Nächster Streitfall wird Gutbrodbau

Von "Stuttgarter Nachrichten" 

Von Josef Schunder STUTTGART. Im Streit um den Park der Villa Berg

Von Josef Schunder

STUTTGART. Im Streit um den Park der Villa Berg zeichnet sich eine weitere Konfliktlinie ab. Der Unternehmer Rudi Häussler möchte nämlich nicht nur nebenan fünf Wohngebäude mit "Parkresidenzen" bauen, wo bisher noch Fernsehstudios sind; er würde auch gern den sogenannten Gutbrodbau neben der Villa Berg erstehen, abreißen und dort ein weiteres Wohnhaus errichten.

Häussler bestätigte auf Anfrage, dass er eine Kaufoption für das Gebäude hat, das nach dem Zweiten Weltkrieg nach Plänen des renommierten Architekten Rolf Gutbrod entstand. Ein Kaufpreis sei mit dem Südwestrundfunk, in dessen Eigentum das Gebäude ist, noch nicht ausgehandelt, sagt Häussler. Sollte sich dort tatsächlich einmal eine Baumöglichkeit eröffnen, würde man natürlich die Sichtachse respektieren, die einmal zwischen der Villa Berg und dem Schloss Rosenstein bestanden habe.

Diese Sichtachse ist geopfert worden, als der damalige Süddeutsche Rundfunk nach dem Krieg mit dem Segen der Stadt im Park seinen Erweiterungsbedarf befriedigen durfte. Damals entstand der Gutbrodbau mit Hörfunkstudios, außerdem errichtete der Sender weiter nördlich die Fernsehstudios, an deren Stelle Häussler fünf Wohnhäuser bauen will. Ein sechstes Wohnhaus hat Häussler aus seinen Plänen streichen müssen, weil die angestrebte Bebauung der Jury beim Architektenwettbewerb und der Stadtverwaltung zu massiv erschien.

Die Fernsehstudios werden durch einen Neubau ersetzt, der zurzeit auf dem Grundstück des früheren Hotels Berg entsteht. Nach Auskunft von SWR-Intendant Peter Boudgoust wird der Gutbrodbau noch gebraucht, weil dort das Orchester und das Vokalensemble des SWR proben. Nach Häusslers Einschätzung könnten dafür auch andere Räume im Stuttgarter Osten im Umfeld des Südwestrundfunks gefunden werden. Dann könnte über den Gutbrodbau verfügt werden.

Weitere Widerstände sind Häussler bei diesem Kurs gewiss. Auch Städtebaubürgermeister Matthias Hahn (SPD), der anders als seine Genossen im Rathaus beim Thema Fernsehstudios einen pragmatischen Kurs zu steuern scheint, wird im Fall Gutbrodbau entschieden Widerspruch einlegen. Da werde es aus Sicht der Fachverwaltung keinen Ersatzbau geben, kündigte Hahn im Gespräch mit unserer Zeitung an. "Für uns wäre hier der Ort, wo auf der Achse zwischen Villa Berg und Rosensteinschloss der Park oder die frühere Allee rekonstruiert werden sollte", ergänzte der Bürgermeister.

Über die Frage des denkmalpflegerischen Werts des Gutbrodbaus müsse man sich erst noch klarwerden. Aufklärung in dieser Hinsicht haben auch die Grünen in einem umfassenden Antrag zu allen Baufragen im Park der Villa Berg verlangt. Diese und die anderen Fragen der Grünen seien freilich nicht innerhalb von drei Wochen zu beantworten. Hahn selbst schätzt die Bedeutung des Denkmals bisher nicht so ein, dass "man nicht an einen Abriss denken dürfte". Allerdings habe der SWR noch vor wenigen Jahren in das Gebäude investiert.

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