Nahverkehr Mehr Züge auf Problemstrecken

Von Karen Schnebeck 

Die Bahn verspricht sich von den Maßnahmen weniger Verspätungen. Foto: dpa
Die Bahn verspricht sich von den Maßnahmen weniger Verspätungen. Foto: dpa

Von Montag an soll laut der Bahn auf der Filstal-, der Rems- und der Frankenbahn vieles besser laufen. Vor allem die Pendler im Filstal werden profitieren.

Region Stuttgart - Zum Beginn des neuen Schuljahres am Montag will die Bahn die Schwierigkeiten auf den Problemstrecken Filstalbahn, Remsbahn und Frankenbahn mit einem Paket von Maßnahmen entschärfen, das jüngst von der DB Regio und dem Land beschlossen wurde. Wie berichtet kommt es auf allen drei Strecken seit dem Fahrplanwechsel im vergangenen Oktober zu massiven Verspätungen und häufigen Zugausfällen. Leidtragende sind vor allem Pendler, die auf die Verbindungen angewiesen sind, um zur Arbeit zu kommen.

Die Maßnahmen waren größtenteils bereits im Juli angekündigt worden. Im ersten Schritt sollen nun mehr Züge auf die Strecken gebracht werden, um Verspätungen aufzufangen und Reisenden mehr Komfort zu bieten. Der zweite Schritt soll zum Fahrplanwechsel am 10. Dezember umgesetzt werden, wenn größere Eingriffe in den Zugverkehr möglich sind. Dann sollen unter anderem weitere Züge auf die Strecken gebracht werden. Ob die Verbesserungen allerdings tatsächlich so groß sein werden, wie die Bahn ankündigt, wird von vielen Pendlern bezweifelt.

Neue Zuggarnitur für die Filstalbahn

Die größte Änderung wird es von Montag an im Filstal auf der Strecke von Ulm über Geislingen, Göppingen und Plochingen nach Stuttgart geben. Denn auf dieser Linie werden fast alle sogenannten Kurzwenden im Stuttgarter Hauptbahnhof aufgelöst. „Das heißt: Nicht der ankommende Zug fährt sofort zurück, sondern eine zusätzliche Zuggarnitur, die schon im Bahnhof bereit steht. So kann sie pünktlich starten, auch wenn der ankommende Zug Verspätung hat“, erklärt der DB-Regio-Chef David Weltzien. In Zukunft würden sich Verspätungen daher nicht mehr wie bisher aufschaukeln und weitere Verspätungen und Zugausfälle nach sich ziehen. Finanziert werden die Zusatz-Lok und die Waggons aus Vertragsstrafen, die die Bahn wegen Verspätungen ans Land zahlen musste.

Die Bahn setzt damit eine Forderung um, die Pendler aus dem Kreis Göppingen schon lange erheben. Was Weltzien allerdings verschweigt ist, dass die Kurzwende ausgerechnet für die beiden Züge, die von den meisten Pendlern für die Heimfahrt genutzt werden (Abfahrt am Hauptbahnhof Stuttgart um 16.31 Uhr und 17.31 Uhr), nicht aufgelöst werden kann, weil dies mit den Fahrplänen auf anderen Strecken kollidieren würde. Für diese Züge ist die Anpassung erst im Dezember möglich. Dann soll zudem der Fahrplan entzerrt werden.

Auf der Remsbahn profitieren eher die Ausflügler

Darüber hinaus sind bei den stündlichen IRE-Zügen der Linie Stuttgart–Filstal–Ulm–Lindau nach Angaben der Bahn künftig nur noch modernisierte Doppelstockwagen im Einsatz. Die Wagen verfügen über WLAN, Klimaanlagen, Videoüberwachung und ein neues Fahrgastinformationssystem. „Mit diesen Fahrzeugen steigern wir den Reisekomfort auf der Filstalbahn deutlich“, sagt Weltzien.

Deutlich sparsamer fallen die Verbesserungen auf den beiden anderen Problemstrecken aus, der Rems- und der Frankenbahn: Auf der Remsbahn, die zwischen Aalen und Stuttgart verkehrt, werden künftig an Wochenenden die Drei-Wagen-Doppelstockzüge um ein weiteres Fahrzeug auf vier Wagen verlängert. Auf der Frankenbahn zwischen Stuttgart und Heilbronn wird eine alte Doppelstockgarnitur gegen modernere Doppelstockwagen getauscht. Die benötigten Züge werden offenbar bis Dezember vorübergehend von der Neckar-Alb-Bahn zwischen Stuttgart und Tübingen ausgeliehen und dort durch ältere Fahrzeuge ersetzt.

Bahn will zusätzliche Lokführer anwerben

Auf den beiden Strecken, auf denen es wie auf der Filstalbahn in den vergangenen Monaten immer wieder zu Zugausfällen und massiven Verspätungen kam, wird sich während der Woche also zunächst nicht viel ändern. Erst von Dezember an sollen die zusätzlichen Wagen auf der Remsbahn auch während der Woche verkehren. Auf der Frankenbahn soll es nach dem jetzigen Stand offenbar bei der Modernisierung der Fahrzeuge bleiben.

Darüber hinaus hat die Bahn bereits im Juli angekündigt, 30 zusätzliche Lokführer für das Land anzuwerben. Denn die Bahn leidet speziell in der Region Stuttgart unter Mitarbeiterschwund, seit klar ist, dass die meisten Regionalstrecken im Jahr 2019 an den Konkurrenten Go Ahead übergehen.

Kommentar: Viele werden verärgert bleiben

So langsam scheint die Bahn in Bewegung zu kommen. Nach eher kosmetischen Maßnahmen im Frühsommer, folgen von Montag an weitere Schritte auf den drei Problembahnen im Land, der Filstal-, der Rems- und der Frankenbahn. Sie werden vor allem auf der Filstalbahn helfen, den Verkehr wieder stabiler und pünktlicher zu machen – doch so verlässlich wie vor dem Fahrplanwechsel vor einem Jahr werden die Züge wohl auch künftig nicht verkehren.

Denn auf der Filstalbahn kann ausgerechnet bei den beiden Zügen, die am späten Nachmittag von den meisten Pendlern für die Heimfahrt genutzt werden, nichts geändert werden. Und die zusätzlichen Wagen auf der Remsbahn kommen zunächst nur an den Wochenenden zum Einsatz, was Ausflügler freuen mag, den Pendlern aber nichts nutzen wird.

Die Bahn weiß das und argumentiert, weitere Maßnahmen seien erst zum Fahrplanwechsel im Dezember möglich. Das ist nachvollziehbar, schließlich hängt bei den Zugfahrplänen im Land ein Stück weit alles mit allem zusammen. Eingriffe sind entsprechend kompliziert.

Doch ob es die Bahn so schafft, die verärgerten Pendler zu befrieden, die sich seit fast einem Jahr mit Verspätungen auf dem Arbeitsweg herumärgern, ist zweifelhaft. Dafür hat die Bahn sich einfach zu lange Zeit gelassen, bis sie die Beschwerden der Betroffenen Ernst genommen und etwas unternommen hat – genau wie das Land.

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