „Stresstest“ beauftragt. Er soll zeigen, „was passiert, wenn Stuttgart 21 dazukommt oder anderes“, so der Verkehrsdirektor.

Schiebetritt als Unsicherheitsfaktor

Als wesentlicher Verspätungsfaktor könnten sich erneut die seit Jahren wegen Defekten abgeschalteten Schiebetritte an den ganz neuen S-Bahnen erweisen. Erste Fahrzeuge mit neuer Elektronik laufen im Testbetrieb. Die Macher der Website s-bahn-chaos.de haben für jeden Halt mit dem Tritt, der durch ein ausfahrendes Alublech den Spalt zwischen Fahrzeug und Bahnsteig minimiert, rund vier Sekunden gestoppt. „Dies summiert sich bei der S 1, der längsten Linie der S-Bahn Stuttgart mit Ihren 29 Haltepunkten, auf insgesamt rund zwei Minuten. Das hört sich nicht nach viel an, könnte aber im Einzelfall darüber entscheiden, ob man einen Anschluss-Zug oder -Bus noch erreicht oder nicht“, resümiert das konstruktiv-kritische Portal.

Derartige Sirenengesänge will Wurmthaler nicht anstimmen. „Man muss vorsichtig sein mit solchen Aussagen“, rät er, den Testlauf abzuwarten. Bein Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) ist die Zahl der schriftlichen Kundenbeschwerden zwar 2015 auf 12 153 und damit gegenüber dem Vorjahr um 267 gewachsen, in die Kategorie Fahrplan mit Verspätungen und Ausfällen fielen aber nur 2276 Beschwerden, in 2014 waren es noch 2913. Rund 90 Prozent davon beschäftigen sich übrigens mit der S-Bahn. Außerdem bearbeitete der Verbund 7620 allgemeine Anfragen.

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. . . . weil mehr Leute mit dem Auto fahren. Stehen im Autokorso oder auf der Bahnstrecke ist eigentlich egal.

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