Nachwuchsfechterin aus Stuttgart Zsofia Posgay ist immer auf der Hut

Von Elke Rutschmann 

Für Zsofia Posgay ist das Fechten ein wichtiger Teil des Lebens. In Württemberg ist sie spitze. Foto: Pressefoto Baumann
Für Zsofia Posgay ist das Fechten ein wichtiger Teil des Lebens. In Württemberg ist sie spitze.Foto: Pressefoto Baumann

Die Nachwuchsfechterin Zsofia Posgay aus Stuttgart ist in Württemberg die Nummer eins und wünscht sich einen deutschen Pass.

Fechten ist beim PSV Stuttgart nicht nur eine familiäre, sondern auch eine sehr erfolgreiche Angelegenheit. Der Verein wurde als Zentrum für Nachwuchsleistungssport ausgezeichnet, die A-Jugend rangiert vor Tauberbischofsheim.

Stuttgart - Die junge Fechterin hinter der Maske hat ihr Ziel fest im Blick. Der Arm krümmt sich seitwärts über die Brust, das Handgelenk kippt nach vorn, und die Klinge trifft. Zsofia Posgay liebt am Fechten diese Kombination aus Spiel und Kampf, dieses Auf-der-Hut-Sein, damit es einen nicht selber erwischt. Ihr Trainer Michael Kühner nickt anerkennend. „Sie hat einen sehr eleganten Stil und ist sehr ehrgeizig“, sagt er. Natürlich ist die 15-Jährige vom Polizeisportverein Stuttgart auch sehr trainingsfleißig, sonst hätte sie es nicht zur Nummer eins ihrer Altersklasse in Württemberg geschafft. Seit acht Jahren ist die gebürtige Ungarin der Faszination des Fechtens verfallen. „Es ist etwas Spezielles. Das macht nicht jeder“, sagt Zsofia. Dreimal pro Woche steht sie auf der Fechtbahn, die Koordination und die Körperspannung optimiert sie noch durch Trampolinspringen.

Sie ist ein kleines Juwel in der Truppe von Michael Kühner. Nur bei internationalen Turnieren muss sie passen. Sie lebt seit vier Jahren in Deutschland und muss wohl noch zwei Jahre warten, ehe sie einen deutschen Pass bekommt. „Ich würde sehr gerne für Deutschland starten“, sagt Zsofia und verschwindet durch die Glastür auf den Flur. Dort wartet eine Lektion mit Michael Kühner, den sie alle nur Michi rufen. Seine Frau Bettina nennen sie Bongo. „Respekt ist keine Frage des Siezens“, sagt Michael Kühner. Der 65-Jährige l(i)ebt Fechten. Sein Vater war 1936 Fechtmeister, die erwachsenen Kinder Anna und Ludwig arbeiten auch als Trainer, und er selbst engagiert sich noch ehrenamtlich als Landestrainer im Damen-Florett. „Da kann man schon fast von einem Generationenvertrag sprechen“, sagt Kühner und lacht.

Auch bei begrenztem Talent lässt sich mit Fleiß viel erreichen

Die Kunst mit dem Florett ist beim PSV Familiensache. Und zudem sehr erfolgreich. Weil der Nachwuchs regelmäßig vordere Plätze bei deutschen Meisterschaften abräumt, in Württemberg dominiert und die A-Jugend sowohl bei den Mädchen als auch bei den Jungen vor der Fechthochburg Tauberbischofsheim platziert ist, wurden der PSV und seine moderne Fechthalle vom Deutschen Fechterbund (DFeB) als Zentrum für Nachwuchsleistungssport ausgezeichnet. „Das ist mehr ein ideelle Geschichte – wie eine Ehrenurkunde in der Schule“, sagt Kühner. Geld gibt es dafür nicht. Aber es ist ein Ansporn weiterzumachen. Sein Ziel ist es, Kinder so gut auszubilden, dass sie „bei den deutschen Meisterschaften mithalten können, ohne in ein Sportinternat zu müssen“.

Gerade sind die Schüler dran. Lilli, Pia, Vincent, Dominik und Leo sind über ein Schnuppertraining an der Ameisenbergschule zum Fechten gekommen und dabei geblieben. Der Einstieg war nicht leicht. „Es sind völlig neue Bewegungsabläufe für die Kinder“, sagt Kühner. Da hilft nur: üben, üben, üben. Auch bei begrenztem Talent lässt sich mit Fleiß viel erreichen. Nach etwa neun Monaten stellen sich die ersten Erfolgserlebnisse ein. Zsofia Posgay übt mit der Gruppe an diesem Abend Technik und fechtspezifische Beinarbeit. Kühner arbeitet in Einzellektionen an den Fehlern. Dann wird frei gefochten. „Heute habe ich nur einen Kampf verloren“, sagt die zehnjährige Pia mit roten Wangen. Beim Rössle-Turnier wurde sie Zweite. Nur Magnus Rieth war noch besser. Kühner bezeichnet ihn als „Naturtalent“. Der Junge mit den schwarzen Locken profitiert aber auch davon, dass er Linkshänder ist und alle, die mit rechts die Klinge führen, ein bisschen vor ihm zittern. Abseits der Planche ist der Neunjährige eher schüchtern. Aber man merkt ihm den Spaß am sportlichen Duell an. „Es ist kein Problem, dass der Michi so streng ist, weil man auch was lernt“, erzählt Magnus. Gerade nimmt Kühner einen Jungen in den Arm, der wegen eines verlorenen Gefechts geweint hat. „Du bist doch kein Jammerlappen“, sagt Kühner. Die harte, aber herzliche Kritik kommt an. Lilli hat für das Training sogar einen Geburtstag abgesagt. Sie und die anderen werden weiter üben, damit ihre Florettspitzen immer öfter die entscheidende Hundertstelsekunde früher am Körper der Gegner sein werden.

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