Tina Hülle packt die Koffer. Nach mehr als vier Jahren Amtszeit im Bezirksrathaus wird sie in wenigen Wochen Stammheim verlassen, um ihr Glück im Fränkischen zu suchen. In Bamberg übernimmt die 34-Jährige die Leitung der Wirtschaftsförderung. Schon am 26. Oktober wird Tina Hülle von Verwaltungsbürgermeister Werner Wölfle offiziell verabschiedet.
Nach einer Nachfolgerin, beziehungsweise einem Nachfolger wird bereits gesucht. "Wir haben die Stelle am Donnerstag im Amtsblatt und am Freitag im Staatsanzeiger ausgeschrieben", erklärt Bernd Reichert, der Leiter des Haupt- und Personalamtes der Stadt Stuttgart. Egal, ob männlich oder weiblich, "wir suchen einen erfahrenen Beamten des höheren oder gehobenen Verwaltungsdienstes oder einen Bewerber mit vergleichbaren Fähigkeiten und Erfahrungen", schildert Reichert die Voraussetzungen.
Der Bezirksvorsteher leitet das Bezirksamt und ist unmittelbarer Vorgesetzter der dortigen Angestellten. Sein Aufgabengebiet umfasst unter anderem die Bereiche Allgemeine Verwaltung, Organisation, Personal und Budgetverwaltung. Er steht außerdem dem Bezirksbeirat vor. Schwerpunkte seiner "kommunalpolitischen Zielsetzung sind die Förderung der Gemeinwesenarbeit und des bürgerschaftlichen Engagements".
Wer sich bewerben möchte, sollte sich in folgender Beschreibung wieder erkennen: "Wir suchen eine kontaktfreudige, engagierte Persönlichkeit, die die Gemeinwesenarbeit und Beteiligung der Bürgerschaft in allen kommunalen Bereichen fördert sowie bürgerschaftliche Initiativen unterstützt." Der oder die Bewerberin sollten Erfahrung in der Personalführung mitbringen sowie einen "ziel- und teamorientierten Führungsstil pflegen". Ein wenig trocken formuliert und als Vorgeschmack aufs Beamtendeutsch durchaus geeignet, lautet eine weitere Voraussetzung, dass der oder die Neue "den Bürgerservice kundenorientiert umsetzt, die Ziele der Gesamtsteuerung unterstützt sowie Sozialkompetenz und Einfühlungsvermögen besitzt". Die Bewerbungsfrist dauert in der Regel zwei Wochen, sprich: noch bis Ende dieses Monats.
Eine Auswahl der Kandidaten stellt sich dann zunächst im Bezirksbeirat, danach im Verwaltungsausschuss des Gemeinderats vor - in nicht öffentlicher Sitzung. Schließlich folgt die öffentliche Vorstellung in der Vollversammlung des Gemeinderats in öffentlicher Sitzung mit anschließender geheimer Wahl. "Wir achten bei unserer Vorauswahl auf Kompetenz und darauf, dass die Kriterien der Ausschreibung erfüllt sind", erklärt Amtsleiter Reichert. "Die politische Couleur der Bewerber spielt dabei keine Rolle. Die fragen wir nicht ab, und das dürfen wir auch gar nicht - das ist Privatsache." Am Ende entscheidet jedoch der Gemeinderat. Und dessen Mitglieder wählen denjenigen, den sie für geeignet halten. Dass Tina Hülle Mitglied in der CDU ist, mag für den einen oder anderen Stadtrat seinerzeit eine Rolle gespielt haben. Über alle Parteien hinweg scheinen die Stammheimer Beiräte Hülles Weggang zu bedauern.
Bis ein Bezirksvorsteher gewählt ist, führen Hülles Stellvertreterinnen Susanne Korge und Susanne Laufenberg die Amtsgeschäfte von November an weiter. Ein Termin für die Wahl steht noch nicht fest.