Nachwuchsmusiker Nimo Von Leonberg an die Chart-Spitze

Von Rebecca Welsch 

Nimos Texte klingen  nach Gangster-Rap, sie sind hart und roh – er schreibt sie für sich selbst . Foto: 385idéal
Nimos Texte klingen nach Gangster-Rap, sie sind hart und roh – er schreibt sie für sich selbst .Foto: 385idéal

Nimo ist ein junger Rapper mit Stallgeruch: 2011 saß er im Gefängnis. Inzwischen hat er sein erstes Album herausgebracht. Sein Durchbruch war ein Sprung ins kalte Wasser.

Leonberg - Nie wieder geh ich mit Achter und Fußfesseln runter in Bunker und wart auf mein Urteil. Nie wieder, Baba, ich schwör: ‚Nie wieder!‘“, rappt Nimo. Mit Zigarette in der einen und Whisky-Flasche in der anderen Hand steht er in einer leeren Fabrikhalle und rappt sich durch die Höhen und Tiefen des Drogenkonsums.

Zumindest im Video zu „Nie wieder“ (Liedtext nachfolgend kursiv), seiner aktuellen Single-Auskopplung aus dem Album „Habeebee“, das vor drei Wochen auf Platz vier der deutschen Album-Charts eingestiegen ist. Seine Texte klingen nach Gangster-Rap, und das soll es auch sein.

Doch wer ist Nimo eigentlich? Der 20-Jährige sitzt in einer Leonberger Shisha-Bar, umringt von seinen Kumpels. Er wurde als Sohn iranischer Flüchtlinge in Karlsruhe geboren und kam dann mit acht Jahren an den Engelberg. „Leonberg ist wie mein Wohnzimmer, ich bin in jeder Ecke zu Hause“, sagt Nimo. Er besuchte hier unter anderem die Sophie-Scholl-Schule und die Ostertag-Realschule sowie die Berufsschule. „Frag mich lieber, auf welcher Schule ich nicht war. Ich war zu der Zeit viel unterwegs, immer überall außer zu Hause oder in der Schule“, erzählt er und rappt:

„Ich wollte doch nur mal probieren genauso wie all meine Freunde. Aus ’ner Probe wurde jede Woche, jede Woche wurde schnell zu jedem Tag. Und auf einmal kiffst du ununterbrochen, wirst süchtig, und die Sucht führt zu Kriminalität.“

Als er im Jahr 2011 wegen eines Sammelverfahrens, unter anderem wegen räuberischer Erpressung, ins Gefängnis kam, holte er dort seinen Hauptschulabschluss nach, auch seinem Vater zuliebe. Im Gefängnis erhielt Nimo seinen Künstlernamen, aus seinem eigentlichen Namen Nima wurde Nimo. Außerdem begann er regelmäßiger zu rappen und zu schreiben. „Ich war schon immer musikalisch veranlagt, schon als Kind. Aber am Anfang hat mich keiner ernst genommen.“ Nur seine Freunde unterstützten ihn, als er 2012 sein erstes Video auf Facebook postete. „Ich habe das Video bei einem Kumpel gedreht, das war nichts Ernstes“, sagt Nimo heute. Das Video kam gut an, innerhalb von einer Stunde wurde es mehr als hundertmal angeklickt. „Ich hatte nicht damit gerechnet, es war krass.“ Es folgten weitere Videos und eine Künstlerseite. Diese hat mittlerweile über 120 000 Gefällt-mir-Angaben. Durch seine Facebook-Seite wurde auch Rapper Abdi aus Frankfurt auf ihn aufmerksam, der zu dieser Zeit schon eine Nummer in der deutschen Rap-Szene war. Anfang 2015 rief er bei Nimo an, er solle ihn und Rapper Celo auf ihrer Tour begleiten. „Ich bin komplett ausgerastet“, sagt er über den Tag, an dem seine Musikkarriere begann. „Wir wollten uns die ganze Zeit treffen, aber es hat nie geklappt. Das erste Treffen war einen Tag, bevor Celo und Abdi auf Tour gegangen sind“, erzählt Nimo. „Ich wurde direkt ins kalte Becken gestoßen und wollte nicht versagen.“ Die Tour lief gut, es folgte ein Plattenvertrag mit dem Frankfurter Musiklabel 385ideal, das den Rappern gehört.

„Ein Monat später war ich wieder in Haft, diggi. Kam raus und dacht mir, ich setz mir Ziel. 385i, ich hab mein Deal. Baba, ich schwör: ‚Nie wieder!‘“

In diesem Februar veröffentlichte Nimo schließlich sein erstes Album „Habeebee“, auf dem 23 Lieder sind. Innerhalb weniger Tage kletterte es erst an die Spitze der iTunes-Charts, dann in weiteren Download- und Streaming-Hitlisten nach oben. Der renommierte Musikjournalist Falk Schacht hat ihn schon im Oktober als die „Zukunft des Deutschraps“ geadelt.

Mit seiner Musik will Nimo sich von anderen deutschen Rappern abgrenzen. „Ich will niemals so sein wie all die anderen. Deutscher Rap ist schlecht“, sagt Nimo. Dieser sei zu kommerziell. „Ich will meinen eigenen Stil behalten. Wenn Leute in zehn Jahren einen meiner Songs hören, sollen sie immer noch die Emotionen spüren, die ich an dem Tag hatte, als ich ihn geschrieben habe“, erklärt er.

„So war es bei mir, so war es bei dir, so war es bei ihr und bei ihm.“

Auch sonst geht es ihm bei seinen Liedern mehr darum, seine eigenen Gefühle zu verarbeiten, als darum, eine bestimmte Zielgruppe anzusprechen. „Es ist der Fehler von Rappern, nur für eine bestimmte Zielgruppe zu schreiben. Ich mache das nicht. Meine Texte habe ich geschrieben, wenn ich Lust hatte. Wenn sie anderen Leuten gefallen, ist das cool, dann freut mich das“, meint der 20-Jährige.

Im Moment wohnt Nimo noch bei seinem Vater in Leonberg, schreibt und trifft seine Kumpels. „Ich bin zufrieden. Ich hab auch schon wie ein Penner gelebt“, sagt er. „Ich habe das erste Mal seit 20 Jahren Erfolg und zeige es allen, die nie an mich geglaubt haben. Mein Vater ist stolz auf mich. Und wenn es nicht mehr läuft, hab ich immer noch meine Jungs, die mich unterstützen“, sagt er über seinen Erfolg und die Zukunft. Im Sommer zieht Nimo nach Frankfurt, wo sich sein Plattenlabel befindet. Dann geht es im September auf Deutschlandtour. Am 13. Oktober spielt er auch in Stuttgart. Ob der Erfolg irgendwann abbricht?

„Yeah, nie wieder!“

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